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Artikel | Haus & Garten 02/2010

Es muss nicht immer ein neuer Anstrich sein

Wandmuster als Alternative zu Tapeten oder weiss gestrichenen Wänden: Dafür eignen sich Tattoos, Schablonen oder Stempel – je nach Zeitbudget und eigenem Können.

Sind Sie es leid, zu Hause die immergleichen, einfarbigen Wände anzuschauen? Dann brauchen Sie nicht gleich alle Zimmer neu zu streichen oder zu tapezieren. Einfacher – und auch preisgünstiger – ist es, die bestehende Wand oder Tapete mit Mustern aufzupeppen. Dafür gibt es gleich drei Möglichkeiten – je nachdem wie viel Zeit man zur Verfügung hat und wie viel man selber machen möchte.

Die Voraussetzungen sind stets die gleichen: Geeignet sind qualitativ gute Tapeten (Vorsicht bei Tattoos auf Papiertapeten!) und Wände mit feinem Abrieb bis maximal einen Millimeter Körnung. Der Grund: Bei stärkerem Abrieb könnten sich beim Schablonieren oder Stempeln Körnchen aus der Wand lösen, was das Motiv beeinträchtigen würde. Bei den Tattoos kann Luft unter das Motiv gelangen, sodass es sich nach drei bis vier Monaten ablöst.


Wandtattoos: «Der Trend schlechthin»

Glaubt man den Verkäufern in den Fachgeschäften, dann sind sie «der Trend schlechthin» und in den meisten Möbelhäusern, Baumärkten und im Internet erhältlich. Bei den Wandtattoos handelt es sich nicht etwa um Tätowierungen im üblichen Sinn, sondern um Kleber für die Wand oder Tapete.

Meist ist das Motiv auf eine Selbstklebefolie aufgedruckt. Daher sind die Tattoos auch unter dem Namen «Wandsticker» bekannt. Man kennt sie seit etwa fünf Jahren, seither haben sie ihren Siegeszug in unzählige Wohnungen angetreten.

Das Angebot an Motiven ist riesig: So gibt es Wiesen-Bordüren, Kochrezepte, Sinnessprüche, Musiknoten, Blumen, Märchensujets oder Ornamente (sie kommen den echten Tätowierungen am nächsten). Toll sind auch Sticker, auf die man wie auf eine Tafel schreiben kann. So kann man seinen Liebsten eine Nachricht hinterlassen oder jeweils ein aktuelles Motto daraufschreiben.

  • Vorteile: Man kann die Wandtattoos fertig kaufen. Daher sind sie auch für Leute ohne handwerkliches Geschick oder mit wenig Zeit geeignet. Auch ist es ganz einfach, die Tattoos wieder abzulösen, wenn einem das Motiv nicht mehr gefällt. Der Untergrund nimmt dabei keinen Schaden. Das ist insbesondere in Mietwohnungen oder im Kinderzimmer eine gute Sache. Denn: Wenn der Sohn oder die Tochter grösser sind, wollen sie meist keine Feen und Kobolde mehr im Zimmer haben.
  • Nachteile: Je nach Qualität der Selbstklebefolie kann das Tattoo etwas billig wirken. Es gibt allerdings auch Edelmodelle, bei denen das Motiv aus Jute, Satin oder Velours gefertigt ist (zum Beispiel bei Interio). Zudem beschränkt sich die Lebensdauer der Tattoos auf ungefähr drei Jahre – abhängig von Zimmertemperatur und Qualität.



Schablonen: Die edle Variante des Tattoos

Sie sind sozusagen der Vorgänger der Wandtattoos. Bereits im Mittelalter wurden Wände mit Schablonen verziert. Damals wurden die Schablonen allerdings noch aufwendig von Hand hergestellt, was man sich heute sparen kann. Es gibt in Bau- und Hobbymärkten oder auch im Internet fertige Schablonen in verschiedensten Varianten zu kaufen (siehe unten).

Die Vielfalt an Motiven ist ähnlich gross wie bei den Tattoos: Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt – von historischen Bordüren über Menschen in Lebensgrösse bis zu Manga-Comic-Figuren. Interessante Effekte erzielt man, indem man Metallic-, Perlmutt-, Glitter- oder fluoreszierende Farben verwendet. Das fertige Motiv kann man zusätzlich mit einem hochglänzenden Acryllack übermalen.

  • Vorteile: Im Gegensatz zu den Tattoos sind die schablonierten Motive dauerhaft und wirken edler.
  • Nachteile: Falls das Muster einem nicht mehr gefällt, muss es mit der Untergrund-Farbe überstrichen werden. Das Gleiche gilt bei Patzern: Warten, bis die Farbe trocken ist. Dann korrekt schablonierte Flächen mit Maler- oder rückstandsfreiem Kreppband abdecken und Fehler mit der Untergrund-Farbe übermalen.



Stempel: Individuelle Gestaltung

Eine weitere, in der Schweiz allerdings noch wenig verbreitete Variante zur Verschönerung von Wänden ist das Stempeln. Es gibt fertige Stempel mit Motiven wie Sternen oder Blättern im Baumarkt zu kaufen.

Man kann sie aber auch selber machen: Dazu Motiv auf Papier vorzeichnen und dann auf Moosgummi aus dem Bastelladen übertragen. Das Motiv ausschneiden und auf einen Griff (zum Beispiel aus Spanplatte) kleben. Soll ein Mosaik gestempelt werden, reicht ein einfacher Haushaltsschwamm: Dieser wird mit einem scharfen Messer in quadratische Stücke geschnitten.

Wer alle Quadrate in der gleichen Farbe stempeln will, kann mehrere Schwammstückchen auf eine Spanplatte oder auf stabilen Karton kleben. Dadurch geht das Stempeln schneller. Als Farbe eignet sich Schablonierfarbe oder als günstigere Lösung auch Voll- und Abtönfarbe. Sie sollte bei einem Stempel aus Moosgummi mit einem Roller aufgetragen werden.

Schwammstückchen werden direkt in die Farbe getaucht und vor dem Stempeln auf einem Stück Zeitung leicht ausgedrückt. Der Grund: Durch zu viel Farbe auf dem Stempel verschmieren die Umrisse. Auch bei gestempelten Motiven lässt sich die Wirkung durch spezielle Farben wie Metallic, Perlmutt etc. steigern.

  • Vorteile: Dauerhaftes und bei selbst gemachten Stempeln auch individuelles Muster.
  • Nachteile: Es kann mehr schiefgehen als bei Tattoos oder Schablonen. Fehler müssen mit Farbe überstrichen werden – genauso wie Ornamente, deren man vielleicht einmal überdrüssig wird.



Richtig schablonieren: so geht’s

Nur wer über das richtige Material verfügt, erzielt beim Schablonieren ein gutes Ergebnis:

  • Farbe: Am besten Schablonierfarbe verwenden. Sie ist dickflüssig und tropffrei. So kann man verhindern, dass die Farbe unter die Schablone läuft. Einige Hersteller bieten Schablonierfarbe mit einem praktischen Schwammaufsatz an.
  • Pinsel: Im Handel sind Tupf- oder Schablonierpinsel erhältlich. Sparvariante: Man kauft einen Borstenpinsel und klebt Kreppband um die Haare, sodass diese maximal zwei Zentimeter rausgucken. So wird verhindert, dass die Pinselhaare seitlich ausbrechen können.
  • Schablone: Es gibt Schablonen aus Papier, Kunststoff oder Kunststofffolie (selbstklebend). Empfehlenswert sind selbstklebende Modelle: Sie sind einfach zu handhaben, und es kann keine Farbe zwischen Schablone und Wand laufen.

    Man kann auch selber Schablonen herstellen: Bastelgeschäfte bieten Schablonenpapier ab Rolle an (eher teuer). Wenig ratsam ist es, Schablonen aus Papier oder Karton zu basteln und dann zu imprägnieren (zum Beispiel mit Leinölfirnis): Aufwand und Kosten sind gross, das Ergebnis jedoch häufig unbefriedigend.



Anleitung in 5 Schritten:

  1. Ausmessen: Messen Sie zuerst mit Metermass (eventuell auch Wasserwaage) aus, wo das Motiv entstehen soll. Das ist insbesondere bei sich wiederholenden Mustern wie einer Bordüre wichtig. Bei Altbauten von oben und von unten her messen, da die Wände manchmal nicht gleich hoch sind. Mit Bleistift werden dann Ober- und Unterkannte der Schablone auf der Wand markiert.
  2. Schablone anbringen: Man  drückt selbstklebende Schablonen an die Wand, alle anderen befestigt man am besten mit Maler- oder rückstandsfreiem Kreppband, das den Untergrund nicht beschädigt.
  3. Tupfen: Pinsel kräftig in die Farbe eintauchen und auf der Schablone von aussen nach innen tupfen. Nicht streichen!
  4. Abnehmen: Schablone abziehen, wenn die Farbe noch feucht ist. Grosse Schablonen nimmt man am besten zu zweit ab. Die Schablone sofort mit warmem Wasser abspülen.
  5. Wiederholen: Bei einer Bordüre warten, bis das Muster trocken ist (je nach Farbe eine halbe bis eine Stunde). Schablone erneut anlegen und weitertupfen.


Tipp: Schablonier-Neulinge sollten die Technik erst einmal auf einem Stück Karton ausprobieren. So kann man auch testen, ob Farbe und Motiv wirklich gefallen.

24. Mai 2010 | Sabine Knosala, Haus+Garten


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