Fünfliber-Chaos: Echt und trotzdem ungültig

saldo 5/2006 vom

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In der Schweiz kursieren über sechs Millionen ungültige oder gefälschte Fünfliber. Pikant: Für die Fälschungen zahlen Sammler ansehnliche Preise.

Die Schweiz ist zur Bananenrepublik geworden», erheitert sich Hans-Ulrich Wartenweiler von der Zürcher Münzenhandlung Erwin Dietrich AG. «Jeden Tag bezahlen die Schweizer mit ungültigem Geld - wahrscheinlich auch ihre Bananen.» Verursacht hat diese Misere die offizielle Münzstätte des Bundes, Swissmint. Sie hat 2004 alle Fünffrankenstücke mit vertiefter Randschrift ausser Kurs gesetzt. Das heisst, mit Fünflibern, bei denen die Sternchen auf dem Rand nach innen gestanzt sind, darf eigentlich nicht mehr eingekauft werden. Aber: Von diesen für ungültig erklärten Fünflibern sind noch über sechs Millionen Stück im Umlauf, wie die Schweizerische Nationalbank bestätigt. Im Schnitt hat noch fast jeder Schweizer eine solche Münze im Portemonnaie.


Fälschungen aus italienischer Werkstatt

Doch warum darf man mit diesen Fünflibern nicht mehr bezahlen? «Weil es zu viele Fälschungen mit vertiefter Randschrift gibt», sagt Hanspeter Koch von Swissmint. Nach seinen Angaben sind bislang über 80000 Falsifikate aufgetaucht. Zwar konnte die italienische Fälscherwerkstatt in den 90er-Jahren ausgehoben und die Produktion der Münzen gestoppt werden. Wie viele Fünfliber «made in Italy» immer noch kursieren, weiss aber niemand. Sicher ist: «Die Qualität der Fälschungen ist ausgezeichnet», sagt Koch. Tatsächlich weisen die Falsifikate nur einen winzigen Fehler auf. Diese Wertarbeit beunruhigte die Swissmint enorm. «Wir mussten sofort handeln», erklärt Koch. «Handeln? Aber doch nicht so», kontert Numismatiker Wartenweiler. «Nur weil ein paar gefälschte Fünfliber aus dem Verkehr gezogen werden sollen, muss man doch nicht gleich alle echten für ungültig erklären.»

Doch die Swissmint kennt kein Pardon: Ladengeschäfte sind gehalten, Fünfliber mit vertiefter Randschrift nicht mehr anzunehmen. Die Konsumenten müssen diese Münzen an den Schaltern der SBB oder der Post zum Nennwert umtauschen. Und zwar bis spätestens Ende Jahr. Danach ersetzt nur noch die Nationalbank solche Fünffrankenstücke.

Ausserdem sind SBB und Post von der Swissmint dazu verbrummt worden, ihre Kassen zu kontrollieren und das ausgemusterte Hartgeld der Münzstätte zu übergeben, die es dann vernichtet. Doch die zwei Bundesbetriebe machten schon zu Beginn der Einsammelaktion klar, dass sich ihr Engagement in Grenzen halten würde. Swissmint gibt denn auch zu, dass die Aktion nur schleppend vorankommt. «Die Bundesbetriebe spielen nicht mit, weil sie für ihren Aufwand bezahlt werden wollen», sagt Koch.


Erst ein Viertel der ungültigen Münzen ausgemustert

Es gibt noch einen anderen Grund für das Zögern bei Post und SBB: Schalterangestellte könnten die echten Fünfliber leicht mit den Fälschungen verwechseln. Den Schaden müssten SBB und Post dann selber tragen - verständlich, dass sie das nicht wollen.

Fazit: Statt die ungültigen Fünfliber aus dem Verkehr zu ziehen, bringen die Bundesbetriebe die Münzen mit dem Wechselgeld weiter unter die Leute. Einzig die Notenbank hilft der Swissmint beim Einsammeln. Ergebnis: Seit die Fünfliber vor gut zwei Jahren ausser Kurs gesetzt worden sind, konnte gerade mal ein Viertel der in Umlauf befindlichen
Münzen eingezogen werden.

Irrtümlich weitergegeben werden aber auch Falsifikate. Und das sogar von Geldprofis. Numismatiker Wartenweiler: «Eine meiner Mitarbeiterinnen hat von einer Schweizer Grossbank einen falschen Fünfliber erhalten.»

Falsche Fünfer hin, ungültige her: Mit Fälschungen darf auf keinen Fall wissentlich bezahlt werden. Das wäre auch gar nicht klug. Denn für solche Münzen bezahlen Sammler bis zum Zwölffachen des Nennwerts. Es lohnt sich also, alle Fünffränkler, die man in die Hand bekommt, kurz zu prüfen.


Ungültige Fünfliber voraussichtlich noch lange im Umlauf

Derweilen fahndet die Swissmint weiter nach ausgemustertem Geld. Doch wann werden alle ungültigen Münzen eingezogen sein? «Das kann noch eine Ewigkeit dauern», sagt Koch. Und so werden sieben Millionen Einwohner der Schweiz auch in Zukunft mit fast ebenso vielen ungültigen Fünflibern ihre Bananen und alles andere bezahlen.



Was tun mit Fünflibern, die eine vertiefte Randschrift haben?

Fünfliber mit hervorgehobener Randschrift sind gültig. Bei den Münzen mit vertiefter Randprägung gelten die folgenden Regeln:
Echte Exemplare
- Ganz normal damit bezahlen. Weil niemand weiss, dass diese Fünfliber ungültig sind, werden sie von allen Geschäften angenommen.
- Münzenhändler verkaufen gut erhaltene Exemplare für 25 Franken an Sammler. Im Ankauf zahlen sie deutlich weniger. Wer einen Sammler kennt, kann ihm die Münzen direkt anbieten.
- Der Umtausch am SBB-oder Post-Schalter ist bis Ende 2006 möglich, aber nicht nötig. Bis Geschäfte die Münzen nicht mehr akzeptieren, werden noch Jahre vergehen.
- Ab 2007 können diese Fünfliber nur noch bei der Nationalbank umgetauscht werden. Geschäfte werden sie aber weiterhin annehmen. Fälschungen
- Ganz normal mit Falsifikaten zu bezahlen ist nicht empfehlenswert. Strafbar macht sich aber nur, wer Fälschungen bewusst einsetzt.
- Falsifikate mit Jahrgang 1991 werden zu 60 Franken gehandelt. Wer einen solchen Fünfliber findet, sollte ihn nicht für weniger als 40 Franken hergeben. Der Verkauf an Händler oder Sammler ist legal.
- Der Wert von Falsifikaten mit einem anderen Jahrgang hängt vom Zustand der Münze ab und ist Verhandlungssache. Der Richtpreis: 25 Franken.




So erkennt man ungültige oder gefälschte Fünfliber:
1: Echtes, aber für ungültig erklärtes Fünffrankenstück mit vertiefter Randschrift. Erkennungsmerkmal: Der Abstand zwischen dem D von «Dominus» und dem Sternchen beträgt 5 Millimeter. Von diesen Münzen sind noch über 6 Millionen Stück im Umlauf. 2 und 3 Gefälschte Fünfliber: Leichter Gelbstich. Der Abstand zwischen dem D von «Dominus» und dem Sternchen entweder deutlich grösser (bis 15 Millimeter) oder deutlich kleiner (2,5 Millimeter). Bisher sind rund 80 000 dieser Fälschungen aufgetaucht.
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