Auszeit im Kloster: Erholung für jedes Portemonnaie

saldo 08/2011 vom

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In den Ferien Stille statt Trubel geniessen: Diese Chance bieten Klöster und Ordensgemeinschaften in der Schweiz.

Während der Weihnachtszeit wurde mir alles zu viel: Geschenke, Erwartungen, zu viel Konsum. Ich musste mich diesem Druck entziehen», berichtet Gabriela Hüppi. Wie Hüppi suchen viele die Flucht ins Kloster, in ihrem Fall nach Seedorf UR zu den Benediktinerinnen.

Auf der Website des Klosters erzählt Hüppi von ihren Erfahrungen: «Die ersten zwei Tage brauchte ich, um mich von den Zwängen zu lösen. Am dritten kamen meine Gefühle hoch; ich durfte sie ausleben, ohne dass ich mich abgelenkt fühlte oder dass mich jemand bewertete.

Nach fünf Tagen erlebte ich eine innere Ruhe, die ich in meinem Leben noch nie verspürt hatte.» Die Auszeit im Kloster ist gefragt, insbesondere um Festtage wie Ostern. Genaue Zahlen zur Nutzung gibt es nicht, doch die Nachfrage bei Ordenshäusern zeigt:

 «Wenn unsere Herberge offen ist, sind immer Gäste da», so Schwester Samuelle Käppeli vom Kloster Baldegg LU. Und Schwester Rebekka Bühlmann von der Klosterverwaltung Wurmsbach bei Rapperswil SG gibt an, es seien nicht immer Zimmer frei.

Zu den Ruhesuchenden gehören Menschen aller Schichten, vom Verkäufer bis zur Managerin. Religiosität ist keine Voraussetzung für einen Besuch. «Die Angebote sind offen für alle Menschen», erklärt Schwester Susanna Baumann von Kovoss, der Konferenz der Vereinigungen der Orden und Säkular­institute der Schweiz.


Vorgespräch klärt Fragen zu Art, Dauer und Kosten des Aufenthalts

Ob und wie intensiv man das Leben der Gemeinschaft teilt, hängt vom jeweiligen Angebot ab. Es gibt Orte, wo Ehepaare oder Familien im Gästehaus autonom leben können. Andere Klöster erwarten, dass der Gast am Klosterleben teilnimmt und mitarbeitet.

 «Jede Gemeinschaft hat einen eigenen Charakter», erläutert Schwester Susanna Baumann. Es lohnt sich daher, über gegenseitige Vorstellungen zu reden, bevor man sich für eine Ordensgemeinschaft entscheidet.

Die meisten Klöster haben einen Gastpater oder eine Gastschwester, die sich um die Ruhesuchenden kümmern. Im Gespräch legt man auch die Zeit des Aufenthalts und die Kosten fest. Für Erstbesuche gilt mancherorts eine Höchstdauer von einer Woche.

Die Kosten reichen von 30 bis 100 Franken pro Nacht – je nachdem, wie man in der Gemeinschaft mitarbeitet. Zudem betonen alle Klöster, dass man auf die individuelle finanzielle Situation Rücksicht nehme. Am Geld soll der Besuch im Kloster nicht scheitern.


Folgende Angebote stehen zur Verfügung:

Klosteraufenthalt für Frauen, die mit den Schwestern leben möchten: In diesen Häusern ist es in der Regel möglich, mit den Schwestern zu essen und an ihren Gebeten und teilweise an der Arbeit teilzunehmen.


Klosteraufenthalt für Männer, die mit den Brüdern leben möchten:
Hier kann man mit den Brüdern essen, an Gebeten und teilweise an der Arbeit teilnehmen.


Aufenthalt für Frauen und Männer ohne Teil­nahme am Tagesablauf:
Ilanzer Dominikanerinnen, Kloster Ilanz GR, Haus der Begegnung (Time-out), Kloster-ilanz.ch


Angebote für junge Leute:

  • Schreibzelle Kloster Fahr ZH für 16- bis 30-Jährige, Kloster-fahr.ch
  • Sozialpraktikum im Haus Maria Theresia, Kloster Ingenbohl SZ, für Frauen zwischen 18 und 25 Jahren, Kloster-ingenbohl.ch
  • Stage in der Abbaye de Fontaine-André, Neuchâtel, für junge Erwachsene, Fontaine-andre.ch
  • «Sabbat» bei den Capucines Monastère de Montorge, Freiburg, für junge Frauen, eine Woche bis ein Jahr, Capucins.ch/montorge.htm.


Weitere Ange­bo­te und Adressen unter www.kath.ch/orden.

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