Die Post ist viel reicher, als sie vorgibt

K-Tipp 07/2014 vom | aktualisiert am

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Die Post stapelt tief, wenn sie über ihre ­Finanzen berichtet. Die neuste Rechnung zeigt: Der Gewinn war noch nie so hoch wie letztes Jahr, die Reserven sind gewaltiger denn je.

Die Post droht öfter mit Preiserhöhungen. Einmal bei den Paketen, dann beim Einzahlen oder etwa beim Zeitungsversand. Die nächste angekündigte Aktion: Aufschlag beim Briefporto. Bereits vor einem Jahr antwortete Post-­Chefin Susanne Ruoff gegenüber der Zeitung «Nordwestschweiz» auf eine entsprechende Frage: «Es ist klar: Man muss sich auch in Zukunft auf Preiserhöhungen einstellen.»

Bis Ende März 2016 wird aus dem Plan, bei den Briefen die Tarife anzu­heben, allerdings nichts. ­Dafür sorgte der Preisüberwacher in zähen Verhandlungen mit der Post. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Auch mit weiteren Schalterschliessungen ist zu rechnen. Die Zahl der Poststellen ist schon in den letzten zehn Jahren von rund 2700 auf heute noch 1662 zurückgegangen. Bei der Post pflegt man diesen Schrumpfungsprozess jeweils nicht als Service­abbau zu bezeichnen, sondern als «Anpassung des Poststellennetzes an das Kundenverhalten». Und darum ist es aus Konsumentensicht kein gutes Zeichen, dass Ruoff an der Medienkonferenz Mitte April ankündigte: «Wir müssen das Poststellennetz weiter an die aktuellen ­Bedürfnisse der Kunden anpassen.»

1,751 Milliarden statt 626 Millionen

Dabei wären Sparmassnahmen auf dem Rücken der Kunden gar nicht nötig. Der Post gehts heute so gut wie noch nie. In ihrem Jahresbericht stapelt sie zwar tief. Der Konzern beziffert seinen Gewinn für das letzte Jahr auf «nur» 626 Millionen Franken – 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies wurde auch landauf, landab von den Medien verbreitet. Allerdings: Die Post spricht von einem «normalisierten Gewinn, zwecks Vergleichbarkeit mit den Vorjahren», so Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler. In Tat und Wahrheit belief sich der ausgewiesene Konzerngewinn auf 1,751 Milliarden Franken.

Mit der Eigenkreation «normalisierter Gewinn» meint die Post, dass gewisse einmalige Sondereffekte zum Riesengewinn geführt haben. Konkret: 

  • Die Post machte bei den Ertragssteuern einen Gewinn von 786 Millionen. Und das ging so: Bei Unternehmen und Privathaushalten sind Steuern eine Ausgabe. Die Post erzielte einen Gewinn, weil sie in den letzten Jahren für künftige Steuern zu hohe Rückstellungen tätigte. Die Post sagt dazu, der Betrag resultiere aus Wertdifferenzen, die buchhalterisch durch Aktivierungen und Aufwertungen im Zuge der Umwandlung der Post in eine vollumfänglich steuerpflichtige AG entstanden seien.
  • Eine weiteren einmaligen Gewinn von 444 Millionen machte die Post bei der Pensionskasse. Auch hier hatte sie in den früheren Jahren, als sie noch keine selbständige AG war, zu viel eingezahlt. Die Post sagt dazu, der Gewinn sei eine Folge von Anpassungen am Vorsorgeplan der Pensionskasse. Konkret habe diese letztes Jahr den Umwandlungssatz und den technischen Zinssatz «im Sinne von Sanierungsmassnahmen» gesenkt. Das habe zu Planänderungsgewinnen geführt.

Die beiden Positionen brachten der Post stolze 1,23 Milliarden Franken ein. Davon zog sie umgehend 105 Millionen Franken wieder ab. Diese Operation zeigt, dass der Post der hohe Gewinn selbst nicht geheuer war. Grund für die Rückstellung laut Post: Sie habe den Umfang der vor 2012 verkauften und noch nicht benutzten Briefmarken neu eingeschätzt. 

Übrigens: Das Eigen­kapital der Post stieg in ­einem einzigen Jahr von 3,15 auf 5,64 Milliarden Franken. Nutzniesser der Gewinne ist in erster Linie die Post selber. Pascal Koradi, Leiter Finanzen bei der Post, sagte bei der Präsentation der Jahreszahlen: «Die Gewinne dienen dem Aufbau des bankenrechtlich notwendigen Eigenkapitals der Postfinance AG und für Gewinnausschüttungen an den Bund.»

Nur: Postfinance übertrifft die Eigenmittelvorschriften bereits heute deutlich. Darauf wies der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Hansruedi Köng, vor den Medien explizit hin. Wozu also brauchts noch mehr Geld? Es sei eben nicht ausgeschlossen, argumentiert die Post-Pressestelle, dass sich der Bedarf an Eigenmitteln der Postfinance «durch Weiterentwickung der Geschäftstätigkeit und/oder durch sich verändernde Risiken» künftig erhöhe.

Die Dividenden fliessen

Die Bundeskasse erhält von der Post voraussichtlich eine Dividende von 180 Millionen Franken. Daneben fliessen Ertragssteuern von gut 30 Millionen Franken abzüglich Inkassogebühr durch den Sitzkanton (Bern) in die Bundeskasse. Diese profitiert zudem mit weiteren 220 Millionen Franken aus Mehrwertsteuern. Und mit 13 Millionen aus einer einmaligen Abgabe auf dem Grundkapital wegen des Wechsels der Rechtsform der Post zu einer Aktiengesellschaft. Aber auch Kantone und Gemeinden gehen nicht leer aus. Doch wie viel Steuern der Gelbe Riese an diese zahlt, wollte er nicht sagen.

Liegenschaften: Ein Milliardenpolster

Die Post verfügt neben dem riesigen Eigenkapital von 5,64 Milliarden auch noch über grosse «versteckte» Reserven. Das hat «Saldo» schon vor Jahresfrist berichtet (Ausgabe 7/13). Grund: Die Liegenschaften, die der Post gehören, sind in der Bilanz viel tiefer eingesetzt, als es dem Verkehrswert entspricht. Ende 2013 lag der Buchwert der Liegenschaften bei knapp 1,5 Milliarden Franken.

Auf dem Markt brächten sie aber viel mehr ein, wie Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler schon vor gut zwei Jahren zugab. Gegenüber der Zeitschrift «Bilanz» sagte er damals, mit den Buchwerten werde «der mögliche Spielraum zu den Verkehrswerten höchstens etwa zur Hälfte» ausgereizt. 

Die Betriebsliegenschaften der Post sind demnach gegen 3 Milliarden Franken wert.

Preisüberwacher überlistet

Der Preisüberwacher hat die Post gezwungen, die Preise für Auslandpakete zu senken. Doch die Post hat ein Schlupfloch gefunden. 

Im Frühsommer 2012 änderte die Post die Spielregeln: Kleine Pakete ins Ausland mussten neu eingeschrieben verschickt werden. Deshalb kostete ein B-Post-Paket bis 500 g ins europäische Ausland Fr. 15.50.

Nach zähen Verhandlungen einigten sich der Preisüberwacher und die Post darauf, dass kleine Auslandpakete wieder un­eingeschrieben verschickt werden dürfen – für Fr. 9.50. Am 31. März verschickte der Preisüberwacher eine entsprechende Mitteilung. Schon am nächsten Tag hatte die Post den Preisüberwacher ausgetrickst: Wer sein Paket uneingeschrieben verschicken will, zahlt Fr. 9.50. Wer es einschreiben will, muss es als A-Post senden. Und das kostet samt Einschreiben 20 Franken – also mehr als vorher.

Auch bei den Briefen ins Ausland sei Einschreiben nur bei A-Post möglich, erklärt die Post. Diese Regelung entspreche «den internationalen Gepflogenheiten». Seltsam: Diese internationalen Gepflogenheiten gelten offenbar erst seit ein paar Monaten.

Der Preisüberwacher erfuhr erst durch den K-Tipp vom Trick der Post. Er verlangte umgehend Auskunft. Die Antwort steht noch aus.

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Kommentare

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von Studiosus am
10.04.2014, 09:33

Staatliche Ausbeuter

Die Post entliess in mehreren Wellen viele Tausend Angestellte und machte deren Familien unglücklich. Ich kenne viele Fälle, wo Pöstler nach 30 Jahren entlassen wurden und bei der IV landeten. Teure alte Schweizer werden gegen billige junge Ausländer getauscht, die kaum lesen können. Zuverlässige Arbeitskräfte werden gegen halbe Kinder getauscht. Die Qualität ging massiv zurück, die Preise nach oben. Wurde früher in Zürich 6x pro Tag zugestellt, kann man heute froh sein, wenn der Brief überhaupt ankommt.

von taverne1 am
09.04.2014, 14:54

Die Post ist viel reicher

Und sie haben immer gejammert! Das ist eine Schande.

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