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Die Berner Psychiatrie reagiert auf den Artikel im letzten Gesundheitstipp: Sie will die Vorfälle in der Klinik Neuhaus untersuchen lassen. Gleichzeitig melden sich weitere Betroffene.
Sie wurden tagelang im Isolierzimmer eingesperrt, bekamen Psychose-Medikamente unter Zwang und gegen den Willen ihrer Eltern: Darüber berichteten Jan Jeremias und Beni Kämpfer im letzten Gesundheitstipp. Zugetragen haben sich diese Vorfälle vor rund zehn Jahren in der kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik Neuhaus in Ittigen BE. Beni und Jan waren elf Jahre alt.
Experte: Kämpfer und Jeremias bestimmen mit
Jetzt reagiert die vorgesetzte Stelle der Klinik, die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern UPD: Eine Woche nach dem Erscheinen des Artikels kündigte sie eine Untersuchung durch einen «unabhängigen Experten» an. Der Experte soll gemeinsam mit Beni Kämpfer und Jan Jeremias bestimmt werden. Das freut die beiden: «Die Klinik hat Transparenz versprochen. Wir werden sie beim Wort nehmen», sagt Beni Kämpfer.
Der Bericht im Gesundheitstipp hat Öffentlichkeit und Medien aufgerüttelt. Auch unter den Leserinnen und Lesern des Gesundheitstipp löste der Artikel Betroffenheit aus: Es meldeten sich ehemalige Patienten und Eltern, deren Kinder in der Klinik waren. Auch sie wurden gezwungen, Medikamente zu schlucken, und litten teils unter happigen Nebenwirkungen (siehe unten).
«Zu sechst zerrten sie mich ins Isolierzimmer»
Noch weit mehr Betroffene meldeten sich direkt bei Beni Kämpfer: «Über die Internet-Plattform Facebook haben mich rund 25 Ehemalige der Klinik Neuhaus gefunden», sagt der Informatiker. «Abgesehen von zwei Ausnahmen schildern alle gleiche oder noch schlimmere Erfahrungen in der Klinik wie wir.»
Kämpfer und Jeremias haben nun auf Facebook eine Gruppe gegründet. Sie trägt den Titel «Kinderklinik Neuhaus UPD – der Skandal». Dort tauschen sich Ehemalige über ihre Zeit in der Klinik aus. Zum Beispiel Nath Ryser: «Weil ich mich geweigert habe, mit auf die Fahrradtour zu gehen, hat mich der Betreuer gepackt. Als ich mich wehrte, zog er mich die Treppe herunter.»
Wie Beni Kämpfer und Jan Jeremias wurde auch er eingesperrt: «Wenn ich ausflippte, zerrten mich bis zu sechs Leute ins Isolierzimmer. Ich musste dann eine Stunde dort drin bleiben, obwohl ich Asthma hatte.»
Bis Redaktionsschluss hatte die Gruppe bereits über 70 Mitglieder. Unter ihnen Claudia Zweifel-Bolzli. Sie schreibt nur: «Ich habe diese Zeit im Neuhaus aus meinem Gedächtnis gestrichen.»
09. Mai 2010 | Christian Egg, Redaktor
