Kleinkredite: Im langen Schatten ihrer Zinsen

K-Geld 3/2005 vom

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Kleinkredite sind teures Geld. Wer trotzdem einen Kredit aufnimmt, sollte die Angebote gut unter die Lupe nehmen. Am günstigsten gibts geliehenes Geld bei Money-net.

Die Schweiz ist im Bereich Konsumkredite ein Entwicklungsland», sagt der Kleinkredit-Experte Norman Karrer von der weltweit tätigen US-Finanzberatungsfirma Mercher Oliver Wyman. Der überwältigende Erfolg des Auto-Leasings habe aber den Boden für einen lockereren Umgang mit Kleinkrediten bereitet.

Kleinkredite sind laut Karrer eines der letzten Felder, in denen die Banken in der Schweiz noch zulegen können. Dank der nach wie vor tiefen Zinsen können die Banken zurzeit billiges Geld teuer an Kunden ausleihen - zu einem Zinssatz von bis zu 15 Prozent. Da kommt ein nettes Sümmchen zusammen: Bei einem Zinssatz von 12 Prozent zahlt der Kunde für einen Kredit von 25 000 Franken in drei Jahren 5430 Franken Zinsen.

Und tatsächlich: Immer mehr Banken steigen ins Geschäft mit Kleinkrediten ein. Den Anfang machten letzten November die Raiffeisenbanken. Sie verlangen - je nach Höhe des Kredits - zwischen 9 und 12 Prozent Zinsen, sind aber sehr restriktiv bei der Kreditvergabe. Während im Schweizer Durchschnitt gemäss Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) nur 27 Prozent der Kreditanfragen abgelehnt werden, sind es bei den Raiffeisenbanken gemäss eigenen Angaben über 60 Prozent.

In diesem Frühjahr steigen auch immer mehr Kantonalbanken in den Markt ein. Sie haben unter der Führung der Zürcher Kantonalbank kürzlich das Kreditinstitut Cashgate gegründet. Die Zürcher Kantonsregierung schlägt die Kritik, dass nun auch staatliche Institute die Verschuldung förderten, in den Wind.

Im Gegenteil: Der Markteintritt eines «verantwortungsvollen Anbieters» im Konsumkreditbereich sei aus volkswirtschaftlichen Überlegungen positiv zu beurteilen, heisst es in der Antwort auf eine Anfrage aus dem Parlament. Das ermögliche mehr Wettbewerb in einem Markt, der von GE Capital Bank, die sich neu GEFS (Suisse) nennt, von Credit Suisse und Migrosbank dominiert werde.


«Markt nicht mit Dumpingangebot aufmischen»

GEFS (Suisse) kommt mit den beiden Marken GE Money Bank und Prokredit auf einen Marktanteil von rund 60 Prozent, Credit Suisse auf rund 25 Prozent und die Migrosbank auf 9 Prozent.

Cashgate, das selbst ernannte «Tor zum Bargeld», hat Grosses vor. Das Institut will zur Nummer drei aufsteigen. Der Zeitpunkt ist günstig: Viele Leute haben wenig Geld zur Verfügung, die Nachfrage nach Konsumkrediten steigt. 2004 wurden erstmals über 400 000 Kredite in der Höhe von 6,57 Milliarden Franken vergeben. Das sind 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Cashgate ist den Beweis für eine verantwortungsvolle Kreditvergabepolitik noch schuldig geblieben. Das Gemeinschaftsunternehmen von Graubündner, Schwyzer, Thurgauer und Zürcher Kantonalbank sowie der Valiant-Gruppe will den Markt aber «nicht mit Dumpingangeboten aufmischen», wie Firmensprecherin Elke Zappe sagt.

In der Tat, Cashgate verlangt einen Zinssatz von 10,9 Prozent und ist damit einiges teurer als die Angebote anderer Kantonalbanken. Die Neuenburger, Genfer und Freiburger Kantonalbanken verlangen je nach Kredithöhe über 2 Prozent weniger (siehe Tabelle).

Attraktiv ist auch das Angebot der Migrosbank mit dem tiefen Einheitszins von 8,5 Prozent. Die besten Zinssätze bietet mit 8 Prozent jedoch Money-net, das Internetangebot der Berner Kantonalbank.

Prokredit und GE Money Bank kontern mit flexiblen Angeboten. Das Zauberwort heisst in bestem Neudeutsch «risikobasiertes Pricing». Konkret: Je zahlungsfähiger der Kunde, desto tiefer die Schuldzinsen.

Kritiker warnen jedoch, dass die beiden Anbieter den besten Zinssatz nur jenen gewähren, die gar keinen Kredit brauchen. Sie sprechen deshalb von Lockvogelangeboten, die für das Gros der Kreditnehmer nicht gelten.


Beim Zins bis zu 80 Prozent Unterschied

Auf Flexibilität setzt auch die Credit Suisse, die drei unterschiedliche Produkte anbietet: Classic für grössere Beträge und längere Laufzeiten, Fest für Beträge bis 40 000 Franken und Flex für Laufzeiten bis zu einem Jahr und maximal 12 000 Franken.
Die Zinssätze liegen je nach Bonität des Kunden zwischen 9,9 und 12,5 Prozent. Gute Schuldner werden also belohnt, schlechte mit hohen Schuldzinsen bestraft.

Für den Konsumenten hat sich trotz Flexibilisierung und neuen Anbietern wenig geändert. «Kleinkredite sind nach wie vor die teuerste Form des Einkaufens», sagt Hansueli Mesmer von der Schuldenberatungsstelle in Bern.

Und wie beim Einkaufen lohnt es sich auch bei Kleinkrediten, auf den Preis zu achten. Denn zwischen billigen und teuren Angeboten beträgt der Unterschied bis zu 80 Prozent.

Wichtig ist für Kreditnehmer auch der Faktor Zeit: Wer bei Money-net einen 10 000-Franken-Kredit innerhalb eines Jahres abstottert, muss Fr. 423.20 Zinsen zahlen. Wer sich mit der Rückzahlung zwei Jahre Zeit lässt, zahlt fast doppelt so viel, nämlich 824 Franken.



Günstigere Alternativen zu Kleinkrediten

Es gibt günstigere Möglichkeiten als einen Kleinkredit, um finanzielle Engpässe zu überbrücken:

- Zahlungsaufschub: Suchen Sie den direkten Kontakt mit der Person oder Firma, der Sie Geld schulden, und verlangen Sie einen Zahlungsaufschub. Eine Verzinsung von 5 Prozent ist dabei üblich.
- Kredit bei Verwandten oder Bekannten: Private Kreditgeber verlangen in der Regel deutlich tiefere Zinsen. Zur Absicherung für beide Parteien sollten Sie einen Darlehensvertrag aufsetzen.
- Kredit vom Arbeitgeber: Etliche Arbeitgeber gewähren kleinere Überbrückungskredite zu Vorzugskonditionen.
- Steuern: Fragen Sie nach, ob Ihnen ein Zahlungsaufschub für Steuern gewährt wird: Das ist eine der günstigsten Formen von Kredit.
- Erbvorbezug: Prüfen Sie, ob allenfalls ein Erbvorbezug in Frage kommt, und halten Sie in einem Vertrag die genauen Bedingungen fest.

Wer trotzdem einen Kleinkredit aufnimmt, sollte sicherstellen, dass er die Schulden innerhalb der gesetzten Frist zurückzahlen kann. Für Notsituationen und anfallende Steuern sollte man genügende Reserven einplanen.

Und noch etwas: Schuldenberater raten ab von Rückzahlungsverträgen, die länger als zwei Jahre dauern.



Ohne Prüfung kein Kredit

Kreditinstitute müssen von Gesetzes wegen prüfen, ob ein Kreditnehmer finanziell in der Lage ist, den beantragten Kredit innerhalb von drei Jahren zurückzuzahlen - auch wenn die vorgesehene Vertragsdauer länger dauert. Wenn nicht, dürfen sie den Kredit nicht gewähren. Bei der Prüfung werden Wohnkosten, Steuern, bereits bestehende Kredit- und Leasingverpflichtungen sowie Lebenshaltungskosten berücksichtigt.

Alle Verträge werden der Informationsstelle für Konsumkredit (IKO) gemeldet. Wer wissen will, was über ihn gespeichert ist, kann kostenlos Einblick in seine Daten verlangen. Adresse: IKO, Neuhausstrasse 4, Postfach 382, 8044 Zürich (Ausweiskopie beilegen). Ein Antrag lässt sich unter www.iko-info.ch herunterladen.

Kleinkreditnehmer können einen Kreditvertrag übrigens innert sieben Tagen widerrufen. Die Frist beginnt zu laufen, sobald der Kunde eine Vertragskopie erhalten hat. Es genügt, wenn er die Widerrufserklärung am siebten Tag abschickt. Tipp: Unbedingt eingeschrieben senden!
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