Aniko Schmid: "Abnehmen war ziemlich einfach"

Gesundheitstipp 4/2000 vom

In speziellen Kursen lernen übergewichtige Kinder und Jugendliche ein neues Ess-, Bewegungs- und Freizeitverhalten.

Jedes zehnte Kind in der Schweiz ist übergewichtig. Diäten und Vorwürfe der Eltern helfen diesen Kindern nicht. Spezielle Abnehm-Programme setzen auf mehr Bewegung und Essgenuss ohne schlechtes Gewissen.

Noch vor einem Jahr brachte die 13-jährige Aniko Schmid aus Zürich 70 Kilo auf die Waage. Sie erzählt: "Ich bin zum Glück nie von anderen Kindern ausgelacht worden. Aber ich fühlte mich trotzdem nicht wohl mit meinem Übergewicht." Heute ist die 1 Meter 57 grosse Schülerin zehn Kilo leichter und überglücklich: "Es ging ziemlich einfach. Ich musste gar nicht gross auf etwas verzichten." Ihre Kilos hat Aniko mit Hilfe des Clubs "minu" verloren, einem Kurs für übergewichtige Kinder.

Im Club "minu" gibt es keine Diäten und kein schlechtes Gewissen. "Diäten für Kinder sind überhaupt nicht sinnvoll", sagt der Zürcher Ernährungspsychologe und Projektleiter des Clubs, Robert Sempach. "Solche einseitigen Bemühungen zum Abnehmen scheitern in 95 Prozent der Fälle. Und danach fühlen sich dicke Kinder noch schlechter als vorher, weil sie sich als Versager vorkommen."


Verbote und Ermahnungenbringen den Kindern nichts

Kaum zum Erfolg führt es, wenn Eltern ihr Kind ständig ermahnen, es soll weniger essen, oder wenn sie gewisse Nahrungsmittel verbieten. "So wird alles Essen zur Sünde und jagt den Kindern ein schlechtes Gewissen ein", kritisiert die Berner Ernährungsberaterin Corinne Mury-Spahr. Sie ist am neuen Berner Kursangebot WIM ("weniger is(s)t mehr") beteiligt, das mit denselben Methoden wie der Club "minu" Kindern beim Abnehmen hilft.

Mit den neuen Abnehm-Programmen lernen Kinder, in kleinen Schritten ihren Alltag so zu verändern, dass sie nicht mehr übermässig essen. "Als erstes habe ich weniger Süssgetränke getrunken und gleich zwei Kilo abgenommen", schildert Aniko ihre Erfahrungen.

Die Ernährungs-Richtlinien für die übergewichtigen Kinder sind simpel: Viele Früchte und viel Gemüse, viele Kohlenhydrate wie Reis, Teigwaren und Brot. Dafür wenig Fett. Ernährungspläne gibt es nicht. Zwänge und schlechtes Gewissen sind in den Programmen verpönt.

"Unser Kurs zeigt, dass Kinder durchaus auch einmal einen Hamburger oder eine Glacé essen können. Und dass sie das vor allem auch ohne schlechtes Gewissen geniessen dürfen", sagt Corinne Mury-Spahr. "Wir zeigen den Kindern aber auch, dass sie ein Mittagessen mit Pommes frites am Abend mit einer fettarmen Mahlzeit ausgleichen sollen."

Aniko hat gelernt, langsam zu -essen und immer wieder einmal den Löffel abzulegen. "Gewisse Essgewohnheiten tragen viel zu Übergewicht bei", erklärt Robert Sempach. Viele Kinder nehmen sich aus reiner Gewohnheit etwas aus dem Kühlschrank und setzen sich damit vor den Fernseher. Sie achten dabei nicht auf ihr natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl. Diesen Kindern schlägt Sempach vor, nur noch am Tisch zu essen.

Der Berner WIM-Kurs empfiehlt den Kindern, sich dreimal pro Woche mindestens eine halbe Stunde zu bewegen. "Es reicht schon, wenn der Vater mit dem Kind regelmässig Velo fahren geht und das Kind in einem Sportverein mitmacht", sagt Charlotte Weidmann vom Gesundheitsdienst der Stadt Bern. Leider gebe es aber noch sehr wenige Sportangebote speziell für übergewichtige Kinder.


Der Erfolg hängt auch von den Eltern ab

Ganz wichtig sind die Eltern: Auch sie müssen das Programm mitmachen. Sie sind es, die einkaufen, kochen - und damit Vorbild sind. Sempach: "Wenn sich die Eltern mehr Zeit nehmen fürs Essen, mehr Salat und Gemüse wählen und nicht vor dem Fernseher essen, ist es für die Kinder einfacher, das auch zu tun."

Das Mitmachen sei kein Problem für sie, sagt Magdalena Schmid, die Mutter von Aniko. "Ich muss bloss weniger fettreiche Lebensmittel einkaufen und fürs Kochen weniger Fett benutzen." Aniko isst genau dasselbe wie der Rest der Familie und wird nicht mit Diät-Menüs ausgegrenzt, die ihr nicht schmecken.

Hohe Kosten sind für vieleFamilien ein Problem

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