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Wer an Arthrose leidet, sollte nicht ruhen. Im Gegenteil: Mit richtig dosiertem Training können Arthrose-Patienten die Belastbarkeit der Gelenke erhalten – und manchmal sogar verbessern.
Rosmarie Kaiser leidet unter Arthrose im rechten Knie. Die Schmerzen wurden immer stärker, schliesslich ging die 72-jährige Liestalerin zum Arzt. Dieser riet Rosmarie Kaiser nicht etwa, das kranke Gelenk zu schonen – im Gegenteil: «Der Arzt empfahl mir, regelmässig zu laufen», erinnert sie sich, «das stärke meine Muskeln.»
Deshalb ist Rosmarie Kaiser weiterhin jeden Tag eine bis zwei Stunden mit ihrem Hund zu Fuss unterwegs. Allerdings nicht auf dem gewohnten Spazierweg: «Mein Knie tat vor allem beim Bergabgehen weh. Darum achte ich jetzt darauf, dass ich auf einer möglichst flachen Strecke marschiere.»
Auch der Zürcher Rheumatologe und Sportarzt Christoph Reich empfiehlt seinen Arthrose-Patienten Sport zu treiben. Mit einem regelmässigen Training können Betroffene die Belastbarkeit ihrer Gelenke erhalten oder sogar verbessern. «Sie können sich länger schmerzfrei bewegen», sagt Reich. Durch Sport wird der Knorpel besser mit Nährstoffen versorgt. Und gut trainierte Muskeln verbessern den Bewegungsablauf. Das Resultat: weniger Schmerzen im Gelenk.
Falsch sei es hingegen, auf jede Art von sportlicher Tätigkeit zu verzichten, um Schmerzen zu vermeiden, sagt Rheumatologe Reich: «Das wäre kontraproduktiv. Wer sich zu wenig bewegt, kann die Muskeln nicht aufbauen.» So gerate man in einen Teufelskreis, der zu stärkeren Schmerzen und zu immer geringerer Belastbarkeit führe.
Auch Urs N. Gamper, Cheftherapeut der Klinik Valens SG, sagt: «Für Arthrose-Patienten sind alle Sportarten günstig, die das Gelenk nicht mit starken Schlägen belasten – zum Beispiel Velofahren, Schwimmen, Inline-Skating oder Langlauf.» Auch Wandern sei geeignet, sofern man dabei Stöcke verwende.
Joggen und Tennis seien weniger zu empfehlen, so Gamper, weil die Gelenke da-bei starken Stössen ausgesetzt sind. Von Ballsportarten wie Fussball und Basketball rät Gamper ab: «Diese Sportarten sind mit Rennen und Sprüngen verbunden, was den geschädigten Knorpel zusätzlich belastet.» Auch Kampfsport sei für die Gelenke nicht gut.
Sportliche Aktivitäten richtig dosieren
Christoph Reich sagt: «Beim Zusammenstellen des Trainings kommt es vor allem auf das richtige Mass an.» Ein Marathonlauf sei für Arthrose-Patienten ungeeignet, weil die Gelenke dabei zu stark belastet würden. Ein aus Walking und kurzen Jogging-Strecken zusammengesetztes Training sei aber durchaus sinnvoll. Man müsse das Training langsam aufbauen: «Wenn jemand nie länger als eine Stunde lang wanderte, kann er nicht plötzlich einen ganzen Tag am Stück marschieren», erklärt Christoph Reich. «Das wäre zu viel.»
Rheumatologe Christoph Reich erklärt, auf was Arthrose-Patienten beim Training achten müssen:
Medikamente lindern Entzündungen
Christoph Reich sagt: «Wenn die Schmerzen nach einem oder zwei Tagen wieder vergehen, ist das kein Problem.» Das von Arthrose befallene Gelenk könne eine gelegentliche, leichte Überlastung verkraften, ohne dass bleibende Schäden zu befürchten seien.
«Wenn aber die Schmerzen mehrere Tage oder Wochen anhalten, ist es sinnvoll Medikamente zu nehmen, die die Entzündung hemmen», sagt der Zürcher Arzt. Dies ermögliche es Patienten, das entzündete Gelenk rascher zu beruhigen und in Bewegung zu bleiben. Christoph Reich rät jedoch, die Medikamente erst vor dem Schlafengehen einzunehmen: «Sonst spürt man im Alltag und beim Trainieren die Belastungsgrenze nicht mehr.»
Rosmarie Kaiser erhielt von ihrem Arzt eine Kortison-Spritze. Doch sie bekam davon Hitzewallungen. Der Tipp einer anderen Arthrose-Patientin habe ihr geholfen: «Ich massierte das Knie mit Olivenöl und nahm Hagebuttenpulver ein», berichtet Kaiser. «Nach ein paar Monaten waren die Schmerzen weg», freut sie sich.
Tipps: So bekommen Sie Arthrose-Schmerzen in den Griff
09. Mai 2010 | Andreas Gossweiler, Redaktion Gesundheitstipp
