Die Vor- und Nachteile von Cheminéeöfen

Haus & Garten 04/2009 vom

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Schwedenöfen sind im Vergleich zu Cheminées günstig. Die Wärmespender haben aber auch Nachteile: Sie erzeugen viel Staub. Zudem ist die Wärme teils schwierig zu regulieren.

ie der Schwedenofen zu seinem Namen kam, weiss niemand genau. Den Prototyp hatte nämlich die dänische Firma Rais entwickelt: Er sah aus wie ein aufgeschnittenes Fass aus schwarzem Stahl mit Glastüren. Seine Nachfolger, die in verschiedenen Ausführungen auf dem Markt sind – rund, eckig, drehbar –, haben verschiedene Namen: Der Volksmund nennt sie Schwedenöfen, Fachleute bezeichnen sie als Cheminée- oder Kaminöfen.

Die Anschaffung ist einerseits eine Frage des Budgets und andererseits der Optik. Ein Blick in Fachgeschäfte und Ausstellungen zeigt: Cheminéeöfen unterscheiden sich nicht nur im Erscheinungsbild, sondern auch in der Heiz- respektive Speicherleistung.


Kaum Russ am Glas – dank Scheibenspülung

Der Cheminée- oder Schwedenofen besteht aus einem Stahlkörper mit Feuerraum und entsprechenden Rauchgasumlenkungen. Eine Keramikglas-Tür schliesst den Feuerraum ab. So sieht man die züngelnden Flammen. Die Aussenhülle ist meist aus Stahl, Speck- oder Naturstein oder Keramik. Qualitativ hochstehende Produkte sind mit der sogenannten Scheibenspülung versehen: Ein spezielles Luftführungssystem bildet der Scheibe entlang einen «Vorhang» aus vorgewärmter Luft. Dadurch wird der Rauch vertrieben – das Glas bleibt praktisch sauber.

Zwischen dem inneren Korpus des Ofens und der Aussenverkleidung ist ein nach oben und unten offener Zwischenraum, ein Luftmantel. Er sorgt durch eine Warmluftströmung für die Wärmeabgabe. Das funktioniert so: Im Zwischenraum steigt die heisse Luft nach oben und entweicht, die untere, kühlere folgt nach. Vom Verkleidungsmaterial – also der Hülle des Ofens – hängt es ab, ob der Schwedenofen schnell aufgeheizt ist, dafür wenig Wärme speichert, oder ob er sich langsam erwärmt und die Wärme ungleich viel länger abgibt.


Speckstein speichert die Wärme am besten

Bei Heizungsexperten gilt die Maxime: Je schwerer die Verkleidung, desto länger speichert sie die Wärme. Eine Hülle aus Speckstein erfüllt diese Vorgabe am besten – die Wärme bleibt bis zu acht Stunden erhalten. Dies haben Messungen gezeigt. Gute Werte erreicht auch Keramik. Stahl hat die geringste Speicherkapazität, heizt sich jedoch am schnellsten auf – und diese Öfen sind die preisgünstigsten. Diverse Modelle haben im unteren Teil eine Nische für einen kleinen Holzvorrat. Luxuriösere und entsprechend teurere Schwedenöfen verfügen zudem über ein Warmhalte- oder Backfach oberhalb des Feuerraums.


Haus & Garten hat Ofenbauer, Heizexperten und Architekten zu Vor- und Nachteilen der Cheminéeöfen befragt.

Die Vorteile

 

  • Platzsparend: Auf den ersten Blick stimmt dies. Die Öfen mit durchschnittlich einem guten halben Meter Breite, etwas weniger Tiefe und rund einem Meter Höhe wirken wie ein schlankes, schönes und dezentes Möbelstück. Aber: Man vergisst leicht, dass man auf allen Seiten je 80 Zentimeter dazurechnen muss. Wegen der Hitze darf man weder ein Objekt noch ein Möbel näher zum Ofen stellen.
  • Preisgünstig: Viele Schwedenöfen stammen aus Skandinavien. Es gibt jedoch auch Schweizer Produkte – zum Beispiel von Baumann in Steffisburg BE, Sutter in Muttenz BL und Sikken+Sikken in Zug. Eine Stichprobe zeigt: Hochwertige Geräte sind im Fachhandel ab rund 3500 Franken erhältlich. Luxuriöse Schwedenöfen können 10‘000 Franken und mehr kosten. Die Preise sind nach oben offen.

    Allerdings sind in diesem Betrag oft weder Lieferung noch Montage enthalten. Dafür blättert man rund 1000 Franken hin. Für markant weniger Geld verkaufen Bau- und Hobbycenter verschiedene Cheminéeöfen. Billige kosten einige hundert Franken, teurere knapp 2000 Franken.

    Eine mindere Qualität zeigt sich unter anderm daran, dass das Blech etwas dünner ist und die Scharniere weniger lang halten. Ebenfalls günstig sind Occasions-Schwedenöfen. Für sie bezahlt man im Fachhandel teils weniger als 1000 Franken.
  • Abgasnormen: Moderne Schwedenöfen sind mit einer wirksamen Verbrennungstechnik ausgestattet: Dadurch sollten die Abgasnormen eigentlich erfüllt oder gar massiv unterschritten werden. Wenn jedoch die Glastür zum Feuerraum länger offen bleibt, stimmen die Abgaswerte bald einmal nicht mehr. Es gibt deshalb auch Öfen, die mit selbstschliessenden Türen ausgestattet sind.


Die Nachteile

 

  • Staub: Stärker als bei anderen Heizungssystemen begünstigt die Wärmeabgabe bei Schwedenöfen die Staubzirkulation und das Austrocknen der Raumluft: Menschen mit Stauballergie sollten besser auf ein anderes Heizsystem ausweichen.
  • Schnelle Abkühlung: Lässt man das Feuer ausgehen, kühlt der Ofen relativ schnell aus. Das gilt vor allem für Öfen mit Stahlverkleidung, weil sie keinen ausreichenden Speichermantel haben.
  • Zu heiss: Weil die Temperatur nicht so einfach zu regulieren ist, wird die Wärme, die der Schwedenofen abgibt, häufig als zu heiss empfunden – vor allem im Frühling und im Herbst. Um das zu ändern, braucht es etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl: Wenn man das Feuer nicht ausgehen lässt und morgens und abends immer etwas Holz nachschiebt, lässt sich die Temperatur auch bei diesen Öfen durchaus dosieren.
  • Kleiner Feuerraum: Im Gegensatz zu Cheminées eignen sich Schwedenöfen schlecht zum Grillieren von mehreren Steaks, Bratwürsten und dergleichen. Der Grund ist einfach: Es hat nur wenig Platz.

   
Die Verwandten des Schwedenofens:

 

  • Kleinspeicher-Öfen: Kleinspeicher-Öfen sind ähnlich gebaut wie Schwedenöfen. Sie unterscheiden sich jedoch in der Art, wie sie die Wärme abgeben. Beim Kleinspeicher-Ofen erfolgt sie vorwiegend in Form lang anhaltender Wärmestrahlung. In der Schweiz produzieren vorab die Tonwerke in Lausen BL und Lohn SH Kleinspeicher-Öfen.

    Gewisse Modelle speichern die Wärme bis zu 12, manche bis zu 18 Stunden. Kleinspeicher-Öfen sind ideal für Häuser mit Bodenheizung. Denn diese haben einen geringeren Wärmebedarf. Solche Öfen heizen nicht so schnell wie  reine Stahl-Schwedenöfen, geben die Wärme dafür langsam und gleichmässig ab.


In Schwedenöfen verwendet man mit Vorteil ausschliesslich naturbelassenes, unbehandeltes und trockenes Holz, das zwei bis drei Jahre wettergeschützt gelagert wurde. Was Heizwert und Transport betrifft, sind Pellets (gepresste Holzspäne) ideal. Absolut tabu sind gebeiztes, lackiertes oder beschichtetes Holz und Spanplatten. Holzbriketts dürfen keine Bindemittel enthalten. Weder Haushaltabfälle noch Möbel noch Holzabfälle von Baustellen dürfen in Holzfeuerungen entsorgt werden: Die verbotenen Materialien können gefährliche Giftstoffe wie Dioxine erzeugen.


Weitere Infos

 

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Kommentare

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von LisaK am
04.10.2016, 08:45

Specksteinofen - unser Favorit!

Hallo! Wir haben uns für einen Speckstein Ofen entschieden – zwar ist der eben etwas teurer, aber die langanhaltende Wärme ist im kalten Winter einfach unbezahlbar! (wir haben einen von Contura bei http://ofenhaus-maric.at/ gekauft) Ich habe eigentlich oft Probleme mit Staub durch meine Milbenallergie, aber wegen dem Ofen ist das zum Glück nicht schlimmer geworden – zur Sicherheit haben wir einen Luftbefeuchter gekauft damit die Luft nicht zu sehr austrocknet. Liebe Grüße, Lisa

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