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Artikel | Haus & Garten 02/2010

Ökologisch waschen dauert eine Ewigkeit

Hersteller von Geschirrspülern und Waschmaschinen treiben Schindluder mit der Energie-Etikette. Ihre sparsamen Programme dauern derart lange, dass sie niemand verwendet.

Hersteller von Waschmaschinen nutzen eine Lücke in der Norm für die Energie-Etikette schamlos aus. Denn die Norm definiert nur, wie Strom- und Wasserverbrauch sowie Wasch- und Schleuderwirkung gemessen werden. Und zwar für eine Ladung Baumwollwäsche bei 60 Grad. Wie lange der Waschvorgang höchstens dauern darf, darüber steht in der Norm jedoch kein Wort.

Die abstruse Folge: Waschmaschinen-Hersteller entwickeln Programme, die zwar wenig Strom und wenig Wasser brauchen. Aber viel Zeit. Geschlagene vier Stunden benötigen mehrere Maschinen der Marke Bauknecht, um das «Standardprogramm Baumwolle 60 Grad» zu bewältigen.

Und Bauknecht ist nicht alleine: Sibir und V-Zug haben Programme entwickelt, die 3 Stunden und 20 Minuten brauchen. Die Geräte von Electrolux (2:30 Stunden), Miele (2:19) und Schulthess (2:16) sind deutlich schneller. Aber auch sie sind in jeder Gemeinschafts-Waschküche eine Zumutung.


Nur wer nachts wäscht, wählt solche Programme

Bauknecht verteidigt seine Produkte: Das vierstündige Programm brauche nochmals 30 Prozent weniger Strom, als für die Energieklasse A zulässig wäre. Doch was nützt das? Wer nicht die Möglichkeit hat, nachts zu waschen, wird nie ein solches Programm wählen. Sondern eines, das weniger lange dauert, aber mehr Strom und mehr Wasser verbraucht.

Hinzu kommt, dass Benützer kaum glauben, dass ein Programm, das volle 4 Stunden dauert, sparsam sein kann. Ist es aber. Denn solche Maschinen arbeiten nicht während der ganzen Zeit. Den Wasser- und den Stromverbrauch reduzieren sie, indem sie die Wäsche lange Zeit einweichen lassen.

Offenbar sind auch die Hersteller nicht wirklich überzeugt von ihren langwierigen Standardprogrammen. Electrolux liefert gewisse Waschmaschinen so aus, dass das sparsame Standardprogramm gar nicht wählbar ist. Die Energie-Etikette ist bei solchen Geräten ein Witz.


Auch das Bundesamt für Energie kritisiert die Etikette

Auch beim Bundesamt für Energie ist man über die Energie-Etikette (Bild im pdf-Artikel) nicht mehr besonders glücklich. Denn inzwischen erfüllen 96 Prozent der Maschinen die Kriterien für die Klassierung A. Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie, vermutet denn auch, dass vierstündige Programme «wohl kaum» genutzt werden.

Sie findet: «Bei einer Neudefinition des Normwaschgangs müsste wohl eine Maximalzeit von beispielsweise 90 Minuten gesetzt werden.» Dass das Standardprogramm gar nicht auf allen Maschinen wählbar ist, erfuhr das Bundesamt für Energie erst von Haus&Garten. Aber offenbar sollen die Hersteller nun zur Rede gestellt werden.

Fragwürdig ist übrigens nicht nur die Energie-Etikette für Waschmaschinen, sondern auch diejenige für Geschirrspüler. Denn auch deren Hersteller haben endlos lange Programme entwickelt. Spitzenreiter der sechs Marken, die Haus & Garten genauer angeschaut hat: wieder Bauknecht. Zwei Maschinen brauchen fürs Standardprogramm, das für die Energie-Etikette relevant ist, 3 Stunden und 20 Minuten. Die meisten anderen Maschinen unwesentlich weniger lange.


Falls das so ist, «wäre die Bezeichnung missbräuchlich»

Sogar die Hersteller zweifeln daran, dass das Standardprogramm benutzt wird. Schulthess beispielsweise schreibt in seinen Prospekten ganz offen, die Verbrauchsdaten basierten «auf einer extrem hartnäckigen Anschmutzung gemäss der Norm EN 50242. Wir empfehlen deshalb, vor allem auch das Standardprogramm/Ökoprogramm zu benutzen.» Nur: Das Programm dauert zwar weniger lange, verbraucht aber mehr Strom.

Auf Anfrage rechtfertigt Schulthess diese wenig umweltfreundliche Empfehlung: Wenn jemand das Geschirr rasch brauche, dann dauere das Standardprogramm zu lange. Wenig erfreut über solche Empfehlungen ist Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie: Falls das sogenannte Ökoprogramm wirklich mehr Energie brauche, «wäre die Bezeichnung missbräuchlich», sagt sie.    


Auch A-Tumbler sind Stromfresser

Das Angebot an Tumblern mit der Energie-Etikette A ist beachtlich. Doch wer meint, ein solcher Tumbler arbeite ebenso sparsam wie eine Waschmaschine mit Energie-Etikette A, der täuscht sich. Denn:
Eine A-Waschmaschine darf höchstens 0,19 Kilowattstunden Strom verbrauchen, um ein Kilo Wäsche zu waschen.
Ein A-Tumbler hingegen darf fürs Trocknen der gleichen Wäschemenge bis zu 0,55 Kilowattstunden Strom verbrauchen. Also das Dreifache.

24. Mai 2010 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp


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