Ferien für die schlappen Füsse

Gesundheitstipp 12/2000 vom

So pflegen Sie Ihre Füsse gesund und schön

Hallux, Hühneraugen, eingewachsene Nägel - viele Menschen leben mit Fusskrankheiten. Häufig liessen sich die schmerzhaften Probleme vermeiden, wenn wir unseren Füssen etwas mehr Zuwendung schenken würden.

Magdalena Köster redaktion@puls-tip.ch

Esther Güdel hat seit Jahren Probleme mit den Füssen: Die 66-Jährige aus Gelterkinden BL plagt ein Hallux valgus. Ihre grosse Zehe strebt nach aussen, sodass das Grossgrundgelenk - der Ballen - hervorspringt. «Meine Mutter hat mich schon früh zu einer Podologin geschickt», erzählt sie. Dort lässt Esther Güdel ihre Füsse schon seit 50 Jahren regelmässig behandeln. Nur deshalb konnte sie bis heute eine Operation vermeiden. Doch wegen des hervorstehenden Ballens und der dadurch entstandenen Hammerzehe hat sie immer wieder mit schmerzhaften Druckstellen zu kämpfen.

Der 34-jährige Rolf Zwahlen aus Walperswil BE hingegen kannte jahre- lang keine Fuss-Probleme. Doch vor einem halben Jahr entzündete sich sein Zehennagel. Plötzlich konnte er nur noch humpelnd durchs Büro laufen. «Ich wusste, dass man die Zehennägel immer ganz gerade abschneiden muss», berichtet er. «Trotzdem war auf einmal an der rechten grossen Zehe alles wund, rot und geschwollen, der Nagel auf beiden Seiten wie eingegraben.»

Als der wunde Zeh dann noch eiterte, ging Zwahlen in die Fusspraxis von Peter Vondal in Bern. «Ein solch eingewachsener Nagel muss mit grosser Umsicht behandelt werden, um weitere Verletzungen zu vermeiden», erklärt der Podologe. «Viele Patienten machen den Fehler, bei einer ersten Entzündung den Nagel noch weiter zurückzuschneiden. Das führt dazu, dass der Nagelfalz immer stärker von Hornhaut überdeckt wird.» Die Folge: Die Patienten müssen ihren Fuss vier bis sechs Monate lang behandeln lassen. Oft muss der Podologe sogar zu einer Nagelspange greifen, um den eingewachsenen Nagel wieder in die richtige Form zu lenken.

Rolf Zwahlen und Esther Güdel - zwei Fälle, die deutlich zeigen, wie unterschiedlich Fuss-Probleme sein können. Untersuchungen bestätigen, dass rund achtzig Prozent der Erwachsenen irgendwann im Leben Probleme mit ihren Füssen haben. Die Liste reicht von Hühneraugen, übermässiger Hornhautbildung und Fusspilz bis hin zu den äusserst schmerzhaften eingewachsenen Nägeln, schiefen Zehen, entzündeten Ballen, Spreiz- oder Senkfüssen. Derart malträtierte Füsse werden von ihren Besitzern oft unbewusst geschont: Sie rollen den Fuss beim Gehen nur auf der Innen- oder Aussenkante ab, kippen ihn nach innen oder stecken ihn in ausgelatschte Turnschuhe. Die Folge: Der gesamte Bewegungsapparat kann Schaden nehmen. Kniegelenke und Beinmuskeln sind besonders gefährdet.

Podologe Peter Vondal hat für seine Patienten selber eine Broschüre über die richtige medizinische Fusspflege zusammengestellt. Er hat mehr als tausend Fotos von Fusskrankheiten in verschiedenen Stadien angefertigt. Er rät seinen Patienten, ihr Geld in guten Schuhen anzulegen. So liessen sich viele schmerzhafte Erkrankungen vermeiden. «Die Leute wollen nicht wahrhaben, dass ihre Füsse im Lauf der Zeit grösser werden», sagt er. «Sie ignorieren aus Eitelkeit, dass ihre Schuhgrösse jetzt etwa 40 statt 39 beträgt.» Dabei sei das ein ganz normaler Prozess. Durch den ständigen Druck der Schuhe sinke das Quer- und Längsgewölbe immer mehr ab.

Dies bestätigt auch Franziska Degen, die Zentralpräsidentin des Schweizer Podologen-Verbandes. «Die Leute tragen nicht die Schuhe, die sie bräuchten, sondern die, die ihnen am besten gefallen.» Das gilt nach ihren Beobachtungen für Männer genauso wie für Frauen.

Als Folge zu enger Schuhe droht ein unheilbarer Spreizfuss. «So leiden die Frauen dann ein Leben lang an den durch die Mode diktierten hohen Absätzen. Sie müssen sich regelmässig orthopädisch behandeln lassen», sagt Degen. Sonst kommt es zu tief sitzenden Schwielen in der Mitte des Vorderfusses. Und die machen das Gehen und Stehen zur Qual.


Die Autorin hat auch ein Buch zum Thema geschrieben: Magdalena Köster, «Auf gesunden Füssen leben», Verlag Gesundheit, Berlin, Fr. 27.50



Schuhe: Füsse sollen entscheiden - nicht die Mode

- Vergleichen Sie Ihre Füsse miteinander. Was ist gleich, was ist anders? Sehen die Nägel gesund aus? Liegen die Zehen nebeneinander oder beginnt eine, sich über die andere zu schieben? Gibt es schmerzhafte Rötungen auf den Zehen oder dem Ballen? Dann sollten Sie weiteren Druck vermeiden. Tragen Sie bequeme Schuhe, laufen Sie zu Hause in Socken oder barfuss herum. Auch Alkoholumschläge helfen.

- Betrachten Sie Ihre Fusssohlen. Gibt es verhärtete Schwielen im Bereich der Mitte des Vorderfusses? Das ist ein typisches Zeichen für ein eingesunkenes Quergewölbe. Wenn Sie auf die Schwiele drücken, richtet sich der Fussrücken wieder besser auf. Wichtig: Wenn Sie zur Kontrolle gehen, achten Sie darauf, dass die Podologin gut qualifiziert ist und nicht nur einen sechswöchigen Schnellkurs hinter sich hat.

- Machen Sie täglich Fussgymnastik: Balancieren Sie barfuss auf einem ausgelegten Seil, füllen Sie eine Kiste mit Sand, Kastanien oder Erbsen und «wandern» Sie beim Zähneputzen darin herum. Greifen Sie Tücher oder Stifte mit den Zehen, halten Sie die Gegenstände fest und tragen Sie sie hüpfend oder auf den Fersen laufend durchs Zimmer.

- Schühchen ade: Zeichnen Sie den Umriss Ihrer Füsse auf ein Papier und vergleichen Sie Ihre Schuhe damit. Sortieren Sie zu enge, kurze oder aus der Form getretene Schuhe rigoros aus. Tragen Sie schmale Schuhe und hohe Absätze nur noch zu besonderen Anlässen - und ziehen Sie auf dem Weg dahin bequeme an.

Achten sie beim Kauf neuer Schuhe auf die richtige Grösse und eine gute Innenverarbeitung. Tasten Sie mit der Hand nach wulstig genähten Stellen und schlecht geklebten Innensohlen. Leisten Sie sich mindestens ein Paar Schuhe mit gut geformtem Fussbett. Wechseln Sie möglichst täglich die Schuhe, damit sie ausdünsten können und auch, um die Fussmuskulatur immer wieder neu zu fordern.

- Ein paar Minuten Zeit für die Füsse kann sich jeder nehmen ...

... abends beim Fernsehen: Machen Sie es sich gemütlich! Nehmen Sie ein Fussbad, entfernen Sie die Hornhaut und massieren Sie die Füsse mit fetthaltiger Creme. Dabei immer auf Schwielen und Rötungen achten. Auch die Sohle kräftig durcharbeiten. Jede Zehe im Gelenk lockern und sanft drehen, um Kalkablagerungen zu entfernen. Die Haut zwischen den Zehen leicht zupfen und kneten.

... beim Warten auf den Bus oder im Büro: Die Zehen kräftig einrollen und wieder loslassen. Dabei wird es auch gleich wärmer. Fuss von innen nach aussen, von vorn nach hinten kippen und dehnen. Dann die Füsse wie zwei Scheibenwischer fest auf dem Boden hin und her schieben.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Artikel verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Hallux: Helfen Therapieschuhe?

Das Unding: Füsse hoch und arbeiten

Nägel problemlos entfernen