Hors-Sol: Migros & Co. ignorieren Kundenwunsch

K-Tipp 01/2017 vom

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Der massive Protest von Konsumentinnen und Konsumenten lässt viele Grossverteiler kalt: Sie halten an ihrem Beschluss fest und deklarieren Hors-Sol-Gemüse nicht mehr.

Erdbeeren: In einem Hors-Sol-Gewächshaus in der Provence (Bild: KEYSTONE)

Erdbeeren: In einem Hors-Sol-Gewächshaus in der Provence (Bild: KEYSTONE)

Die gute Nachricht vorab: Globus, Lidl und Manor wissen, was Konsumenten wünschen. Sie deklarieren Früchte und Gemüse aus Hors-Sol-Pro­duktion weiterhin. So können die Kunden selbst entscheiden, ob sie solche Ware kaufen wollen. Alle drei Grossverteiler bestätigen gegenüber dem K-Tipp: «Ja, die Deklaration erfolgt auf Wunsch der Kundinnen und Kunden.»

Diesen Wunsch unterstreichen auch die rund 5000 Unterschriften, die bis heute auf der Redaktion des K-Tipp eingegangen sind. In einem offenen Brief fordern die Leserinnen und Leser Aldi, Denner, Migros, Spar und Volg auf, Hors- Sol-Gemüse und -Früchte in den Läden auch künftig klar anzuschreiben. 

Diese Grossverteiler hatten zusammen mit den Schweizer Gemüseproduzenten beschlossen,  solche Produkte nicht mehr zu deklarieren. Ursprünglich war auch Coop dabei, kam aber später auf seine Entscheidung zurück und wird die Anbaumethode auch künftig transparent machen (K-Tipp 20/2016). 

Nicht gleich wie aus natürlichem Anbau

Hors-Sol-Produkte sind nicht gleich wie natürlich angebautes Ge­müse und Früchte. Die Pflanzen werden in Gewächs­häusern ohne Erde angebaut und mit Nährstoffen künstlich ernährt. 

In der ersten Januar­woche hat der K-Tipp das Unterschriftenpaket den Konzernsitzen von Aldi, Denner, Migros, Spar und Volg zugestellt. 

Doch die Empörung ­ihrer Kunden liess die Manager kalt. Migros-Sprecherin Monika Weibel: «Der Entscheid, auf eine Deklara­tion von Hors-Sol zu verzichten, war wohl überlegt. Deshalb sehen wir keinen Grund, ihn rückgängig zu machen.» Bei Spar heisst es: «Wir haben beschlossen, künftig auf die Deklara­tion von Hors-Sol zu verzichten, weil diese Anbau­methode heute der guten ­Agrarpraxis entspricht.» Ähnlich lauten die Antworten von Denner und Aldi.Volg behauptet: «Die ökologischen und ökonomischen Vorteile der Hors-Sol-Anbautechnik sind heute unbestritten. Hors-Sol stellt eine ökologisch sinnvolle Antwort auf die stetig steigende Nachfrage der Konsumenten nach ganzjährig verfüg­baren Früchten und Ge­müsen dar.» 

Da stellt sich die Frage: Warum dürfen die Kunden nicht mehr wissen, ob ein Gemüse aus Hors-Sol-Anbau stammt, wenn sie solche Produkte angeblich wünschen?

Leserreaktionen: «Ciao, Grossverteiler!»

Das ist ja eine schöne Schlaumeierei, die da Grossverteiler und Produzenten ausgeheckt haben. Ein richtiger Bschiss ist das, die Hors-Sol-Angaben zu unterdrücken.

Rolf Müller, Kehrsatz BE

Selbstverständlich sollen alle Lebensmittel präzise deklariert werden – auch Hors-Sol-Produkte. Sonst ist es nicht möglich, im Laden bewusst auszuwählen.

Maria-Clara Eriksson, Veronika Ryser und Elisabeth Otter, Dornach SO

Es ist ein echter Ablöscher, wenn Gemüse nicht mehr in der Erde wachsen darf. Hors-Sol hat wirklich nichts mehr mit der Anpflanzung von gesundem Gemüse zu tun. Ich verzichte auf solche Produkte.

Vreni Schmuckli, Rorschach SG

Wenn die Hors-Sol-Produzenten selbst überzeugt wären von der gleichwertigen Qualität ihrer Produkte, bräuchten Sie die Kennzeichnung nicht zu fürchten.

Gerhard von Holzen, Klingnau AG

Mein Bio-Laden wird es mir danken, dass ich nur noch dort einkaufen werde. Ciao, Grossverteiler!

Balbina Hossmann, Wald ZH

Erde und Sonne gehören zum Gedeihen von Pflanzen.

Silvia Bickel-Schuler, Langnau a. A. ZH

Wer schon einmal sonnengereifte ­Tomate gegessen hat, wird eine Hors-Sol-Tomate weit weg werfen. 

Werner Dieziger, St. Gallen

Es darf doch nicht sein, dass man mir im Laden etwas unter­jubelt, was ich überhaupt nicht will! Wenn wir Konsumentinnen und Konsumenten uns dagegen nicht mit allen Mitteln wehren, wird es bald mit genveränderten Produkten gleich gehen.

Evy Osswald, Bäretswil ZH

Gemüse aus Hors-Sol-Produktion würde ich nie kaufen, geschweige denn essen.

Monika Nuzzo, Oberstammheim ZH

Mein Fazit: Besser italienische Tomaten aus der Büchse als Schweizer Tomaten zu jeder Jahreszeit aus dem Substrat.

Andreas Müller, Gelfingen LU

Ich werde so weit wie möglich nur noch Produkte direkt ab dem Bauernhof beziehen – und damit Ge­müse und Früchte bei den Grossverteilern meiden.

Karin Olbrecht, Winden TG

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