«Für die Betroffenen ist WLAN schrecklich»

K-Tipp 15/2010 vom

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Empfindliche Leute erleben die hausgemachte Netzwerkstrahlung als besonders aggressiv. Oft hilft Verhandeln oder Abschirmen. Vielen bleibt aber nur die Flucht – oder sie resignieren.

Er hatte Schlafprobleme, und wenn er in der Nacht wach lag, raste sein Herz: So schildert Heinz Tschanz aus Münchenbuchsee BE seine unangenehmen Erfahrungen mit den WLAN-Sendern seiner Nachbarn. WLAN steht für «Wireless Local Area Network», auf Deutsch: örtliches Drahtlos-Netzwerk.

Doch Tschanz hatte Glück: Die Nachbarn waren bereit, ihre WLAN-Sender mit einer Zeitschaltuhr nachts abzustellen. Danach konnte er wieder schlafen. Ben Güntert aus Lugnorre VD beschreibt seine Beschwerden so: «Ich fühlte mich beim Auf­ste­hen wie ein Zombie. Ich litt unter Atemnot, Herzaussetzern, und auch die Nieren funktionierten nicht mehr richtig. Am Bildschirm schlief ich oft ein.»

Ben Günterts Nachbarin war bereit, ihren WLAN-Router umzuplatzieren und die Sendeleistung zu reduzieren. «Seither kann ich wieder normal schlafen, aufwachen und ar­beiten.» Silvia Van der Waerden aus Schaffhausen ist eine passionierte Klavierspielerin. Doch ab einem gewissen Zeitpunkt ermüdeten ihre Augen beim Üben schnell, die Finger gehorchten ihr nicht mehr richtig.

Und bei Stücken, die sie eigentlich auswendig kannte, hatte sie plötzlich Ausfälle und wusste die Noten nicht mehr. Sie konnte sich die Beschwerden nicht erklären – bis sie herausfand, dass die Nachbarin über ihr einen WLAN-Sender hatte – am Boden direkt über dem Klavier. Die Nachbarin zeigte sich verständnidvoll und liess ihren Internet­anschluss verkabeln. Darauf verschwanden die Symptome sofort.


Job aufgegeben wegen Strahlung

Andere elektrosensible Leute haben weniger Glück. Wie zum Beispiel die Frau aus dem Kanton Basel-Landschaft, die einen attraktiven Teilzeitjob auf­geben musste, weil in der Firma der ganze Stock mit einem WLAN-Sender ­bestrahlt wurde. Sie litt unter Kopfweh, leichtem Schwindel, Unwohlsein und Hautausschlag. Sie sagt: «Für die Benutzer ist der kabellose WLAN-Zugang super. Doch für die Betroffenen ist WLAN schrecklich.»

Unter WLAN-Strahlen leidet auch eine Betroffene aus dem Raum Bern: Sie kann nicht mehr in ihrer Wohnung schlafen und muss ständig nach einer auswärtigen Schlafgelegenheit suchen. Sie leidet unter Gleichgewichtsstörungen und hat zunehmend Mühe, ihren angestammten Beruf auszuüben.

Der K-Tipp darf ihren Namen nicht nennen – und das ist kein Wunder. Viele Elektrosensible wagen sich nicht an die Öffentlichkeit, weil sie nicht ernst genommen, oft belächelt und im schlimmsten Fall als hysterisch oder gar als psychisch krank abgestempelt werden.

Auch das Ehepaar aus Zürich, mit dem der K-Tipp gesprochen hat, will anonym bleiben. Weil die beiden jede Nacht nur noch drei bis vier Stunden schlafen konnten – und auch dies oft nur mit Schlafmitteln –, hat das Paar die ganze Wohnung gegen Strahlen abschirmen lassen. Das kostete 22 000 Franken.

Gerade in diesem Fall zeigt sich, dass WLAN nicht die einzige Strahlenquelle ist, die Probleme bereitet. In nur 15 Meter Entfernung vom Schlafzimmer steht nämlich eine UMTS-­Mobilfunkantenne. Viele Mitbewohner im Wohnblock benutzten zudem kabellose DECT-Telefone, die ebenfalls aggressiv strahlen.

Zum Glück zeigten die meisten Nachbarn Verständnis. Sie haben das ­Internet verkabelt oder stellen den WLAN-Sender nachts und bei Nichtgebrauch ab. Und alle haben ihr DECT-Telefon durch das Modell Ecomode plus oder durch einen Fest­anschluss ersetzt. Falls nötig, hat das Ehepaar die Kosten für die Verkabelung und für die Eco­mode-plus-DECT-Telefone übernommen.   


Immer mehr WLAN im privaten Bereich

Diese Beispiele zeigen: WLAN wird immer häufiger eingesetzt, und damit nehmen auch die Probleme von Elektrosensiblen zu. Einen strahlungsarmen Wohnort und Arbeitsplatz zu finden, wird für sie schier unmöglich.

«Wegen der rasanten Zunahme von WLAN im privaten Bereich laufen wir in grosse gesundheitliche Probleme hinein», ist ein Betroffener überzeugt. Er ist elektrosensibel geworden, weil er jahrelang ­einen Arbeitsplatz in der Nähe einer Mobilfunkantenne hatte. Seine jetzigen Symptome: Ohrendruck, elektrisierendes Kribbeln auf der Haut, Schlafstörungen, Herzrasen bis zu infarktähnlichen Symptomen.

In der Regel ist WLAN ein Problem unter Nachbarn. Ist das Sendegerät – der sogenannte Access Point – nur 2 Meter entfernt, kann die Feldstärke der Strahlung durchaus 1 bis 2 Volt pro Meter (V/m) erreichen.

Baubiologen geben für Elektrosensible am Schlafplatz jedoch einen Richtwert von 0,006 V/m an. Einer von ihnen ist der Zürcher Mess-Ingenieur Peter Schlegel von der ­Organisation «Bürgerwelle Schweiz».

Er hat täglich mit Leidenden zu tun – und schreibt: «Ich gerate langsam ans Ende meines Lateins. Die Lage der Betroffenen bedrückt mich sehr, weil ich all diese ­Verzweiflung miterleben muss. WLAN mit seiner gepulsten Strahlung ist wirklich aggressiv. Das Bundesamt für Gesundheit müsste doch jetzt ­konsequente Schritte unternehmen.»

Doch von diesem Bundesamt ist ­keine Hilfe zu erwarten: Der offizielle Standpunkt lautet nach wie vor: Eine gesundheit­liche Auswirkung durch drahtlose Netzwerke kann «aus den vorhandenen ­Studien» nicht abgeleitet werden.


Tipps für WLAN-Benutzer

WLAN ist praktisch und beliebt. Anwender ­sollten die Strahlung reduzieren – auch im eigenen Interesse.

  • Schalten Sie den WLAN-Router nur dann ein, wenn Sie ihn brauchen. Sonst sendet er permanent.
  • Fragen Sie Verkäufer oder Hersteller, ob und wie Sie die Sendestärke Ihres WLAN-Routers (Access Point) auf ein Minimum reduzieren können.
  • In Schlaf- und Kinderzimmern haben WLAN-Sender nichts zu suchen. Achten Sie auf einen Abstand von mindestens 10, besser 20 Metern zum ­Access Point. Übrigens: Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt einen Abstand von nur 1 Meter. «Das ist absolut lächerlich», ist der Konsens unter allen messtechnisch arbeitenden Baubiologen der Fachgruppe Haus­untersuchungen (FGHU, www.gesund-wohnen.ch).
  • Auch viele Computer bzw. Laptops senden permanent, falls sie für drahtloses Internet eingerichtet sind. Schalten Sie die WLAN-Karte aus, wenn Sie keine Verbindung brauchen.
  • Achtung: Wenn Sie mit dem Laptop direkt auf dem Schoss surfen, setzen Sie sich selber der höchstmöglichen Strahlungsintensität aus: bis 6 Volt pro Meter. Dies entspricht dem Grenzwert der Strahlenintensität von Mobilfunkantennen in bewohnten Räumen und Kindergärten – wobei Kritiker diesen Wert als viel zu wenig streng betrachten.
  • Wählen Sie die Kabel­lösung für den Internet-Zugang. Beachten Sie aber, dass Ihr Router vielleicht auch dann noch sendet, wenn Sie mit Kabel arbeiten. Diese Funk­tion müssen Sie selber deaktivieren.
  • Verzichten Sie auf andere WLAN-Anwendungen, zum Beispiel draht­lose Übertragung des TV-Signals vom Modem zur TV-Box beim Fernsehgerät. Oder versehen Sie Ihren Multimedia-Router mit ­einer Zeitschaltuhr oder stellen Sie ihn ab, wenn Sie ihn nicht brauchen.
  • Verzichten Sie auf herkömmliche schnurlose DECT-Telefone. Kaufen Sie ein Modell mit Ecomode-Plus- oder Fulleco-Ausstattung. Bei diesen sendet die Basisstation nur dann, wenn Sie telefonieren, und nicht dauernd.
  • Denken Sie daran: Auch wenn Sie selber nicht elektrosensibel sind, kann eine starke Belastung mit der Zeit eine solche Sensibilität auslösen oder zu Gesundheitsschäden führen.
  • Mehr Infos und weiterführende Links dazu finden Sie im Internet unter www.funkstrahlung.ch.
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Kommentare

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von MICROWAVE am
10.10.2010, 14:04

WLAN ausgeschaltet

Es ist schon eine Weile her, als meine Nachbarin an meiner Türe klopfte und für das abschalten meines WLAN warb. Sie könne wegen dem Ding nicht schlafen und hielt mir noch ein KTIPP aus dem Jahr 2005 (glaube ich) unter die Nase, wo die gleiche Geschichte schon mal abgehandelt war. Ich ging am nächsten Tag zu Ihr und teilte Ihr mit, dass ich Sie verstehe und ab sofort nur noch am Kabel Surfe. Sie hat mich sogar dafür bei Ihr zum Nachtessen eingeladen Doch ich habe geflunkert, ich habe das Ding einfach für Ihr Laptop Unsichtbar gemacht, den Broadcast ausgeschaltet. Die Frau hatte ab sofort keine Beschwerden mehr. Sie zog erst nach 4 Jahren Weg, als in der nähe eine Handy-Antenne installiert wurde. Sie könne wegen der Strahlung seit kurzem nicht mehr schlafen. Ich weiss, ich war gemein, aber glauben versetzt Berge!

von Tara1 am
05.10.2010, 11:58

Verhandeln nützt nichts - ich schlafe in der Küche!

Ich bin auch eine Betroffene. In meiner Wohnung strahlt es von mehreren WLANs. Auch ich habe mit Nachbarn gesprochen. Jene, die meine Sichtweise teilen haben kein WLAN oder DECT Telefon. Bei den Anderen fehlt das Verständnis. Es ist als ob Strom durch meinen Körper fliessen würde. Alles vibriert und kribbelt. Ich schlafe seit mehreren Monaten in der Küche, auf einer Matratze am Boden. Dort strahlt es etwas weniger. Ich weiss nicht mehr was machen! Ich hatte schon Mordsfantasien deswegen. Ich habe mir auch schon einen Hut aus Silberfolie gebastelt, weil die Strahlen unerträglich auf meine Schädeldecke drückten. Doch geholfen hat das nicht. Ich weiss, dass das lächerlich aussieht. Weil ich leide, sind Äusserlichkeiten unwichtig geworden. Ich habe auch sonst mit Silberfolie herumhantiert und alles Mögliche ausprobiert. Auch im Zug leide ich, wegen dem WLAN. Pendeln ist eine Qual. Bei einer Weiterbildung bat ich das Institut darum, das WLAN während den Vorlesungen auszuschalten. Es war ein schwieriges Verhandeln. Ich sagte, ich müsste die Weiterbildung sonst abbrechen. Auch mir wurde Psychokram empfohlen. Würde ich im Rollstuhl sitzen, hätte man Verständnis für mein Leiden. Elektrosensibilität ist unsichtbar und deshalb „psychologisch bedingt“, so die Annahme Vieler. Es wurde schliesslich Verständnis gezeigt am Institut und eine Kompromisslösung gesucht. Ich durfte das WLAN ausschalten, während der Vorlesung. Doch nun bekam ich die verdeckte bis offene Aggression der Teilnehmenden zu spüren. Wo kann ich noch leben, arbeiten oder mich weiterbilden? An immer mehr Arbeitsplätzen wird WLAN benützt. Im Sommer halte ich mich oft im Freien auf, weil es da (trotz Natel-Antennen) weniger strahlt als in meinem privatesten Raum, meiner Wohnung. Ich bin nicht GEGEN die Menschen, die WLAN benützen. Ich leide darunter, wenn sich wegen dem Thema WLAN/DECT meine sozialen Beziehungen verschlechtern! Früher hielt man Passiv-Rauchen für unschädlich – heute nicht mehr. Wann wird klar, dass bestrahlt werden schädlich ist? Mobile Telefone können robuste elektronische Geräte stören, wie wir alle wissen. Weshalb soll das beim menschlichen Körper anders sein?

von Betroffene77 am
24.09.2010, 11:32

Endlich: Ein unhaltbarer Missstand der technologisierten Gesellschaft dringt an die Öffentlichkei!

Als selbst Betroffene bin ich unendlich froh, dass sich der K-Tipp der Problematik des Wlans und dessen Strahlungsfolgen anernommen hat. Endlich! Denn die gepulste Strahlung von Wlan und Dect empfinde auch ich etwas vom Schlimmsten. Ich hatte eine gute Anstellung als Gärtnerin in einem Institut der ETH Zürich. Nach etwa drei Monaten nach Stellenantritt verspürte ich ein dauerndes Unwohlsein während der Arbeit. Begonnen hatte es mit Verdauungsstörungen, Nervosität und Konzentrationsstörungen. Nach einem halben Jahr verschlimmerten sich die Symptome. Ich litt zunehmends unter Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Kopfweh, einem Hautausschlag, Herzrasen und Atemnot. Am Schlimmsten jedoch war die zunehmende Müdigkeit, die sich schlussendlich in burnoutartige Erschöpfungszustände ausartete. Ich selber wusste lange nicht, was mit mir nicht stimmte. Ein Arzt, und das ein Schulmediziner, wohlverstanden, diagnostizierte zu guter letzt meine hohe Elektrosensibilität - was nicht verwunderte, war doch unser ganzes Gebäude mit Wlan und Dect ausgerüstet! Schliesslich musste ich meine Stelle aufgeben, da die ETH nicht bereit war, in unserem kleinen Ausseninstitut, wo sich dauernd nicht mehr als 30 Personen aufhalten, Massnahmen, die mir eine gesundheitliche Verbesserung gebracht hätten zu ergreifen. Und dies auch nur, weil die Vertrauensärztin der ETH mir schlussendlich eine "Verhaltenstherapie" vorgeschlagen hatte, mit Hilfe derer ich mit der Elektrosensibilität besser hätte lernen sollen umzugehen. Also mit anderen Worten: Man wird als Spinner abgestempelt! Parallel dazu entwickelte sich auch das private Leben zunehmend zur Hölle. In jeder Mietwohnung Nachbarschaft mit Wlan oder Dect-Technologie. Unzählige Male war ich am Verhandeln oder kaufte der Nachbarschaft ein strahlungarmes Ecomode-Telefon. Der Erfolg war mässig. Allein in den vergangenen 2 Jahren bin ich 5 mal umgezogen! Immer dem Nervenzusammenbruch nahe. Die passende Wohnung ist noch nicht gefunden. Ich lebe ständig auf der Flucht. Meine neue Teilzeitstelle kann ich nur mit grösster Mühe aufrechterhalten. Heute bekomme ich eine 50% -IV-Rente. Ein Umstand, der absolut nicht notwendig wäre, würde unsere völlig degenerierte Gesellschaft auf das künstlich geschaffene Bedürfnis mobil "immer und überall erreichbar zu sein" verzichten können.

von DigiDoc am
23.09.2010, 06:38

Be- und Verstrahlungen

Ich finde ebenfalls, dass wir uns zu oft und vor allem zu überflüssig zumüllen mit Strahlungen. Allerdings ist WLAN mit Strahlungswerten von lediglich etwa 10% gegenüber Mobilfunk sicher ein wesentlich kleineres Problem als diese sinnlos hohe Zahl von Sendemasten. Ich kenne "strahlungssensible" Leute, die zwar mit dem Handy rumlaufen (und auch überall Empfang haben wollen!), aber lautstark über UMTS-Masten und WLAN Netze jammern. Für mich nicht wirklich glaubwürdig. Kabel, wo Kabel möglich ist praktiziere ich ebenso konsequent wie der Verzicht auf Batterieen, wo es einen Stromanschluss gibt.

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