Fritteusen: Gleichmässig goldbraun frittieren die wenigsten

saldo 06/2012 vom

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Nur vier von zehn Fritteusen erhielten im Test gute Noten. Die meisten heizen das Öl zu stark oder zu schwach auf. Das kann zu einer höheren Belastung mit unerwünschtem Acrylamid führen.

Frittierte Lebensmittel sollen knusprig und goldbraun sein. Beim Frittieren soll möglichst wenig Acrylamid entstehen. Die Substanz steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Acrylamid bildet sich bei stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln. Ab einer Temperatur von 175 Grad Celsius entsteht sprunghaft mehr davon. Je heisser, desto mehr Acryl­amid bildet sich. Gute Fritteusen müssen deshalb exakt auf die eingestellte Temperatur aufheizbar sein und die Temperatur des Öls möglichst genau halten.

saldo liess zehn solche Geräte im Labor prüfen. Dabei massen die Tester die Öltemperatur, beurteilten die Frittierqualität von tiefgekühlten Pommes frites und testeten die Bedienung der Küchengeräte (siehe Kasten «So wurde getestet»). Mitgeprüft wurden zwei weitere Geräte, die nicht frittieren, sondern die Pommes frites mit Heissluft backen.


Nur zwei Modelle können die Temperatur konstant halten

Resultat: Die meisten Geräte lassen sich einfach bedienen und reinigen. Technisch ausgereift sind sie aber nicht. Nur zwei der zehn Fritteusen können die eingestellte Temperatur einigermassen konstant auf der eingestellten Temperatur halten. Bei allen anderen stellte das Labor beträchtliche Temperaturunterschiede von bis zu 19 Grad fest. Beim Aufheizen auf die eingestellte Temperatur treffen die meisten Fritteusen die Zieltemperatur nicht.

Keines der getesteten Geräte erreichte deshalb die Gesamtnote «sehr gut». Immerhin vier Geräte erhielten die Auszeichnung «gut» mit Noten zwischen 5,2 und 4,9. Fünf Fritteusen sind «genügend» und ein Modell ist «ungenügend». Die Preisspanne reicht bei den zehn Ölfritteusen von Fr. 34.90 bis 189 Franken. Das günstigste Modell Satrap Variafritt erzielte mit einer 4,7 dieselbe Gesamtnote wie das teuerste Gerät im Test von De Longhi.


Koenig Fry 2: Sichtfenster unter dem Griff wird zu heiss

Gleichmässig knusprige, goldbraune Pommes frites gelingen in der Testsieger-Fritteuse Fry 2 von Koenig nur wenig besser als im Gerät Filtra Pro von Tefal. Die Fry 2 hält das Öl jedoch deutlich konstanter auf Temperatur als das Modell von Tefal. Bemängelt haben die Tester bei Koenig dafür das heisse Sichtfenster direkt unter dem Griff. Ansonsten sind die Unterschiede zwischen den bei­den Geräten gering – ausser beim Preis: Der Testsieger Fry 2 von Koenig kostet 99 Franken. Er ist damit um 50 Franken günstiger als die zweitplatzierte Filtra Pro von Tefal.

Grösser ist der Abstand zu den ebenfalls noch «guten» Fritteusen von Trisa und Primotecq. Bei beiden war die Frittierqualität weniger hoch als bei den zwei besten Modellen.

Die günstige Satrap Variafritt erhielt mit einer Note von 4,7 zwar nur das Prädikat «genügend». Die Pommes frites gelangen mit dem Tiefpreismodell für Fr. 34.90 aber ähnlich gut wie bei den zwei Testbesten. Schwachpunkt bei Satrap: Eingestellt auf 170 Grad, erhitzte die Fritteuse das Öl auf 174 Grad, zudem schwankte die Temperatur bis 178 Grad. Eine 4,7 erreichten auch die Fritteusen von Moulinex, Rotel und De Longhi.


Intertronic Deep Fryer: Öl erhitzte sich bis auf 204 Grad

Die Miostar XS kam mit grossen Portionen nicht zurecht. Die Tester berichten von aneinanderklebenden, ungleichmässig braunen und innen rohen Kartoffelstäbchen. Mit einer Gesamtnote von 4,4 reichte es für ein «genügend». Klar ungenügend schnitt die Interdiscount-Eigenmarke Intertronic Deep Fryer ab. Eingestellt auf 170 Grad, erhitzte die Fritteuse das Öl auf 195 Grad. Die festgestellten Temperaturschwankungen reichten gar bis 204 Grad. Schonendes Frittieren ist so unmöglich. Die Frittierqualität überzeugte die Tester ebenfalls nicht. Die Pommes frites waren aussen dunkel und blieben innen teilweise roh.

Die seit zehn Jahren in der breiten Öffentlichkeit bekannte Acrylamid-Problematik scheint noch immer nicht bei allen Fritteusen-Herstellern angekommen zu sein. Bei Primotecq, Intertronic, Satrap, De Longhi und Rotel werden in der Bedienungsanleitung 190 bis 200 Grad für das Frittieren von Pommes frites angegeben. Warnhinweise fehlen. Diesen Umstand wertete saldo als «ungenügend».


Coop will klapprigen Griff der Primotecq-Fritteuse auswechseln

Besser machen es Koenig, Tefal, Trisa, Miostar und Moulinex. Sie empfehlen in den Bedienungsanleitungen das Frittieren von Pommes frites bei 170 bis 175 Grad oder geben Warnhinweise. Bei Trisa heisst es gut sichtbar: «Acrylamidarme Zubereitung bis 170 Grad möglich.»

Für Coop-Pressesprecher Urs Meier ist die Problematik der nicht konstanten Öltemperaturen neu. «Wir werden diesen Punkt mit dem Hersteller aufnehmen und falls nötig Verbesserungen einfliessen lassen.» Den als klapprig kritisierten Griff bei der Primotecq-Fritteuse werde man ändern. Laut Migros handelt es sich bei der Miostar XS um ein Einstiegsmodell. Im eigenen Labor habe man geschmacklich bei Pommes frites keine Mängel festgestellt. Laut Moulinex-Sprecherin Anh Mai le Thanh ist die Moulinex Uno auf grössere Pommes-frites-Mengen ausgelegt und eigne sich weniger für kleine Portionen.


So wurde getestet

Das Münchner Labor Graner & Partner unterzog insgesamt zwölf Fritteusen verschiedenen technischen und praktischen Prüfungen.

  • Messungen: Wie schnell heizt eine Fritteuse auf die eingestellte Betriebstemperatur auf? Wie konstant wird das Öl während 10 Minuten auf der eingestellten Temperatur gehalten? Lassen sich die Geräte auf 170 Grad Celsius einstellen? Bei dieser Temperatur ist die Gefahr einer Acrylamidbildung gering. Wie heiss werden Deckel, Griffe und Gehäuse?
  • Praxistests: Fünf Expertinnen bewerteten die Hand­habung der Geräte und die Frittierqualität von tiefgekühlten Standard-Pommes-frites. Wie einfach lässt sich das Öl wechseln? Können die Benutzer die Geräte manuell ohne grossen Aufwand reinigen? Sind Schalter und Kontrollleuchten gut erreichbar und ersichtlich? Kann man den Korb bei geschlossenem Deckel heben und senken? Wie gleichmässig braun und knusprig werden die Pommes frites, wenn man sich an die Angaben der Hersteller hält für eine Portion von 100 Gramm und einer – je nach Modell – Maximalportion von 200 bis 1200 Gramm?



Heissluftfritteusen: Keine Top-Pommes-frites


Eine Alternative zu den Ölfritteusen sind Heissluftgeräte. Sie kommen ohne oder mit ganz wenig Öl aus. Das reduziert den Fettgehalt des Frittiergutes. saldo hat die beiden Modelle Tefal Actifry Family und Viva Airfryer von Philips testen lassen. Vor allem interessierte, ob die Heissluftmodelle Pommes frites ähnlich gut frittieren wie die Geräte mit Öl. Fazit: Die Pommes frites aus sechs normalen Fritteusen waren besser als die Kartoffelstäbchen aus den Heissluftgeräten.

Weiterer Nachteil: Mit 349 und 199 Franken sind die beiden Heissluftfritteusen deutlich die teuersten Geräte im Test. Die Acrylamidgefahr ist genauso ein Problem wie bei den Ölmodellen. Bei der Actifry ist keine Temperatureinstellung möglich. Die Air­-fryer lässt sich zwar auf 170 Grad einstellen, heizt dann aber bis 180 Grad auf. Immerhin: Bei der Handhabung und Reinigung erzielten die Heissluftmodelle Höchstwerte. Insgesamt reichte es so bei beiden für ein «gut»

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