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saldo 10/2011 vom

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Computerviren sind ärgerlich und zerstörerisch. Der Film porträtiert fünf Männer, die solche Viren programmieren.


Würmer- und Viren-Bastler

Wer sich schon einmal über einen Computervirus ärgerte, stellte die Frage: Was sind das für Menschen, die solche Programme schreiben? Der deutsche Filmemacher Alexander Biedermann besuchte fünf Männer aus der deutschen Hacker-Szene.

Sie alle bewegen sich in einem Graubereich zwischen Legalität und Illegalität. Viele der Hacker-Pioniere kamen aus dem «Chaos Com­puter Club» Anfang der 80er-Jahre in Berlin. Die links-alternative Gruppe setzte sich gegen Zensur und für Informationsfreiheit ein.

Da sie via Netzwerke in Behördensysteme eindrangen und Sicherheitslecks offenlegten, waren sie schnell gefragte Experten für Computersicherheit. Männer der ersten Stunde wie Steffen Wernery und Reinhard Schrutzki erzählen im Film über den damaligen Mythos der Hacker.

Schrutzki unterstreicht den sportlichen Ehrgeiz, Programme zu schreiben, mit denen sich grosse Computernetzwerke überlisten lassen. Er vergleicht Virenprogramme mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach.

Doch die Dokumentation zeigt, wie wenig von der anfänglichen Romantik der Hacker übrig geblieben ist. Steffen Wernery sass wegen seiner Programme bereits im Gefängnis. Markus Rogge gibt Kurse, wie man Virenangriffe abwehren kann – er selbst wurde ebenfalls wegen eines Hackerangriffs angeklagt.

Der junge Marcell Dietl gründete 2006 das Internationale Virenteam – ein Sammelbecken für Hacker aus der ganzen Welt. Er gibt zu, Programme zu schreiben, die man schädlich einsetzen könnte. Was er – so betont er vor der Kamera – natürlich nicht tut.

Alexander Biedermanns Dokumentation ist auch für Zuschauer ohne Computerfachkenntnisse spannend. Er präsentiert mit seinem Film ein ambivalentes Bild der Virenmacher. Dabei verharmlost er die Szene zwar nicht, verzichtet aber auch aufs Verteufeln.

«Hacker». Ein Film von Alexander Biedermann. Deutschland 2010. 79 min. Anbieter: Edition Salzgeber 2011.


TV-Tipps

Ghettos für Reiche

In Städten entstehen zusehends Wohnsiedlungen Begüterter, die sich abschotten: Sie wohnen hinter Sicherheitsanlagen; Wachpersonal bewahrt sie vor Störungen. Wer in solchen Gated Communities  lebt, nimmt diverse Einschränkungen seiner persönlichen Freiheit in Kauf.

«Private Paradiese», Arte, Mo, 30.5., 20.15 Uhr


Wer hat Angst vor der Angst?

Die Wissenschaft kann heute menschliche Erinnerungen verändern oder teilweise löschen: Der Film zeigt, wie traumatisierten Menschen geholfen werden soll. Forscher in Göttingen (D) haben ein Enzym entdeckt, das für die Speicherung der Angst verantwortlich ist. Damit möchten sie traumatisierte Patienten von qualvollen Erinnerungen befreien.

«Das Ende der Angst?», Arte, Fr, 27.5., 21.45 Uhr


Der grosse Kinderwunsch

Die künstliche Befruchtung ist sehr umstritten. Was heute medizinisch möglich ist, wirft oftmals ethische und rechtliche Fragen auf. Der Dokumentarfilm zeigt Paare, die jahrelang auf eine Schwangerschaft hofften und immer wieder neue Verfahren ausprobierten.

«Sternstunde: Ein Kind um jeden Preis», SF 1, So, 29.5., 10 Uhr


Armut im Alter

In Deutschland leben rund zwei Millionen Rentner am Existenzminimum. Viele Arbeitslose schlittern in einen frühen Rentenstand, sodass sie mit grossen Pensionseinbussen auskommen müssen. Die Sendung vergleicht die Lebenslage von Rentnern in Deutschland und in Frankreich, wo Senioren deutlich schlechter gestellt sind als in der Schweiz.

«Arbeiten bis ins Grab?», Arte, 31.5., 20.15 Uhr


Radio-Tipps

Fleisch hat ein Gesicht

Der Hörer ist dabei, wenn das Zicklein zur Welt kommt. Man hört es an den Zitzen saugen, meckern im Stall. Dann bekommt der Hörer mit, wenn es zum Metzger kommt und dieser das Bolzenschussgerät auslöst. Der Beitrag schlägt einen Bogen vom lebendigen Tier zum Fleisch auf dem Tisch.

«Fleisch: Vom Zicklein, das auf den Teller geriet», Deutschlandfunk, So, 29.5., 20.05 Uhr


Widersprüchliche Spiritualität

Globalisierung und materielle Werte haben die Spiritualität ersetzt. Dennoch orientieren sich viele Leute vermehrt an Glaubenssätzen, die sie durchs Leben begleiten sollen. Im Einzelfall kommt es sogar zu Bestrebungen, Eu­ropa wieder als christliches Abendland zu verstehen. Ein Gespräch mit Wolfgang Huber, dem ehemaligen Bischof von Berlin-Brandenburg.

«Perspektiven», DRS 2, So, 5.6., 8.30 Uhr

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