Konsument Frenkel: Das wahre Leben

saldo 19/2017 vom

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Wenn es draussen früher dunkel wird und sich die Familie langweilt, spielen wir Brettspiele. Am liebsten ­Monopoly. Da lernt man etwas über das Leben. Weil ich so clever spiele und die Kinder beim Kartentauschen übertölple, habe ich noch nie verloren. Meine Familie meint, dass ich sehr verbissen spiele. Ich finde das unfair. Behauptet jemand von Roger Federer, dass er verbissen spielt? 

Seit ich Monopoly spiele, habe ich eine ganz andere Sicht auf die Schweiz. Zürich ist für mich wegen Paradeplatz (8000 Franken) und Rennweg (5200 Franken) einfach spitze. Der Aargau hingegen ist nichts wert. Der viertgrösste Schweizer Kanton ist nur mit dem billigen Aarau vertreten (2000 Franken). Und die Zentralschweiz – immerhin fünf Kantone – kommt nur einmal vor: ­Luzern kostet 5200 Franken. 

Wenn ich mit den Kindern spiele, erkläre ich ihnen auch gleich das Schweizer Rechtssystem: Wer ins Gefängnis muss, kommt mit einer Busse von 1000 Franken wieder raus.

Aber auch ich lerne Neues. Früher wetterte ich über das Bankensystem. Mich ärgerte zum Beispiel, dass sich der Bancomat nie irrt: Er spuckt immer genau den Betrag aus, den ich eintippe. Nie gibts mehr. Als Monopoly-Spieler weiss ich heute aber: Auch die Banken können sich täuschen. Auf der sympathischen der «Chance»-Karten steht: «Die Bank hat sich zu deinen Gunsten geirrt – du erhältst 4000 Franken.»  

Mein Lieblingsfeld? Natürlich das «Start»-Feld: «Nimm 4000 Franken Honorar im Vorbeigehen.» Davon träume ich sogar.

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