Deutsch und Deutlich: Pseudodeutsch

K-Tipp 10/2019 vom

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Seit Jahren wird auf Zeitungsredaktionen gespart. Das hat Folgen. In Schweizer Zeitungen erscheinen häufig Artikel aus ausländischen ­Zeitungen, die nur notdürftig übersetzt sind. ­Beispiele:

Die «Berner Zeitung» schrieb, der slowenische Radrennfahrer Primoz Roglic gelte «als seriöser Anwärter auf den Tour-de-France-Sieg». Die französische Sportzeitung «Equipe», die den ursprünglichen Text veröffentlicht hatte, schrieb zwar «sérieux», beurteilte damit aber nicht ­Roglics Seriosität. Vielmehr schrieb sie über den ernsthaften Anwärter auf den Sieg.

Die «Sonntagszeitung» berichtete von «zwei ­völlig unerfahrenen Komplizen», die einen Film drehen wollten. In diesem Zusammenhang ­waren mit den «complices» aber keine Krimi­nellen gemeint, sondern Kollegen.

Der Fussballer Neymar musste sich laut verschiedenen Zeitungen «nach der Operation am Mittelfuss einem Examen unterziehen». Geprüft wurde aber nicht sein Fach­wissen. Vielmehr war eine medizinische Untersuchung angesagt.

Manchmal müsste sogar das in Deutschland geschriebene Deutsch übersetzt werden. «Der Bund» schrieb von Plastikteilen in Gewässern, unter anderem von «Strohhalmen». Stroh aus Plastik? Nein. Gemeint waren Trinkhalme oder Trinkröhrchen.

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