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saldo hat die beliebtesten kostenlosen Mail-Anbieter unter die Lupe genommen. Dabei schnitten Postmail und GMX mit ungenügenden Noten ab.
Viren sind ein Ärgernis. Gerade Nutzer mit wenig technischen Vorkenntnissen sind darauf angewiesen, dass ihr Mail-Anbieter sie vor Viren schützt. Doch manche Firmen tun genau das Gegenteil. So hat das Virenschutzprogramm von GMX im saldo-Test einen Trojaner ins Postfach gelassen und die Nachricht wie folgt gekennzeichnet: «In dieser E-Mail wurden keine Viren gefunden.» Klar, dass Nutzer dieser Meldung vertrauen. Und sich damit unter Umständen einen Virus auf den Computer laden. Doch damit nicht genug: Der Nutzer kann bei GMX den Trojaner auch problemlos weiterversenden.
Dass der GMX-Virenscanner den zu Testzwecken versandten Trojaner TR/Spy.ZBot.OK nicht erkannt hat, ist umso erstaunlicher, da dieser bereits einige Monate alt ist. Testleiter André Stubenvoll vom Zentrum für Informatiksicherheit (Zefis): «Der GMX-Virenschutz hat völlig versagt.» Die anderen sechs Anbieter im Test haben den Virus nicht ins Postfach gelassen. Fazit: GMX ist für Privatnutzer nicht zu empfehlen.
GMX teilt auf Anfrage mit, in eigenen Tests sei der Virus stets erkannt worden, sowohl beim Versand als auch beim Empfang. Dass ausgerechnet im saldo-Test der Virus nicht erkannt wurde, sei ärgerlich, so Sprecher Holger Neumann. Aber ausschliessen könne man solche Falschmeldungen leider nie: «Eine gesunde Skepsis bei Mails mit unbekannten Absendern oder mit dubiosen Inhalten oder Dateien bleibt nötig.»
Sicherheitsmängel hat Zefis auch beim Angebot von Postmail ausgemacht. «Hier wurde der Trojaner zwar nicht ins Postfach gelassen, er konnte jedoch problemlos weiterversandt werden», so Stubenvoll. Post-Sprecher Mariano Masserini dazu: «Standard ist heute, dass nur eingehende Mails auf Viren und Trojaner geprüft werden. Die Post nimmt den Versand von Viren via Webmailer aber ernst und hat kurzfristig als ergänzende Massnahme die Aktivierung des Virenscanners für ausgehende Mails eingebaut.»
Häufig zu wenig Vorgaben für die Wahl eines Passwortes
Die anderen getesteten Anbieter wiesen keine grossen Sicherheitsmängel auf. Der Spamschutz funktionierte überall gut. Doch im Kleinen sieht Zefis dennoch Verbesserungsbedarf. So ermöglichen es manche Anbieter dem Nutzer nicht, eigene Filterregeln oder weisse und schwarze Listen (White- und Blacklists) zu definieren. Dies wäre hilfreich, um einzelne Absender gezielt zu blockieren oder sicherzustellen, dass Mails bestimmter Absender nie als Spam deklariert werden.
Sinnvoll wären auch Vorgaben bezüglich des Passworts. So müsste ausgeschlossen werden, dass der eigene Name oder die Mail-Adresse als Passwort möglich sind. Zusätzliche Vorgaben des Anbieters machen ein Passwort sicherer. Zefis empfiehlt mindestens achtstellige gemischte Wort-Zahlen-Kombinationen mit Sonderzeichen. Doch Vorgaben beim Passwort machen nur Bluewin, Windows Live Hotmail und Yahoo.
Postfachgrösse: Wenig Speicherplatz bei Bluewin und Web
Grosse Unterschiede zeigen sich bei der Benutzerfreundlichkeit. Testsieger Google überzeugt mit einem einfachen Angebot, das alle Möglichkeiten wie Umleiten oder Zugang zum eigenen Mail-Programm erlaubt. Auch die Postfachgrösse von 7456 MB dürfte weit reichen. Dank Speicherplatzanzeige sieht der Nutzer zudem stets, wie viel Speicher noch zur Verfügung steht.
Noch grössere Postfächer bieten Windows Live Hotmail und Yahoo. Dort steht unbegrenzter Speicherplatz zur Verfügung. Ganz anders bei Web.de: Nur gerade 12 MB umfasst die Postfachgrösse, und die einzelnen Dateien dürfen 4 MB nicht überschreiten. Web-Sprecher Michael d’Aguiar sieht darin keine Einschränkung: «Wir konnten feststellen, dass mehr als 90 Prozent unserer Kunden ihr Postfach mit lediglich 2,5 MB Speicher belegen.» Auch Bluewin bietet mit 100 MB vergleichsweise wenig Speicherplatz.
Kunden müssen viel Werbung ertragen, auch von den Anbietern selbst
Ein Kriterium für Benutzerfreundlichkeit ist weiter, ob man die Mails auch über ein Mail-Programm wie Outlook abrufen kann (POP3/IMAP). Dies ist heute bei fast allen Anbietern möglich. Einzig Yahoo bietet diese Funktionen in der kostenlosen Version nicht an, der Anbieter verlangt dafür 2 Euro im Monat. Windows Live Hotmail oder Web ermöglichen zwar POP3- und IMAP-Zugang, verschleiern dies aber zum Teil sogar, um die Kunden zum Umstieg auf die kostenpflichtige Version zu bewegen. Web-Sprecher d’Aguiar sagt dazu: «Der IMAP-Zugang ist kein zugesichertes Feature, wird aber zurzeit für alle Freemail-Kunden geduldet.»
Bezüglich Werbung gehen die Anbieter unterschiedliche Wege. Die meisten muten dem Nutzer einige Werbung auf dem Online-Portal zu. Google analysiert sogar eingehende Mails und blendet entsprechende Werbung ein. Geht es im Mail zum Beispiel um Ferien, erscheinen Anzeigen für Ferienwohnungen. Windows Live Hotmail, Yahoo, Web und GMX gehen noch einen Schritt weiter: Sie hängen auch den Mails Werbung an und versenden selber Werbemails.
24. Mai 2010 | Mirjam Fonti, Redaktion saldo
