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Eine Stichprobe zeigt: Detailhändler und Metzgereien haben weiterhin Probleme mit der Hygiene. 11 der 40 Proben Aufschnitt und Schinken waren verkeimt.
Nach einer Kontrolle letztes Jahr schrieb der Berner Kantonschemiker: «Die Grossmetzgereien haben die Herstellung und Lagerung der Produkte nicht im Griff.» Denn 20 von 69 Schinken waren verkeimt, sieben davon gar verdorben. Sein Fazit: «Die auf verpackten Produkten aufgedruckten Verbrauchsfristen sind oft viel zu optimistisch.»
Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch der K-Tipp im Jahr 2003 und «Saldo» 2007 gekommen: 14 von 30 beziehungsweise 7 von 20 Schinken waren verkeimt. Grund genug für den K-Tipp, die Qualität von Schinken und Aufschnitt erneut zu überprüfen. Dazu wurden in fünf Städten 40 Proben eingekauft und im Labor auf Verderbnis- und Schmutzbakterien untersucht (siehe Tabelle im pdf-Artikel, «Das wurde untersucht»). 25 Proben stammten aus dem Offenverkauf, 15 waren abgepackt.
Fazit: Die Metzger und Detailhändler haben nach wie vor Mühe mit der Hygiene der Fleischwaren. 11 der 40 Proben wiesen zu viele Keime auf (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Immerhin enthielt keine Probe krankmachende Staphylokokken.
Globus: In der Hektik falsches Vorgehen
Bedenklich: Von den 15 verpackten Schinken wiesen gleich 5 zu viele Bakterien auf. Zwei Proben (Schär Winzerschinken von Spar und Bell Saisonaufschnitt Frühling von Coop) waren mit 61 Millionen bzw. 33 Millionen Keimen nahe am Verderben. Die Resultate bestätigen die Aussage des Berner Kantonschemikers. Die angegebenen Verbrauchsdaten sind zu optimistisch.
Die Reaktionen der Geschäfte auf die Ergebnisse der Stichprobe sind unterschiedlich. Bei Globus heisst es, in der Hektik seien Salami, Aufschnitt und Schinken auf derselben Maschine geschnitten worden. Ungefährliche Bakterien gelangten so von der Salami, wo sie erwünscht sind, auf andere Produkte. Das Personal werde erneut geschult.
Coop vermutet eine Panne bei der Kühlung in der St. Galler Filiale Neugasse. Beide bemängelten Produkte stammten von dort. Deshalb will Coop die «Verkaufsstelle näher prüfen». Ähnliches ist von Manor zu hören: Die Kühlvitrine der Filiale Solothurn werde ersetzt. Auch die Metzgerei Gemperli ortet das Problem bei der Kühlung und will die Kontrolle verbessern. Zum abgepackten Modellschinken der Berner Kauffmann-Filiale heisst es, man diskutiere Massnahmen mit dem Lieferanten, der Firma Schär.
Spar: Ein «Defekt der Verpackung»
Die St. Galler Metzgerei Rietmann gehört zur Kauffmann AG. Bei Rietmann hat der K-Tipp verkeimten Aufschnitt im Offenverkauf erworben. Die Kauffmann AG bedauert den Mangel. Lidl geht bei Maestade Toast & Sandwich-Schinken von einem «Ausreisser» aus und bezeichnet die Stichprobe als «Zufallsresultat». Der Discounter belegt die Qualität des Schinkens mit eigenen Hygienetests, bei denen das Fleisch einwandfrei war.
Spar hat mit dem Lieferanten des Winzerschinkens – wieder die Firma Schär – «zusätzliche Kontrollen eingeleitet». Die Ursache für 61 Millionen Keime vermutet man in einem «Defekt der Verpackung».
Einwandfreie Proben
16. Mai 2010 | Beat Camenzind, Redaktion Online
