Bedenklich viele Geräte strahlen

K-Tipp 05/2011 vom | aktualisiert am

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Bei den praktischen und technischen Tests überzeugten alle acht Babyphones. Anders siehts bei der Strahlung aus: Vier Geräte erhielten die Note «ungenügend».

Verwenden Sie keine Geräte, die dauernd senden. Dies schreibt das Bundesamt für Gesundheit zum Thema Babyphones. Experten sind sich einig: Solche Geräte gehören nicht ins Kinderzimmer. Die Strahlenbelastung für Kinder sollte so tief wie möglich sein.

Einige Hersteller von Babyphones scheint das aber wenig zu kümmern, wie ein Test des K-Tipp zeigt. Neben der Strahlen­belastung prüfte das Labor PZT in Wilhelmshaven (D) die acht Babyphones mit Preisen zwischen 110 und 180 Franken auch auf Reichweite, Störanfälligkeit, Stromverbrauch, Akkulaufzeit, Akustik und Handhabung (siehe auch «So wurde getestet»).


Geräte mit veralteter Technologie

Bedenklich: Von den acht häufig verkauften Babyphones sind vier mit ver­alteter DECT-Techologie ausgestattet (Philips, Topcom, Switel, Chicco).

Sie senden andauernd und verur­sachen dabei gepulste hochfrequente Strahlung. Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist die Langzeitwirkung dieser Strahlung unbekannt. Deshalb rät es zur Vorsicht.

Studien berichten über Auswirkungen auf die Gesundheit: Sie reichen von Schlafstörungen bis zur Erhöhung des Krebs­risikos. Der K-Tipp bewertet diese Babyphones deshalb als «ungenügend». Ein Dauersender ist un­nötig fürs Kinderzimmer.

Technisch wäre es problemlos möglich, die DECT-Babyphones nicht permanent senden zu lassen. Das zeigen moderne DECT-Telefone: Sie passen ihre Sendeleistung laufend an – je nach Abstand des Mobilteils zur Basis­station.

Dazu Prüf­leiter Wolfgang Herter: «Solange die Babystation immer strahlt, darf ein ­solches Gerät nicht in der Nähe von Babys oder Klein­kindern aufgestellt werden.»

Die Hersteller der DECT-Geräte reagieren unterschiedlich: Chicco äussert sich gar nicht zum Thema Strahlung. Philips, Switel und Topcom verweisen auf die stahlen­reduzierende Eco-Funk­tion ihrer Geräte. Zudem sollen die Eltern die Babyphones in einem Abstand von mindestens einem Meter vom Baby platzieren.

Aber: Trotz der Eco-Funktion (Öko-Modus) strahlen die Geräte immer noch stark – auch in ­einem Abstand von einem Meter. Das Philips-Babyphone reduziert im Öko-Modus die Strahlung am stärksten. Trotzdem ist sie um das 230-fache höher als beim Angelcare-Gerät.

Sämtliche Babyphones im Test verursachen noch weitere Arten von Strahlung. Der K-Tipp hat die Geräte je nach Strahlungsintensität abgewertet. Dazu wurde die TCO-Norm für Büroarbeitsplätze herangezogen.

Sie gilt für Erwachsene, wird von den Geräten aber zum Teil überschritten. Fürs Kinderzimmer dürften tiefere Werte erwartet ­werden. Trotz vereinzelt ­erhöhter Strahlungswerte erreichen vier Geräte genügende Noten: Angelcare, Hartig & Helling, ­Vivanco und Comtel.

Neben einem genügenden Abstand ist auch wichtig, das Babyphone mit Batterie oder Akku laufen zu lassen. Denn auch Netzteil und Kabel tragen zur Strahlenbelastung bei. Das liesse sich mit besser abgeschirmten Netzteilen und Kabeln vermeiden.

Und: Falls das Gerät eine Öko-Taste hat, diese un­bedingt anwählen. Comtel rät in der ­Stellungnahme zu Akkubetrieb und genügend Abstand. Bei Vivanco kann man sich die Strahlungswerte nicht erklären und vermutet Fehler beim Test oder einen Defekt am ­Gerät.

Im technischen und praktischen Teil des Tests zeigten die Babyphones kaum Schwächen. Die Bedienung ist einfach, die Akustik ansprechend. Allerdings: Zwei Modelle erhielten beim Unterkrite­rium akustische Empfindlichkeit nur knapp genügende Noten: Chicco und Comtel.

Das Chicco reagiert schon bei leisesten Geräuschen, beim Comtel hingegen muss das Baby recht laut werden, um ­gehört zu werden. Chicco sagt auch dazu nichts. Comtel findet, die Geräte müssten nicht jeden «Mucks» senden und damit die Eltern unnötig stressen.

Eine ungenügende Note erhielt das Switel-Gerät bei der Akkulaufzeit des Empfängers. Der Akku reicht nur für sieben Stunden, nicht einmal eine ganze Nacht. Eltern müssen also das strahlende Netzteil ein­stecken, wenn sie das Gerät länger laufen lassen.

Tipp: Der K-Tipp hat bereits 2007 Babyphones getestet. Damals erhielten zwei Geräte ein genügendes Gesamturteil. Eines davon ist noch erhältlich: Vivanco BM440 Eco Plus. Preis: ab Fr. 77.– (www.toppreise.ch).


So wurde getestet

Das Prüfinstitut PZT in Wilhelms­haven (D) hat die acht Baby­phones auf folgende Kriterien getestet:

  • Reichweite: Das Labor hat die Reichweite der Geräte im Freien und im Haus gemessen. Bei Letzterem war entscheidend, durch wie viele Decken und Wände das Gerät sendet.
  • Störungsempfindlichkeit: Beeinflussen Ge­rä­te wie Handy, Mikrowelle und DECT-Telefon das Babyphone?
  • Stromverbrauch: Sind Empfangs- und Sendestation am Strom angeschlossen, sollten sie nicht mehr als 2,5 Watt verbrauchen.
  • Akkulaufzeit: Die Empfangsstation sollte mit den mitgelieferten Akkus mindestens eine Nacht (8 Stunden) am Stück laufen.
  • Falltest: Die Geräte hatten zwölf Stürze aus 1 Meter Höhe zu überstehen.
  • Akustik: Wie empfindlich reagiert das Babyphone auf Geräusche? Wie gibt es diese wieder?
  • Strahlung: Die Experten haben die elektromagnetischen Strahlen gemessen, die von den Geräten ausgehen. Weiter eruierten sie, ob die Babyphones andauernd oder nur bei Bedarf senden und ob sie gepulste hochfrequente Strahlung abgeben. Bewertet wurde in Anlehnung an die für Büroarbeitsplätze geltenden TCO-Normen.
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Kommentare

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von Nendaz am
09.03.2011, 15:52

Strahlenschutz quo vadis ?

Schön wenn das BAG solche Empfelungen herausgibt. Unschön ist es, wenn solche Dauerübermittler auch noch in die CH eingeführt werden dürfen.Beim Automobilimport gibt es auch haufenweise Vorschriften über den sicheren Betrieb eines Fahrzeuges. Scheinbar gilt bei den Behörden: was man nicht sieht und spürt ist Unbedenklich. Bedenklicher ist allerdings die Passivität des Bundes in solchen Angelegenheiten, griffigere Gesetze wären da besser als billige Empfehlungen!

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