Die kleinen Schwarzen der Herren

K-Tipp 16/2005 vom

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Der beste Business-Schuh im Test ist fast perfekt, das teuerste Modell schneidet am schlechtesten ab. Käufer haben eine grosse Auswahl an guten Business-Schuhen.

Timberland, Navyboot, Geox und Bally: Mit jeder Marke verbindet man Qualitäten wie Langlebigkeit, Bodenständigkeit, Eleganz und Luxus. So unterschiedlich ihr Image auch ist, die Hersteller dieser Marken verkaufen alle klassische schwarze Business-Schuhe für Herren.

Luxus bringt man am ehesten mit Bally in Verbindung. Der Preis bestätigt dies denn auch: 350 Franken muss der Einkäufer von Kassensturz und K-Tipp für einen Business-Schuh hinblättern - mit Abstand der höchste Betrag, den er beim Testeinkauf bezahlte.
Am anderen Ende der Preisskala stehen die Exklusivmarken Roberto Santi von Vögele Shoes, Bata und Claudio Conti von Dosenbach. Sie kosten alle weniger als 80 Franken. Sind sie qualitativ schlechter?

Zehn Schuhpaare wurden ins deutsche Prüflabor PFI in Pirmasens geschickt: Neben den genannten Marken auch je ein Modell von Rieker, Mephisto und eines vom Schweizer Hersteller Fretz Men.

Die Schuhe mussten einen Härtetest absolvieren:
- Das Labor liess den Schuh in einer Maschine 100 000-mal biegen und beurteilte die Schäden am Schuh (Tabelle: Kriterium Robustheit). Diese Prüfung imitiert einfaches Gehen. Separat getestet wurde zusätzlich die Biegefestigkeit von Sohle und Oberleder (Kriterien Biegeverhalten Laufsohle bzw. Oberleder).
- Die Prüfer spannten die Schuhe in eine Maschine ein und massen, bei welcher Zugkraft sich die Sohle vom Schaft - dem oberen Teil des Schuhs - löst (Sohlenhaftung). Dieser Test zeigt, wie gut die Schuhteile verklebt sind.
- Ausserdem wurde die Wasserdichtheit des Oberleders geprüft: Wie lange dauert es, bis Wasser in den Schuh eindringt?
- Als Massstab für die Langlebigkeit der Sohlen untersuchte das Labor, wie stark sich die Sohle abreibt.
- In einer letzten Prüfung wurde beurteilt, ob der Schuh atmungsaktiv ist. Von der Atmungsaktivität lässt sich ableiten, wie stark man in den Schuhen schwitzt.


Bally: Enttäuschendes Resultat

Schon bei der Langlebigkeit des Schuhs - bei den verschiedenen Biegetests, bei der Sohlenhaftung, aber auch beim Abrieb der Sohle - trennte sich die Spreu vom Weizen: Der Schuh Mephisto Fulberto zeigte einige Schwächen. Ungetragen blätterte schon die oberste Schicht am Oberleder ab. Auch im Dauerbiegeversuch bildeten sich Risse auf der Sohle.

Unbefriedigend war die Sohlenhaftung gleich bei mehreren Modellen. Claudio Conti, Roberto Santi und Bata erfüllten die Anforderungen an die Zugkraft im Test nur zum Teil (gemessen nach deutscher Norm). Die Normanforderung knapp erfüllt hat der Schuh von Bally.
Der Bally-Schuh hat übers Ganze gesehen schwach abgeschnitten. Das Prüflabor stellte einen sehr starken Abrieb der Laufsohle fest. Prüfleiter Markus Scherer relativiert diesen Mangel zwar: «Das Sohlenmaterial ist aus extrem leichtem Material gefertigt.» Den Komfort der leichten Schuhe bezahle man mit dem starken Abrieb. Aber auch bei den anderen Tests - miserabel das Kriterium Wasserdichtheit - glänzte Bally nicht: Bloss beim Biegeverhalten der Laufsohle reichte es dem Schuh zur Bestnote.


Preis: Sagt nichts über die Qualität aus

Das mit Abstand teuerste Modell im Test bildet damit das Schlusslicht - mit einem Gesamturteil «befriedigend».

Ein weiterer, nicht gerade günstiger Schuh, Navyboot Original, fällt im Kriterium Atmungsaktivität ab. Für den Herrn mit Hang zu Schweissfüssen ist der Schuh ungeeignet.

Unangefochtener Testsieger ist der Business-Schuh von Timberland. Einzig im Prüfpunkt Sohlenhaftung reichte es ihm nicht für die Bestnote. Trotzdem ist der Schuh seinen hohen Preis wert.

Wer aufs Budget achten muss, kann sich über die Testergebnisse freuen: Alle günstigen Schuhe haben gut abgeschnitten. Unter ihnen stechen vor allem jene von Fretz Men (Fr. 125.-) und Rieker (Fr. 99.90) hervor: Sie gehören nicht nur zu den Besten, sie sind auch ausgesprochen günstig. Sieht man von der mässigen Wasserdichtheit bei beiden Modellen und vom starken Sohlenabrieb beim Fretz Men ab, gibt es nichts zu kritisieren.

Die Eigen- und Exklusivmarken Claudio Conti, Roberto Santi und Bata sind zwar qualitativ tiefer einzustufen, haben den Sprung zu den «guten» aber knapp geschafft. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier ebenfalls.

Ob einem ein Schuh gefällt und wie viel er kosten darf, ist eine Frage des Geschmacks und des Portemonnaies. Auf jeden Fall zeigt sich, dass auch bei Business-Schuhen der Preis ein schlechter Gradmesser für Qualität und Bequemlichkeit ist.



Tipps zu Kauf und Pflege

- Schuhe nicht am Vormittag kaufen: Da Füsse im Verlauf des Tages grösser werden, ist die Gefahr gross, dass man früh am Tag zu kleine Schuhe auswählt.
- Vor dem Kauf klar definieren: Wird der Schuh nur im Büro getragen oder wird er stark beansprucht, muss er wasserabweisend oder atmungsaktiv sein? Im Laden die Beratung in Anspruch nehmen.
- Schuhe mit Lackleder sind praktisch luftundurchlässig und deshalb für Schweissfüsse ungeeignet.
- Schuhe sorgfältig probieren und im Laden ein paar Minuten tragen. Druckpunkte sind nicht nur unangenehm, sie verringern auch die Lebensdauer der Schuhe.
- Mit Ledersohlen droht auf nassem Boden Rutschgefahr: Aufrauen mit Schleifpapier oder beim Schuhmacher eine dünne Sohle aus Elastomere anbringen lassen.
- Regelmässig Schuhcreme auftragen: Das hält das Leder geschmeidig und verlängert die Lebensdauer des Schuhs.
- Über Nacht Schuhspanner verwenden.
- Ideal: Schuhe einen ganzen Tag mit Schuhspanner ruhen lassen und jeden zweiten Tag einen anderen Schuh tragen.

(rom)



Archiv im Netz

Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.
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Kommentare

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von George22 am
10.06.2014, 15:07

Schuhe nicht am Vormittag kaufen?

Meine Füsse sind, warum auch immer am Abend offenbar kleiner als am Morgen. Ich habe schon öfters am Abend Schuhe gekauft, die ich am nächsten Morgen nicht mal mehr anziehen konnte (einmal sogar ein identisches Paar, dass ich schon zu Hause hatte). Der weit bessere Typ, ziehen sie die Schuhe nicht gleich nach dem Kauf an, sondern nehmen Sie sie nach Hause und probieren Sie nochmals zu verschiedenen Tageszeiten, so können sie notfalls umgetauscht werden.

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