Eigenmarken: Oft identisch mit Markenprodukten

saldo 15/2011 vom

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Hinter vielen Eigenmarken von Coop, Migros & Co. verbergen sich renommierte Hersteller. Die Herkunft der Lebensmittel wird den Kunden verschwiegen. saldo hat einige Hersteller identifiziert.

Soll ich das Markenprodukt nehmen oder die günstigere Eigenmarke? Ist die bekannte Marke wirklich besser oder nur teurer? Diese Frage stellt sich den Konsumenten praktisch bei jedem Einkauf. Hilfreich wäre in solchen Fällen, wenn man wüsste, wer das Lebensmittel hergestellt hat. Doch das wird auf der Verpackung verschwiegen. Auch auf ausdrückliche Anfrage von saldo zu bestimmten Produkten sind weder Coop, Migros, Denner noch Landi bereit zu verraten, wer die Lieferanten ihrer Eigenmarken sind. Coop sagt dazu lapidar: «Geschäftsgeheimnis.» Und die Migros begründet ihre Verschwiegenheit damit, dass «die Lieferanten immer wieder wechseln».


Eigenmarken-Hersteller: Coop beruft sich aufs «Geschäftsgeheimnis»

Klar ist: Eigenmarken sind billiger als Markenprodukte. Über die Qualität sagt der Preis nichts aus. Das zeigen die Labortests von saldo und «K-Tipp» seit Jahren. Zum Teil sind die Eigenmarken leicht veränderte Markenprodukte, zum Teil sind sie identisch und stammen vom Markenhersteller.

saldo hat sich bei den zwei Grossverteilern Coop und Migros die Eigenmarken im Regal näher angeschaut. Die Migros führt nur wenige Lebensmittel von bekannten Fremdherstellern im Sortiment. Sie lässt die Eigenmarken mehrheitlich in eigenen Produktionsbetrieben herstellen.


Tierische Lebensmittel von Gesetzes wegen mit Herkunftscode

Wer mehr wissen will, hat es bei Milchprodukten, Fleisch und Fisch relativ leicht, den Hersteller ausfindig zu machen. Das Gesetz verpflichtet Hersteller von Lebensmitteln tierischer Herkunft dazu, auf die Verpackung einen Code aufzudrucken, der die Identifikation ermöglicht (siehe Kasten). Der Code CH 2406 beispielsweise steht für den Milchverwerter Emmi am Standort Ostermundigen BE. Dort lässt Coop den Grossteil seiner Eigenmarken-Milchprodukte herstellen, die Migros zumindest einzelne Produkte:

  • Milchreis im Becher in den Geschmackssorten Vanille und Himbeer beispielsweise findet sich als Eigenmarke in den Gestellen beider Grossverteiler und wird von Emmi in Emmen LU hergestellt. Der Becher zu 200 Gramm kostet bei beiden Anbietern Fr. 1.20. Bei Coop findet sich zusätzlich der Milchreis-Becher mit dem Markenaufdruck Emmi – ebenfalls hergestellt in Emmen. Dieser kostet zwar nur gerade 5 Rappen mehr als die Coop-Eigenmarke, weist jedoch 25 Gramm weniger Inhalt auf. Umgerechnet auf 100 Gramm haben die beiden Eigenmarken einen Preis von 60 Rappen, das Emmi-Markenprodukt kostet 71 Rappen. Laut Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker weichen sowohl die Rezeptur des Migros-Milchreises als auch desjenigen von Coop leicht ab, beispielsweise bei den Früchten.

  • Auch beim Frischkäse Mozzarella sind die Grossverteiler gute Kunden des Milchkonzerns: Coop lässt den Mozzarella Prix Garantie, Migros die Mozzarellas Alfredo und M-Budget bei Emmi in Dagmersellen LU herstellen. Die verwendete Milch sei dieselbe, sagt Sprecherin Umiker, aber die eingesetzten Käsekulturen für Reifung, Geschmack und Konsistenz verschieden.

  • Beim geschnittenen Raclette-Käse Nature hat der Coop-Kunde die Auswahl zwischen der von Emmi stammenden Eigenmarke und dem Emmi-Produkt. Pro 100 Gramm sind für die Eigenmarke Fr. 2.16 zu bezahlen, für das Original Fr. 2.48. Meistens handle es sich um denselben Käse, sagt Sibylle Umiker. Insbesondere bei AOC-Käse («aus kontrollierter Herkunft») seien Eigenmarken und Emmi-Herstellermarke identisch.



Kägi-Fret: Hersteller produziert auch für Coop

Bei anderen Coop-Eigenmarken sind die Markenhersteller dahinter schwerer erkennbar:

  • Kägi Söhne in Lichtensteig SG produzieren neben den Schoggi-Waffeln Kägi-Fret und Kägi-Fretli seit 1954 auch die Coop-Eigenmarken-Pendants: Die Miletto- und Milano-Waffeln sind deutlich günstiger als die ebenfalls bei Coop erhältlichen Markenwaffeln. Die Differenz zwischen Kopie und Original beträgt pro 100 Gramm rund 50 Rappen. Kägi-Geschäftsführer Beat Siegfried sagt, die Rezepturen seien unterschiedlich.

  • Das Tell-Lagerbier lässt Coop von Heineken Switzerland in Chur GR brauen. Im Vergleich zum Calanda-Lagerbier ist die Eigenmarke erheblich günstiger: Tell kostet Fr. 1.80 pro Liter, Calanda Fr. 3.10 – eine Differenz von mehr als 72 Prozent. Heineken betont, dass es sich um unterschiedliche Rezepturen handle und auch bei der Qualität der Rohstoffe Unterschiede bestünden. Bei einer saldo-Degustation von Lagerbieren fanden die Tester allerdings kaum Differenzen (siehe saldo 10/08).



Bio-Suisse-Hersteller auf der Verpackung ausgewiesen

Die Markenhersteller sind wenig mitteilsam. Auf die Frage, welche Produkte sie den Grossverteilern als Eigenmarke verpackt liefern, heisst es etwa beim Guetsli-Produzenten Wernli: «Es ist richtig, dass wir Eigenmarken herstellen. Wir geben aber über konkrete Produkte und Kundenbeziehungen keine Auskunft.» Rudolf P. Winzenried vom Biskuit-Hersteller Kambly erklärt, dass gegenüber Coop Geheimhaltung vereinbart worden sei.

Bei Coop lassen sich die Hersteller gewisser Bio-Eigenmarken herausfinden, die von Bio Suisse zertifiziert sind. Dieses schreibt vor, dass der Lizenznehmer respektive der Hersteller auf der Lebensmittel-Verpackung aufgeführt ist.

Bei den Bio Petit Beurre au chocolat beispielsweise ist dies die Kambly AG in Trubschachen BE. Da liegt es auf der Hand, dass die übrigen Petit Beurres mit und ohne Schokolade wohl aus derselben Guetsli-Fabrik stammen.

Weiter ist anzunehmen, dass Roland in Murten FR  Coop mit verschiedenen Knäckebrotvarianten beliefert. Roland produziert nämlich das Knäckebrot Ballast Bio von Coop. Auch mancher Zwieback dürfte von Roland stammen. Coop selbst schrieb in seiner Kundenzeitung, Roland entwickle Zwiebacksorten für das Unternehmen.

Die Grossbäckerei Ölz im österreichischen Dornbirn beliefert Coop mit vielerlei Toastbroten. Auch das Bio-Toast-Brot von Coop stammt von Ölz. So kann man davon ausgehen, dass die Eigenmarken Butter- und Sandwich-Toast ebenfalls bei Ölz produziert werden. Auf der Verpackung steht: «Hergestellt in Österreich.»


Herkunftscode: So spüren Sie den Hersteller auf

 

Wer aus tierischen Erzeugnissen Lebensmittel herstellt, ist – je nach Grösse und Vertriebskanal – vom Gesetz her verpflichtet, die Verpackungen der Produkte mit einem Identitätskennzeichen zu versehen. Der Hersteller verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Buchstaben-Zahlen-Code innerhalb eines ovalen Kreises, der sich auf Packungen von Milch-, Fleisch- und Fischprodukten findet.

Die Buchstaben stehen für das Herkunftsland: Zum Beispiel CH für die Schweiz, DE für Deutschland, AT für Österreich oder BE für Belgien.

Die Zahl kennzeichnet den Betrieb innerhalb eines Landes. CH 2410 bedeutet beispielsweise, dass das Produkt bei Emmi in Emmen LU hergestellt wurde.
Konsumenten können übers Internet selber den Hersteller aufspüren. Das Bundesamt für Veterinär­wesen führt eine Liste sämtlicher Schweizer Betriebe unter: www.bvet.admin.ch/themen/bewilligungslisten/index.html?lang=de.

Auch Deutschland be­treibt ein Verzeichnis der Produzenten: http://apps2.bvl.bund.de/bltu.

Weitere europäische Betriebe sind auf einer internationalen EU-Liste aufgeführt: http://ec.europa.eu/food/food/biosafety/establishments/list_en.htm.

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