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Artikel | saldo 17/2011

Umstrittene Krebstherapie: Radioaktive Stifte sollen Tumor bekämpfen

Immmer mehr Spitäler bieten gegen Prostatakrebs die sogenannte Brachytherapie an. Doch deren Nutzen ist nicht belegt.

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Kommentare (2)

 
  • Seeds | 28.10.2011, 15:52

    Stellungnahme der Radio-Onkologie Lindenhofspital

    • Der Nutzen der seit etwa 25 Jahren eingesetzten
    Brachytherapie ist in zahlreichen Studien belegt. • Weltweit
    wurden in dieser Zeit mehr als 1 Million Patienten mit dieser Methode
    behandelt. • Das Bundesamt für Gesundheit hat letztes Jahr
    die Brachytherapie des Prostatakarzinoms nach mehrjähriger
    multi-zentrischer Evaluation (geleitet durch Prof. Schmid, Urologie,
    Kantonsspital St. Gallen) von total mehr als 900 Patienten definitiv
    als Pflichtleistung aufgenommen. Die Kriterien der Wirksamkeit,
    Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit werden also als
    erfüllt betrachtet. • Am Lindenhofspital (als grösstem
    Prostata-Brachytherapie-Zentrum der Schweiz) wurden seit 2004 398
    Patienten mit dieser Methode behandelt. Die Resultate bezüglich
    Heilungsraten und Nebenwirkungen sind ausgezeichnet. • Es gibt zu
    keiner der Therapiemöglichkeiten des Prostatakarzinoms
    randomisierte Studien. Welcher Patient lässt sich bei dieser
    Krankheit schon einer Therapieform zulosen? • Die verschiedenen
    Behandlungsmethoden beim früh entdeckten Prostatakrebs sind
    bezüglich Heilungsraten gleich gut. Es gibt keine Belege, dass
    eine der Therapien besser ist als eine andere. • Weil die
    Heilungschancen gleich gut sind, werden für den Patienten andere
    Kriterien wichtig, darunter vor allem Häufigkeit und Schwere der
    Nebenwirkungen. Diese fallen aber (auch dazu gibt es Studien) bei der
    Brachytherapie geringer aus als bei der Operation (Impotenz,
    Inkontinenz). • Abwarten und Nichtbehandeln ist im
    Frühstadium der Krankheit zulässig, aber man darf den
    richtigen Zeitpunkt zur Therapie nicht verpassen. Die Folgen
    wären fatal. Patienten mit fortgeschrittenem, oft metastasiertem
    Prostatakrebs leiden stark in ihrer restlichen Lebenszeit. Leider ist
    es so, dass die Sterblichkeit beim Prostatakarzinom in der Schweiz
    weltweit fast am höchsten ist. Eine der Ursachen ist die
    ungenügende Behandlung dieser Krankheit in der Schweiz. Dieser
    Artikel ist nicht geeignet, die Situation in dieser Hinsicht zu
    verbessern. Im Gegenteil: Die Aussage Ihres Krebsarztes,
    sinngemäss: „Solange ich keine Beschwerden habe, muss ich
    mir auch keine Sorgen machen“ ist eine Katastrophe und ein
    Rückfall in Zeiten, wo jeder zweite Patient bei Diagnosestellung
    bereits metastasiert war. Die oben aufgeführten Informationen
    sowie eine Auswahl von mehr als 20 unterstützenden Studien haben
    wir dem Autor des Artikels zur Verfügung gestellt. Dieses
    Material wird im Artikel leider nicht berücksichtigt. Die
    Qualität des Artikels leidet leider auch unter der einseitigen
    Recherche: der Autor lässt nur einen einzigen Arzt zu Wort
    kommen. Renommierte Experten für Prostatakrebs teilen dessen
    Meinungen nicht.

  • Wuffel | 27.10.2011, 16:33

    Brachytherapie der Prostata

    Laut Klinik Siloah ist die Brachytherapie "innovativ,
    erfolgversprechend und schonend". 1. Innovativ - ist die Therapie
    vielleicht für die Klinik Siloah: in der Schweiz wird sie seit
    über 10 Jahren angeboten, in anderen Ländern ein paar
    Jahrzehnte länger. In den USA ist sie die häufigste Therapie
    beim früh diagnostizierten Prostatakarzinom. Der Begriff
    "innovativ" kann hier also in den Bereich Werbesprüche eines
    Dienstleistungsanbieters einsortiert werden. 2. Erfolgversprechend -
    gemäss den im Artikel genannten Zahlen ist die Brachytherapie bei
    einer allgemein sehr gut heilbaren Erkrankung bzgl. Überlebens
    genauso gut wie alle anderen Alternativen. Da darf man das Wort
    "erfolgversprechend" doch durchaus gebrauchen. 3. Schonend -
    gemäss den im Artikel genannten Zahlen führt die
    Brachytherapie zu weniger Nebenwirkungen (Impotenz, Inkontinenz) als
    die Operation. Was sonst verstehen Sie unter "schonend"? Es fällt
    auf, dass die geringeren Nebenwirkungen im Text des Artikels leider
    unterschlagen werden ("Auch das Bestrahlen führt oft zu
    Impotenz"). Im Artikel wird bemängelt, dass es keine
    randomisierten Studien gebe, die den Vorteil der Brachytherapie
    belegen. Mir sind auch keine solchen Studien zu den anderen
    Therapiemodalitäten bekannt. Im Artikel fehlt leider auch der
    Hinweis auf die randomisierten Studien, die den Vorteil des von Herrn
    Marti empfohlenen Nichtstuns belegen. Herr Marti dürfte mit
    seiner Ablehnung von Vorsorgeuntersuchungen unter onkologisch
    tätigen Ärzten wohl eher zur Minderheit gehören. Dass
    der Saldo diese Meinung als die eines "Experten" hinstellt,
    dürfte leider nicht dazu beitragen, dass sich die derzeitige
    Situation (die Schweiz hat weltweit mit die höchste Sterblichkeit
    an Prostatakrebs) verbessert. Zusammenfassung: der Artikel ist
    ungenügend recherchiert und ungenügend geschrieben. Diese
    Ausgabe des Saldo ist als Postwurfsendung in meinem Briefkasten
    gelandet - wohl um mich als Abonnenten einzuwerben. Dieses Ziel wurde
    sicherlich meilenweit verfehlt.

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