Krampfadern entfernt: «Die Operation war ein Fehler»

Gesundheitstipp 02/2011 vom

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Der 55-jährige Christoph Dill hat vor zwei Jahren seine Krampfadern ­entfernen lassen. Heute geht es ihm ­­schlechter als zuvor. Eine Studie bestätigt: Nicht immer operieren Ärzte korrekt.

Seit er 30 Jahre alt war, leidet Christoph Dill aus Zürich an Krampfadern am linken Bein. «Das sah zwar nicht schön aus, war aber nicht weiter schlimm.» Im Sommer schwoll der linke Knöchel jeweils leicht an.

Dennoch liess sich Dill auf Anraten der Spezialisten vor zwei Jahren operieren. Mit fatalen Folgen: Bis heute plagen ihn Schmerzen und Taubheitsgefühle. Der Knöchel schwillt bis zur Wade an, obwohl Dill täglich mindestens eine halbe Stunde auf einem Fitnessgerät trainiert und immer einen Kompressionsstrumpf trägt.

Seit der Operation begleitet ihn zudem ein Bluterguss, der sich über die ganze Wade erstreckt. Dill kann deshalb weder Ski- noch Wanderschuhe noch Rollerblades anziehen: «Das alles nervt. Die Operation war ein Fehler.»


Problem: Kranke Vene nicht ganz entfernt

Dills Erfahrungen sind kein Einzelfall. Oft sind die Operationsre­sultate bei Krampfadern unge­nügend. Dies bestätigt eine Studie von Forschern der Ruhr-Universität in Bochum (D).

Sie hatten in verschiedenen Spitälern gegen 300 Patienten untersucht, die wegen der Krampfadern zum zweiten Mal unters Messer mussten: Bei rund zwei Dritteln der Patienten führten die Ärzte die erste Operation falsch durch.

Sie hatten die kranke Vene nicht komplett entfernt. Deshalb bildete sich erneut eine Krampfader. Markus Stücker, leitender Arzt am Venen­zentrum der Uni Bochum: «Wichtig ist, dass der Chirurg über aus­reichend Routine verfügt.» Dann sei das Risiko geringer.

Hinzu kommt: Viele Patienten liessen sich die Operation aufschwatzen, weil Krampfadern nicht schön sind. Stefan Küpfer vom ­Venenzentrum Bad Ragaz SG:

«Man muss nicht jede Krampfader behandeln.» Selbst Schmerzen und schwere Beine sagen meist wenig darüber aus, ob die Venen bereits geschädigt sind.


Bei entzündeten Venen muss man zum Arzt

Für Küpfer gibt es deutliche Signale, ab wann Krampfadern zu einem medizinischen Fall werden:

  • Wenn sie schmerzen und sich hart anfühlen, sind sie oft entzündet. Unternimmt der Patient bei einer Entzündung der Venen nichts, droht ein Blutgerinnsel im Bein.
  • Verfärbt sich die Haut unterhalb des Knöchels blau oder braun, sollten Patienten ebenfalls zum Arzt.
  • Auch oberflächliche Blutungen sind kein gutes Zeichen.

Küpfer: «Lässt man solchermassen geschädigte Venen unbehandelt, kann es zu offenen Beinen kommen.» Zur Operation gibt es allerdings Alternativen: Ärzte können kranke Venen mit Laserstrahlen oder Radiowellen zum Schrumpfen bringen.

Dabei führen sie durch ­einen kleinen Schnitt eine Sonde in die Vene ein und erhitzen sie. Der Eingriff ist schonender, und oft führt ihn der Arzt in seiner Praxis durch. Nachteil: Man weiss noch nichts über mögliche Langzeitfolgen des Eingriffs, denn die Methode gibts noch nicht ­lange (siehe Tabelle im pdf-Artikel).


Bei kleinen Krampfadern helfen sanfte Methoden

Ebenfalls eine neuere Methode ist das Veröden der Vene mit einem Schaum. Vorteil: Es ist kein Schnitt in die Haut nötig, da die Ärzte die Substanz von aussen in die Vene spritzen. Es gibt auch keine Langzeitstudien.

Deshalb übernimmt die Grundver­sicherung die Kosten der Behandlungen mit Laser und Schaum nicht. Ausserdem sind mehrere ­Behandlungen nötig. Bei kleinen Krampfadern helfen oft sanfte Methoden wie Kneipp-kuren, Homöopathie oder Lymphdrainage.

Auch Medikamente können Linderung verschaffen. Viele Fachleute raten zu pflanzlichen Mitteln wie Salben und Dragees aus Rosskastanie, Hamamelis oder rotem Weinlaub. Sie stärken und ­stabilisieren die Venen und fördern die Durchblutung.

Kompressionsstrümpfe stützen Venen von aussen und verkleinern ihr Volumen. So fliesst das Blut ­besser ab. Wichtig: Die Strümpfe muss der Arzt anpassen, sonst kann es Druck­schäden geben. Venen­spezialist Nikolaus Linde von der Venenclinic St. Gallen: «Sie nützen aber nur, solange man sie trägt.»

Häufig bilden sich allerdings nach ein paar Jahren neue Krampfadern – trotz Behandlung. Denn ­sie entstehen aufgrund einer angebo­renen Bindegewebsschwäche. Je früher eine Krampfader aufgetreten ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich wieder eine neue bildet.

Linde: «Wenn eine 18-Jährige mit Krampfadern zu mir kommt, weiss ich: Sie wird ihr Leben lang damit zu kämpfen haben.» Stellt man  Krampfadern hingegen erst mit 60 Jahren fest, kann es sein, dass der Patient nach der Operation für immer Ruhe hat.


So beugen Sie Krampfadern und Besenreisern vor

Bei Krampfadern treten die Venen stellenweise hervor. Besenreiser sind als rote Gefässbäumchen sichtbar und meist harmlos. Hier einige Tipps, wie Sie vorbeugen können:

  • Trinken Sie viel!
  • Übergewicht belastet Venen: Ernähren Sie sich fettarm, mit viel Obst und Nahrungsfasern.
  • Seien Sie zurückhaltend mit Alkohol und Nikotin.
  • Duschen Sie sich regelmässig die Beine kalt ab. Das fördert die Durchblutung.
  • Tragen Sie bequeme Schuhe.
  • Bewegen Sie sich viel. Das fördert die Durchblutung.
  • Trainieren Sie besonders Ihre Wadenmuskeln.
  • Stehen oder sitzen Sie nicht zu lange am gleichen Ort, das gilt auch auf Reisen.
  • Lagern Sie zwischendurch die Beine hoch.
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