Eindeutig krebserregend

saldo 11/2006 vom

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Langzeitstudien zeigen: Formaldehyd kann beim Menschen Krebs auslösen. Folgt die EU den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, dürften viele Produkte nicht mehr verkauft werden.

Ob Kosmetika, Farbe, Reinigungsmittel, Textilien oder Baumaterialien - viele Produkte enthalten Formaldehyd. Die Substanz wird eingesetzt, weil sie keimabtötend und konservierend wirkt. Bislang stuften die Gesundheitsbehörden Formaldehyd als «möglicherweise krebserregend» ein. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) empfiehlt nun, Formaldehyd als krebsauslösend für den Menschen einzustufen. Das BFR folgt damit einer Empfehlung, die jüngst auch die französischen Behörden abgaben.

Der Grund für die Neubewertung: Bislang lagen vor allem Ergebnisse aus Tierversuchen vor. Jetzt belegen drei Langzeitstudien mit über 50 000 Menschen, dass ein eindeutiger Zusammenhang besteht zwischen Krebserkrankungen und Formaldehyd-Belastung. Arbeiter, die zum Beispiel in der holzverarbeitenden Industrie oder in der Textilindustrie Formaldehyd ausgesetzt sind, erkranken deutlich häufiger an Krebs als andere. «Auffällig ist vor allem eine erhöhte Sterblichkeit durch Tumore im Nasen- und Rachenraum», sagt Lutz Edler vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.


Umstufung: Schweiz wartet den EU-Entscheid ab

Das Bundesamt für Gesundheit will die Einstufung für Formaldehyd vorderhand noch nicht ändern. Es wartet auf den Entscheid der zuständigen EU-Kommission. Markus Hofmann: «Dort ist das Fachwissen aus den verschiedenen Ländern gebündelt. Mit einer Eigenbewertung wären wir nicht schneller.»

Wenn die EU-Kommission eine Umstufung der Substanz vornimmt, ist dies mit weitreichenden Konsequenzen für die Industrie verbunden. Sie darf dann nur noch Produkte an den Konsumenten abgeben, die maximal 0,1 Prozent Formaldehyd enthalten.

Das hätte auch für die Kosmetikindustrie Folgen. Bislang dürfen ihre Produkte bis 0,2 Prozent Formaldehyd enthalten. Konservierungsmittel, die den Stoff erst nach und nach abgeben, dürfen heute sogar bis zu 0,6 Prozent zugesetzt werden.



Wie lassen sich Formaldehyd-Belastungen vermeiden?

Formaldehyd kann über die Atemwege, über die Haut oder über das Essen aufgenommen werden. Am gefährlichsten ist das Einatmen der Substanz. Formaldehyd greift die oberen Atemwege an, führt zu Entzündungen und letztlich zu Zellveränderungen.

Tabak: Im Rauch einer einzigen Zigarette können bis zu 40 Mikrogramm Formaldehyd freigesetzt werden. Durch Passivrauchen werden auch Nichtraucher belastet. Tipp: Verrauchte Räume meiden oder stündlich lüften.

Bauen und renovieren: Formaldehyd findet sich in Schimmelschutzfarbe, Lacken, Klebstoffen, Spanplatten für den Innenausbau und für Möbel, in Schaumstoffen, Teppichen. Für Holzwerkstoffe gilt die Faustregel: Je höher der Faser- und Leimanteil, desto grösser ist die Formaldehyd-Belastung. Das Gütezeichen Lignum CH 6.5 kennzeichnet Spanplatten mit geringer Formaldehyd-Abgabe. «Natureplus» ist ein Baustofflabel, das strenger ist als die gesetzlichen Vorschriften. Farben mit diesem Label gibt es im Fachhandel. Ebenfalls empfehlenswert: Coop Oecoplan-Farben. Als Klebstoff kann man lösungsmittelfreien Weissleim verwenden. Mit dem Zusatz Emicode EC 1 sind besonders emmissionsarme Produkte ausgezeichnet. Umfassend informiert das Buch «Natürlich wohnen und bauen» von Stefan Haas, für 29 Franken zu bestellen beim WWF, Tel. 044 297 21 21, E-Mail: service@wwf.ch.

Textilien/Kleider: Die Textilindustrie verwendet Formaldehyd unter anderem als Knitterschutz.
Tipp: neue Kleidung vor dem Tragen waschen.

Kosmetika: Formaldehyd und Substanzen, die Formaldehyd abspalten, dienen in Cremes, Shampoos, Duschgels usw. als Konservierungsmittel. Tests in saldo und «K-Tipp» zeigen jedoch, dass es mittlerweile eine stattliche Zahl von Produkten gibt, die frei von Formaldehyd sind.

Reinigungsmittel: Vor allem Desinfektionsmittel enthalten häufig Formaldehyd. Die Substanz hat einen stechenden Geruch und ist leicht flüchtig. Sparsam verwenden, Räume gut durchlüften.
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Kommentare

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von Nendaz am
11.02.2013, 19:35

Das Fachweissen ist dort gebündelt....

(EU) ,auch beim Uran im Mineralwasser und dem Binensterben durch applizierte Gifte in der Landwirtschaft! (s. sep. Beitrag) Auch da warten in unseren Bundesämtern ein Heer von Beamten auf Facts aus dem Ausland, auch wenn diese schon lange vorhanden sind! Die involvierten Politiker wünschen sich immer, dass die Schweiz Vorreiterollen übernehmen soll - aber nur, wenn es in ihrem (Finanz-)Interesse liegt. Es muss ja den Herstellern solcher Materialien nicht immer so ergehen, wie dem schweizer Asbesterzeuger.....dem nur mit Müh und Not nach jahrzehntenlangen Juristereien einige Millionen für die Asbestopfer abgeknöpft wurden ....

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