Anbieter wechseln, Handynummer behalten: Das müssen Sie wissen

saldo 01/2011 vom

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Wer den Mobilfunk­anbieter wechseln will, sollte seine Handynummer in den meisten Fällen behalten können. Doch in der Praxis ist dieser Wunsch oft nur mit Beharrlichkeit durchzusetzen.

Elisa Keller* aus Winterthur will ihren Handyanbieter wechseln – von Coop Mobile zu Sunrise. Beim Bestellen des neuen Abos gibt sie ausdrücklich an, dass sie ihre bisherige Nummer behalten will.

Sie macht dies auch rechtzeitig, wie von Sunrise gewünscht einen Monat vor dem Aufschalttermin. Trotzdem klappt der Wechsel nicht und sie kann tagelang nicht telefonieren.

Die telefonische Nachfrage ergibt, dass ein unterzeichnetes Vollmachtformular fehle. Ein paar Tage später bringt ein Pöstler dieses Formular zusammen mit dem bestellten Handy, lässt das Papier von Keller ausfüllen und nimmt es gleich wieder mit.

Interessant dabei: Beim Wechsel von einem Prepaid-Anbieter wäre das Vollmachtformular gar nicht nötig. Denn es genügt, wenn man sich telefonisch abmeldet.


Ein Tippfehler im Namen als Grund für die tagelange Verzögerung

Aber auch dann geschieht noch nichts. Es folgt eine zweite telefonische Anfrage mit dem Resultat, dass Coop Mobile die Übertragung verweigere.

Keller ruft dort an und man teilt ihr mit, dass sich ein Tippfehler im Namen eingeschlichen habe. Ein paar Tage später meldet Sunrise, die Übertragung sei nun möglich.

Elisa Keller ist kein Einzelfall. Immer wieder führen Nummernportierungen zu Verzögerungen. Das belegen die Einträge in Diskussionsforen im Internet. Die Reklamationen betreffen alle Anbieter. Besonders häufig werden gegenwärtig Aldi Mobile und Sunrise kritisiert.

Von Seiten der Anbieter wie Swisscom tönt es ganz anders. Grundsätzlich würden sechs Arbeitstage für eine Übertragung der Nummer ausreichen, versichern sie. Andere Anbieter verlangen 10, 15 oder online auch 30 Tage im Voraus eine Anmeldung. Wenn es trotzdem nicht klappe, liege der Fehler häufig beim Kunden.

Das wäre kein Wunder, denn die Informationen für die Kunden sind dürftig. So heisst es zum Beispiel auf der Swisscom-Homepage zum Thema «Anbieter wechseln» lediglich: «Wenn Sie vor Ablauf der Vertragsdauer Ihren Anbieter wechseln, können Gebühren entstehen.

Fragen Sie dazu Ihren bisherigen Anbieter.» Über das genaue Vorgehen und die Tücken erfahren die Kunden wenig.


Prepaid-Guthaben geht bei einem Wechsel meist verloren

saldo holt dies nach. Und erklärt Schritt für Schritt, wie man vorgehen muss, wenn man die bisherige Nummer bei einem Anbieterwechsel behalten will:

  • Schliesst man einen neuen Vertrag ab, beantragt man bei der Anmeldung beim neuen Anbieter die Rufnummern-Mitnahme. Das ist meist mittels eines Kreuzes beim Formular mit den Registrierungsangaben möglich.
  • Wer vorher kein Abo hatte, sondern prepaid telefonierte, muss sich dann beim bisherigen Prepaid-Anbieter abmelden. Die Nummern: Swisscom und M-Budget Mobile: *104*# (mit Anruftaste bestätigen), Sunrise: 076 333 12 34, Orange: 0800 700 700, Coop Mobile: 0800 780 782, Yallo: 0900 123 999, Aldi Mobile: 0900 959 959
  • Wer bisher ein Abo gelöst hatte, muss beim neuen Anbieter das «Vollmachtsformular für Mobilnummern-Mitnahme» verlangen und ausfüllen. Das bisherige Abo sollte man nicht selbst kündigen, dies wird vom neuen Anbieter übernommen. Es ist jedoch wichtig, den Termin für die Übertragung erst nach Vertragsende anzusetzen.
  • Meist erhalten die Kunden dann eine SIM-Karte des neuen Anbieters mit einer temporären Nummer. Diese kann man benutzen, bis die Nummer übertragen wird. Oder man kann weiterhin die bisherige SIM-Karte verwenden.
  • Kurz vor der Übernahme wird der Kunde per SMS vom neuen Anbieter informiert, wann die Portierung erfolgt. Dann ist die neue SIM-Karte einzusetzen oder abzuwarten, bis die temporäre Nummer mit der bisherigen Nummer überschrieben wird.


Tipp: Beim Wechsel von einem Prepaid-Anbieter geht das Restguthaben in der Regel verloren. Ausnahmen sind möglich: So überträgt die Swisscom Guthaben von M-Budget-Mobile-Kunden bei einem Wechsel zu einem Easy-Angebot – und umgekehrt.


Anbieterwechsel: Die häufigsten Fallstricke bei der Nummernportierung

  • Schreibfehler im Formular. In diesem Fall kann die Nummer nicht richtig zugeordnet werden.
  • Das Portierungsdatum liegt vor dem Vertragsende. Wird die Portierung trotzdem durchgeführt, entstehen wegen der vorzeitigen Vertragsbeendigung Kosten. Diese können je nach Anbieter und Zeitpunkt mehrere hundert Franken betragen.
  • Fehlende Abmeldung beim bisherigen Anbieter. Nutzte der Kunde bisher ein Prepaid-Angebot, muss er sich abmelden. So wird sichergestellt, dass keine falschen Nummern übertragen werden.
  • Fehlende Vollmachten. Kunden, die bisher einen Abo-Vertrag hatten, müssen zum Nummernwechsel neben dem neuen Vertrag eine Vollmacht unterzeichnen.
  • Offene Rechnungen beim alten Anbieter. Sind aufgrund von älteren Rechnungen noch Gebühren geschuldet, darf der bisherige Anbieter die Übertragung der Nummer verweigern.
  • Die alte Nummer ist gekündigt, bevor eine Anmeldung beim neuen Anbieter erfolgt. In diesem Fall ist die Nummer de­akti­viert, eine Übertragung ist nicht mehr möglich.


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