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Artikel | K-Geld 03/2010

Eine teure «Alternative» zum Bankkonto

Der Versicherer Axa Winterthur lockt sicherheitsbewusste Anleger: Das Kapitalschutz-Produkt Protect Invest sei eine «hervorragende Alternative» zum Bankkonto. K-Geld rät dennoch zum Konto.

Die Axa Winterthur hat im März ihre Angebotspalette um Protect Invest erweitert. Dieses Anlageprodukt verbindet gemäss Axa «Renditechancen» mit «100 Prozent Kapitalschutz». Es sei daher für alle Kunden attraktiv.

In erster Linie ködert der Versicherer damit wohl Privatanleger, die – aufgeschreckt durch die Finanzkrise – sicher investieren möchten. Dank «hoher Flexibilität» sei Protect Invest eine «hervorragende Alternative oder Ergänzung zu einem Bankkonto».

Das Produkt kommt zwar von einem Lebensversicherer, bietet aber keinen Risikoschutz bei Tod oder Invalidität. Der Kapitalschutz wird durch gebundenes Vermögen der Versicherung sichergestellt. Über die Sicherheit der Gelder wacht die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma.


Mindesteinlage beträgt Fr. 10‘000.–

Sollen Anleger nun in dieses Produkt mit Aktiensparanteil und Kapitalschutz investieren oder ihr Erspartes doch besser auf ein Bankkonto legen? K-Geld zeigt die Kosten auf und vergleicht das von der Axa angeführte «Gewinnbeteiligungs-Szenario» von Protect Invest mit dem Online-Bankkonto der zur selben Unternehmensgruppe gehörenden Axa Bank.

Bei Protect Invest muss man mindestens 10‘000 Franken anlegen. Je nach Marktsituation werden 10 bis 20 Prozent des investierten Kapitals während einer Laufzeit von acht Jahren in Aktien angelegt, der Rest geht in festverzinsliche Papiere wie Staats- und Unternehmensanleihen.


Ein Drittel des Gewinns für Gebühren

Der Kunde erhält sein investiertes Geld nach Ende der Laufzeit garantiert zurück. Aber aufgepasst: Der Kapitalschutz gilt erst nach drei Jahren. Wer den Vertrag vorher kündigt, etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Invalidität, hat Einbussen. Bei einer Investition von 50‘000 Franken erhält man nach einem Jahr nur 49‘330 Franken zurück. Laut Axa Winterthur werden von dieser Summe allenfalls wie bei einer Obligation noch «Zinsrisikokosten» abgezwackt.

Aber auch nach drei Jahren Laufzeit dürfte es sich nicht immer lohnen, sein Kapital zurückzuziehen – in einem Börsentief wäre ein Bezug trotz Kapitalschutz wenig vorteilhaft. Im Vergleich zum Bankkonto, das über einen Einlegerschutz bis 100‘000 Franken pro Bank und Kunde verfügt, ist das Axa-Angebot somit kein Überflieger.

Ein Bankkonto bietet ausserdem meist flexiblere und verlustfreie Rückzugsmöglichkeiten. Die Axa bewirbt ihr Anlageprodukt mit drei Gewinnszenarien – reine Hochrechnungen, die keine Garantie für künftige Gewinnausschüttungen sind.

K-Geld hat das eher zurückhaltende Szenario mit 1,5 Prozent jährlicher Gewinnzuweisung unter die Lupe genommen (siehe Tabelle im pdf-Artikel): Bei einer Investition von 50‘000 Franken erhält der Anleger nach den acht Jahren Laufzeit 54‘136 Franken ausbezahlt, so die Angaben der Axa.  K-Geld hat berechnet, dass dabei 2189 Franken Gebühren anfallen. Ein Drittel der 1,5 Prozent Gewinn pro Jahr geht dem Anleger also verloren. Folge: Die Nettorendite pro Jahr beträgt magere 1 Prozent.

Zahlt der Anleger hingegen 50‘000 Franken auf ein Sparkonto Plus der Axa Bank mit aktuell 1,4 Prozent Zins ein und lässt sie während acht Jahren liegen, hat er bei fix bleibendem Zinssatz und weiterhin kostenloser Kontoführung keinerlei Unkosten. Ausbezahlt erhält er zudem 1747 Franken mehr als im erwähnten Gewinnszenario von Protect Invest.


Im schlimmsten Fall gibts null Prozent Rendite

Die Rendite auf dem Online-Bankkonto ist somit 0,4 Prozent höher. Das Kapital ist dank Einlegerschutz ebenfalls sicher. Beim Bankkonto gibt es zudem auch in schlechten Börsenzeiten einen Zinsertrag. Und der Kunde erhält als Zückerchen noch eine Maestro-Karte – und zwar gratis.

Axa-Protect-Anleger haben im Vergleich dazu weder Zins- noch Gewinnbeteiligungsgarantien. Die Höhe der allfälligen Gewinnbeteiligung legt die Geschäftsleitung der Axa Winterthur fest. Immerhin: Im Idealfall entwickelt sich die Börse gut – und der Anleger kann profitieren. Bei einer erneuten Finanzkrise kann der Gewinnanteil bei Axa Protect aber auch auf Null Prozent fallen – dann würden nach den acht Jahren Laufzeit lediglich die investierten 50‘000 Franken zurückbezahlt.

Giulio Vitarelli vom VZ Vermögenszentrum sagt über Protect Invest: «Aufgrund der mangelnden Transparenz bei den Kosten, der unklaren Renditeaussicht und der eingeschränkten Flexibilität ist das Produkt keine Alternative zum Bankkonto.» Im Widerspruch zu eigenen Verlautbarungen gibt die Axa gegenüber K-Geld denn auch zu: «Protect Invest ist kein Ersatz für ein Bankkonto.»

23. Mai 2010 | Bernhard Bircher, Redaktor K-Geld


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