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Kreditkartenrechnungen sollte man nie zu spät oder nur teilweise bezahlen. Die verlangten Kredit- und Verzugszinsen sind horrend – und teilweise illegal.
Sarah L. aus Winterthur ist häufig knapp bei Kasse. Deshalb macht sie immer wieder von der Teilzahlungsoption ihrer Swiss Miles & More Mastercard Gebrauch. Im April etwa waren auf ihrer Karte Fr. 2600.55 ausstehend.
Deshalb belastete ihr die Kartenherausgeberin Swisscard auf der Monatsrechnung Zinsen in der Höhe von Fr. 33.05. Läge sie das ganze Jahr so hoch im Minus, würde sie das Kreditzinsen von Fr. 396.60 kosten. Sarah L. könnte viel Geld sparen, wenn sie zu einem anderen Kartenanbieter wechseln würde. Das zeigt ein saldo-Vergleich.
Postfinance: Bei den Zinsen am kundenfreundlichsten
Die Kreditkartenbanken verlangen Verzugs- und Kreditzinsen, wenn ein Kunde die Monatsrechnung zu spät bezahlt oder nur einen Teil der Schuld begleicht. Laut Gesetz betragen die Verzugszinsen 5 Prozent, die Kartenbanken verlangen Jahreszinssätze für Kredit- und Verzugszinsen zwischen 9,5 Prozent (Postfinance) und der Wucherzinsgrenze von 15 Prozent (Cornèr Bank, Jelmoli, Swiss, UBS).
Die Berechnungsarten der Zinsen sind sehr unterschiedlich, oft intransparent und kaum nachvollziehbar. Klar ist: Die Banken langen nicht nur beim hohen Zinssatz zu.
Sie berechnen die Zinsen teilweise auch zeitlich extrem schikanös: nämlich selbst für Teilbeträge, die rechtzeitig einbezahlt wurden, und das sogar vom Tag des Einkaufs an gerechnet. Die Zahlungsfristen schwanken deutlich, nämlich zwischen 15 (UBS) und 25 Tagen (Cornèr Bank).
Die Kulanztage, also die Tage, während derer Kartenherausgeber trotz verstrichener Fälligkeit ein Auge zudrücken und noch keine Zinsen erheben, reichen von 0 (Swisscard) bis 15 Tage (UBS). Die Herausgeber Viseca und GE Money Bank wollen sich zur Frage der Kulanztage nicht äussern.
Zwei Beispiele zeigen die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kreditkartenbanken.
Dieselbe Methode benutzt die GE Money Bank bei der Mas tercard der Migros. Wegen des tieferen Zinssatzes von 9,9 Prozent fällt hier der Zins mit Fr. 32.45 aber tiefer aus. Mit einem Verzugszins von Fr. 43.55 ist die Karte der UBS am zweitteuersten.
Die Grossbank berechnet die Zinsen für die bereits bezahlten 2000 Franken sogar auf das Transaktionsdatum zurück, also den Tag, als der Einkauf getätigt wurde. Auch Swisscard kennt bei ihren Kreditkarten das System, dass auf bereits bezahlte Beträge Zins erhoben wird, falls bei der letzten Zahlung nicht alle Schulden getilgt wurden. Immerhin fordert Swisscard nur Zinsen ab dem letzten Rechnungsdatum.
Jelmoli, Postfinance und Viseca verlangen nur Zins für die 1000 Franken, die nicht rechtzeitig einbezahlt wurden – was eigentlich selbstverständlich wäre. Mit Fr. 7.90 Verzugszins am wenigsten zahlt ein Kartenbesitzer bei der Postfinance.
Die UBS macht ihre Zinskonditionen absichtlich unattraktiv
Georg Müller, Sprecher GE Money Bank, behauptet, die saldo-Beispiele würden «in der Praxis höchst selten vorkommen». Das Gros der Kunden zahle die Rechnungen vollständig und fristgerecht, weshalb es gar nicht mit Zinsen belastet werde. Den Vorwurf des Wucherzinses weist er klar zurück.
Dies sei eine marktübliche, gesetzeskonforme Berechnungsmethode. Die UBS sagt, die Zinskonditionen bei ihren Kreditkarten seien bewusst unattraktiv gehalten. «Wir betrachten unsere Karten als Zahlungsmittel und nicht als Mittel, um an günstige Kredite zu gelangen.»
Für Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung sind das «faule Argumente»: «Wenn man die Verschuldung verhindern will, sollte man die Teilzahlungsmöglichkeit gar nicht anbieten.» Der Jurist betont: Rückwirkende Zinsen per Transaktions-, Verbuchungs- oder Rechnungsdatum seien nicht gesetzeskonform. Korrekt wäre die Zinserhebung ab dem Fälligkeitsdatum.
24. Mai 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
