Auch ausgeschaltete Geräte fressen Strom

saldo 7/2007 vom

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Testmessungen von saldo zeigen: Viele Elektrogeräte verbrauchen sogar Energie, wenn sie vollständig ausgeschaltet sind.

Wer Strom sparen will, schaltet abends den Stand-by-Knopf am PC-Monitor ab. Was viele nicht wissen: Das nützt häufig nur wenig. Auch wenn nämlich am Gerät kein Lämpchen mehr leuchtet, dreht sich der Stromzähler oft weiter.

saldo machte in verschiedenen Haushalten eine Stichprobe und fand heraus: Besonders Computer saugen Strom aus der Dose, obwohl sie nicht im Stand-by-Modus, sondern scheinbar völlig ausgeschaltet sind. Ein iMac Baujahr 2003 mit einem 1-Gigahertz-Prozessor samt kabellosem Modem und externer Festplatte verbrauchte so immer noch 14 Watt.

Wer daheim seinen Computer pro Tag 20 Stunden ausgeschaltet hat, braucht für diese Zeit in einem Jahr 102 Kilowattstunden Strom - für nichts. Dies kostet allein für den unbenutzten Mac-Computer jährlich 20 Franken. Ein PC (Pentium 4, 1,7 Gigahertz) samt Monitor und Analogmodem verbrauchte bei der saldo-Testmessung 8 Watt. Das entspricht 12 Franken Stromkosten pro Jahr für die Zeit, in der man den PC gar nicht braucht.


Rund 30 Franken im Jahr für Geräte, die ausgeschaltet sind

Laut dem Bundesamt für Statistik haben 69 Prozent aller Haushalte in der Schweiz mindestens einen Computer. Selbst wenn man annimmt, dass in vielen Schweizer Haushalten sparsamere Computer stehen, die nur halb so viel verbrauchen, macht dies bei 3,1 Millionen Haushalten in der Schweiz rund 13 Millionen Franken, die wegen der stromhungrigen Rechner sinnlos verpuffen.

Doch nicht nur abgeschaltete Computer sind Energiefresser: Je nach Gerät verbrauchen auch Fernseher,
Stereoanlagen oder Beamer ständig Strom, obwohl man es von aussen nicht sieht. Die deutschen Fachzeitschriften «Audio Video Foto-Bild» und «Computerbild» haben eine Übersicht über aktuelle Geräte im Internet veröffentlicht (www.no-e.de/html/unglaub lich.html).

Hier finden sich noch viele andere Stromfresser: Ein Satelliten-TV-Empfänger Marke Kathrein UFS 901 braucht ausgeschaltet 16 Watt (im Jahr rund 23 Franken), die Stereoanlage von Bang & Olufsen Typ Beosound 3000 7,4 Watt (12 Franken) oder die Lautsprecher von Bose Typ 3-2-1 GS sogar 20 Watt (32 Franken).

Auch wenn man weniger stromgierige Geräte im Haushalt hat, kostet dies schnell einmal viel Geld. Eine Familie mit mehreren elektronischen Apparaten kommt locker auf über 30 Franken Stromkosten pro Jahr - für Geräte, die unbenutzt herumstehen.

Der Grund für den unnötigen Energieverbrauch: Die meisten elektronischen Geräte laufen nicht mit den 230 Volt aus der Steckdose, sondern mit deutlich weniger Spannung. Daher muss man ein Netzgerät dazwischenschalten. Je nach Apparat gibt es externe Netzteile, die man in die Steckdose steckt, oder sie sind in den Apparat eingebaut.

Doch dieses Netzgerät wird oft nicht mit dem Schalter am Apparat ausgeknipst, sondern steht ständig unter Strom. Ob das am Gerät daheim so ist, kann man leicht selbst testen: Wenn Gerät oder Netzteil leicht erwärmt sind oder leise brummen, fliesst Strom.

Bei vielen Geräten wäre es technisch gut möglich, das Netzteil mit einem Hauptschalter vom Netz zu trennen. «Die Hersteller haben die Hauptschalter oft eingespart», sagt dazu Jürg Nipkow von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz Safe.
«Damit sparen sie bei der Produktion pro Gerät ungefähr 2 bis 3 Franken.» Dass der Festplattenrekorder oder der Beamer ohne das Wissen der Besitzer dennoch Strom verbraucht, ist für Jürg Nipkow «eine Irreführung».


EU setzt Grenzwerte für Stand-by-Stromverbrauch

Dies könnte sich in Zukunft ändern: Die EU plant eine Vorschrift zum Stand-by-Energieverbrauch von Elektrogeräten. Darin sollen Grenzwerte dafür festgelegt werden, wie viel Strom ein Gerät im Stand-by-Betrieb sowie im ausgeschalteten Zustand verbrauchen darf. Die Vorschrift tritt frühestens Anfang 2008 in Kraft. Gelten die Grenzwerte einmal im EU-Raum, sind die angepassten Geräte auch in der Schweiz erhältlich.


Eine Liste einiger Geräte mit dem tiefsten Stand-by-Verbrauch findet sich auf www.topten.ch.




So nehmen Sie die Stromfresser vom Netz

- Die einfachste Massnahme gegen das Stromsaugen lautet: Stecker raus. Will man mehrere Apparate gleichzeitig vom Netz trennen, ist eine Steckerleiste mit Kippschalter sinnvoll. Gerade bei Computern, die zusätzliche Netzkabel für Monitor, Modem und Drucker haben, lohnt sich die Leiste. Der Kippschalter trennt die Kabel vom Netz - es fliesst kein Strom mehr.
- Einige Geräte reagieren aber empfindlich auf das Ausschalten. Aufpassen muss man etwa bei Tintenstrahldruckern. Einige Modelle reinigen beim Wiedereinschalten automatisch die Düsen, wenn sie zuvor vom Strom getrennt waren. Dies verbraucht unnötig Tinte. Auch bei älteren Videorekordern oder Telefonen mit internem Speicher kann das komplette Ausschalten Nachteile haben, da man vielleicht damit einprogrammierte Daten löscht.
- Einfache Steckerleisten haben einen Kippschalter und kosten 10 bis 15 Franken. Nachteil: Der Kippschalter ist oft schwierig zu erreichen. In solchen Fällen lohnt es sich, die Leiste mit einer Schaltermaus zu verbinden (rund 30 Franken). Der Kippschalter ist mit einem Kabel mit der Leiste verbunden und kann an einem zugänglicheren Ort stehen.
- Für Computer lohnt sich eine sogenannte Master-Slave-Steckdosenleiste (ab 60 Franken). Schaltet man den an der Master-Dose angeschlossenen Computer aus, erhalten auch die anderen Geräte, die an der Leiste hängen, keinen Strom mehr. So werden mit dem PC automatisch auch Monitor, Modem und Drucker vom Netz gekappt.
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