In die Inkasso-Falle getappt

K-Tipp 05/2011 vom

von

Inkassobüros unterbreiten den Schuldnern gerne Vereinbarungen für das ratenweise Abstottern der Schuld. Dabei schmuggeln sie oft weitere Posten in die Rechnung, die gar nicht geschuldet sind.

Das Papier trägt den ­Titel «Zahlungsvereinbarung» sowie die Bitte, das Blatt zu unterzeichnen. Das spare «zusätzliche, ­unnötige Kosten». Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Wer eine solche Vereinbarung akzeptiert, unterschreibt auch für Kosten, die er gar nicht zahlen müsste.


So bläst Intrum die Rechnungen auf

Dies zeigt ein aktuelles Beispiel der Intrum Justitia. Eine Frau aus Zürich schuldet Fr. 409.60 plus Fr. 13.55 Zinsen. Diese Forderungen sind unbestritten (siehe unten). Doch auf der «Zahlungsvereinbarung» werden daraus flugs Fr. 734.15, zu bezahlen in 7 Raten.

Denn die Intrum bläst die Rechnung auf mit Verzugsschaden (Fr. 181.–), mit Kundenkosten (Fr. 5.–) und mit Teilzahlungszuschlägen (Fr. 105.–). Dazu verlangt sie noch 20 Franken für die «Einrichtung Zahlungsvereinbarung».

Karl Weiss aus Dietikon ZH hilft der betroffenen 80-jährigen Frau in finanziellen Belangen. Er hatte ihr geraten, die Vereinbarung zu unterschreiben. Doch als er im K-Tipp 1/11 las, dass Schuldner den pauschalen Verzugsschaden der Inkassobüros gar nicht zahlen müssen, beschwerte er sich schriftlich bei der Intrum Justitia.

Die Antwort der Intrum: «Die Kosten wurden mit der Unterzeichnung der Schuldanerkennung anerkannt. Da auf der Schuldanerkennung der Verzugsschaden klar vermerkt ist, waren Frau X die zusätzlichen Kosten bewusst.»

Das Beispiel zeigt: Wer solche Zahlungsvereinbarungen, Ratenzahlungen oder Abzahlungsverträge unterschreibt, tappt in die Falle. Die Unterschrift gilt als Schuldanerkennung für den gesamten Betrag – inklusive Fantasieposten des Inkassobüros. Die Intrum Justitia ist nicht die einzige Inkassofirma mit dieser Schmuggelpraxis.

Auch andere Inkassofirmen schlagen meistens den Verzugsschaden drauf und manchmal noch weitere Beträge. Die Alphapay AG zum Beispiel, die offene Forderungen für die Swisscom eintreibt, jubelte einer Schuldnerin neben dem Verzugsschaden auch noch sogenannte «Adressnachforschungskosten» unter. Sie betont, die Schuldnerin habe, «ohne uns zu informieren», gezügelt und damit die Adressnachforschung veranlasst.   


Sofortige Betreibung wird angedroht

Übrigens: Die Zahlungs- bzw. Ratenvereinbarungen der Intrum Justitia sind doppelt tückisch. Denn darin steht auch: «Das Ausbleiben der Ratenzahlung hat die umgehende Betreibung zur Folge.» Es kommt also umgehend ein Zahlungsbefehl ins Haus.

Das ist keine leere Drohung, wie der K-Tipp von einem konkreten Fall aus dem Jahr 2008 weiss. Heute heisst es bei der Intrum: «Gemäss Standardprozess wird bei ausbleibender Ratenzahlung eine Mahnung versandt. Bleibt die Ratenzahlung danach immer noch aus, wird allenfalls die Betreibung eingeleitet.»


Keine zusätzlichen Kosten anerkennen!

Wer von einem Inkassobüro eine Rechnung erhält, muss nur den ursprünglich geschuldeten Hauptbetrag zahlen sowie einen Verzugszins ab Datum der Mahnung.

Der Verzugszins beträgt 5 Prozent, falls nichts anderes abgemacht ist. Bezahlen müssen Sie auch Mahngebühren, falls diese vertraglich abgemacht waren (siehe K-Tipp 1/11).

Einen pauschalen Verzugsschaden müssen Sie hingegen nicht zahlen. Ratenzahlungsvorschläge, wie sie Inkassobüros vorlegen, sollten Sie auf keinen Fall unterschreiben.

Falls Sie die ursprüngliche Forderung anerkennen, können Sie von sich aus einen Ratenzahlungsvorschlag machen, der nur den Hauptbetrag sowie die Zinsen (und allenfalls Mahngebühren) enthält.

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Kommentare

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von ktipp-leser am
10.07.2013, 12:04

Lustige Methoden Intrum Justitia

Auch ich bin in die Inkasso-Falle der Intrum Justitia getappt. Ich möchte vorwegnehmen, dass ich im ganzen Leben noch nie betrieben worden bin oder eine Rechnung nicht bezahlt habe. Dann so: Sendung über DHL erhalten/ohne Rechnung. Nach EINEM Jahr erhalte ich die Mahnung mit 10 Tagen Zahlungsvorgabe. Da ich überhaupt nicht wusste, um was für eine Rechnung es sich handelt, verlangte ich eine Kopie. In der Zwischenzeit erhielt ich schon die Rechnung mit genau den Drohungen von Intrum Justitia, inkl. Zins, und weiss Gott nicht alles. Die eigentliche Rechnung habe ich natürlich beglichen, jedoch beharrt Intrum Justitia weiter auf Ihrem Betrag. Nach meinem Anruf mit dem Hinweis, dass gemäss K-Tipp und Konsumentenschutz die Forderungen nicht gelten gemacht werden können, schlug die Dame einen 50% Handel vor!!! Bei der Intrum Justitia geht es zu und her, schlimmer wie auf einem Bazar.

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