13 000 Franken für 4 Tage Internet

K-Tipp 20/2013 vom

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Dimitri Meier (14) surfte im Ausland mit dem Handy im Internet. Orange verlangte dafür fast 13 000 Franken – und blieb den Beleg für die Rechnung schuldig.

Dimitri Meier aus Zürich war im Juli eine Woche in Kroatien in den Ferien. Stets dabei hatte er sein iPhone. Zurück in der Schweiz der Schock: ­Denn Orange verlangte Fr. 12 487.60 für die Benützung des Handys. Grund: Dimitri hatte in Kroatien via Handy-Netz im Internet gesurft. 

Der 14-Jährige hat das Jugend-Abo Young Star von Orange. Es kostet 29 Franken pro Monat. Inbegriffen sind Telefonate von der Schweiz auf Orange-Handys und ins Festnetz, unbegrenzt viele SMS und 1000 Megabyte (MB) an Daten. Doch wie bei fast allen Handy-Verträgen ist die Benützung im Ausland überrissen teuer. So kostet der Download von 1 MB Daten in Kroatien 2 Franken. Das ist zwanzigmal so viel wie in der Schweiz. 

Dimitri hatte laut ­Orange innert nur vier ­Tagen über 6000 MB her­untergeladen. Wie diese ­Datenmenge zustande kam, konnte Orange dem K-Tipp nicht sagen. Sprecherin Therese Wenger: «Wir erheben zur Rechnungsstellung nur die Verkehrsdaten, nicht aber die Inhalte.» Auf der Rechnung stehen bloss ein Datum und eine Zeit sowie die Anzahl MB. Wofür die Internetverbindung gebraucht wurde, steht nicht. 

Weil Dimitri noch nicht volljährig ist, hat seine Mutter den Handy-Vertrag unterschrieben. Dimitri ist darin als Benutzer aufgeführt. Mutter Kirsten Meier: «Ich war schockiert, als ich die Rechnung bekam. Orange hat mich zu keiner Zeit vorgewarnt.» Und: «Bevor mein Sohn nach Kroatien ging, habe ich mich extra erkundigt, wie man Roaming sperren kann.» Das ginge nicht, sagte man Meier damals im Orange-Laden. Nur ­einen Monat später führte Orange eine solche ­Roaming-Sperre ein. Diese tritt automatisch in Kraft, wenn die Kosten 500 Franken überschreiten.

Meier beschwerte sich umgehend bei Orange. Nach einigem Hin und Her reduzierte Orange den Preis auf Fr. 5041.80. ­Gemäss Orange entspricht das dem Betrag, den Dimitri mit speziellen Datenpaketen fürs Surfen im Ausland bezahlt hätte. Nur: Diese Datenpakete sind zwar günstiger als Roaming, aber immer noch überteuert. So kosten 200 MB immer noch 100 Franken. Das ist fünfmal so viel wie in der Schweiz.

Auch nach Intervention des K-Tipp hält Orange an der Rechnung fest. Orange müsste aber den Beweis für den angeblichen Datenbezug erbringen, wenn der Telecomkonzern den 14-Jährigen zur Kasse bitten will.

Mit dem Handy im Ausland: Das sind die wichtigsten Punkte

  • Kaufen Sie im Ausland eine SIM-Karte einer lokalen Telecom-firma. Damit ist telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen viel günstiger.
  • Nachrichten auf der Combox sind im Ausland sehr teuer. Darum vor der Reise ausschalten:
    Für Swisscom drücken Sie ##004# und Anruftaste.
    Für Sunrise: #145# und Anruftaste.
    Für Orange: ##004# und Anruf­taste.
  • Schalten Sie das Datenroaming aus und benutzen Sie wenn immer möglich kostenlose drahtlose Internetzugänge (WLAN). So funktionierts:
    Fürs iPhone: Einstellungen -> Mobiles Netz -> Datenroaming
    Für Android-Handys: Einstellungen -> Weitere Einstellungen -> Mobile Netzwerke -> Daten-Roaming
     

Seit Anfang 2009 haben Schweizer wegen überrissener Roaming-Gebühren fast 2 Milliarden Franken zu viel bezahlt. Das zeigt der Zähler auf www.ktipp.ch. Grund: Schweizer Telecomfirmen müssen sich nicht an die Roaming-Höchstpreise der EU halten. Dort hat die Politik den Gebühren-exzessen einen Riegel geschoben. Nicht so in der Schweiz. Im März verhinderte der Ständerat eine schnelle Lösung des Problems. Auch eine K-Tipp-Petition mit ­Unterschriften von über 51 000 ­Lesern blieb ohne Wirkung.

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