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Artikel | K-Tipp 09/2010

Anlegen nach Plan: Kostenfalle für Sparer

Regelmässig einen Sparbetrag in Anlagefonds stecken – das kann sinnvoll sein. Ungünstig sind aber Sparpläne mit hohen Kosten.

Angenommen, Sie legen 6000 Franken auf ein spesenfreies Bankkonto und zahlen dann jeden Monat weitere 200 Franken ein. Bei einem Jahreszins von konstant 1 Prozent haben Sie nach 15 Jahren rund 45‘000 Franken auf dem Konto.

Sie können die 6000 Franken auch als Ersteinlage in einen Fonds-Sparplan investieren und dann monatlich je 200 Franken dazulegen. Falls ein Fonds konstant mit 4 Prozent pro Jahr rentiert, liegt Ihr Kontostand nach 15 Jahren zwischen rund 48‘000 und 58‘000 Franken.
Warum der grosse Unterschied von 10‘000 Franken bei gleicher Fondsrendite? Das liegt an den Kosten des Sparplans. Hier sind die einzelnen Spesenposten:


Einrichtungsgebühr

Freischaffende Vermittler haben Sparpläne im Angebot, bei denen eine ho-he Ersteinzahlung verlangt wird. Davon verbleibt dann ein grosser Teil beim Betreiber des Plans – als sogenannte Einrichtungsgebühr. Davon bezahlt er auch seine Vermittler.

Eine solche Gebühr verlangt zum Beispiel das Berater Zentrum in Thalwil ZH. Bei einer angenommenen Ersteinlage von 6000 Franken gehen hier 2260 Franken gleich zu Beginn weg, werden also nie investiert. Das schlägt sich negativ auf das Schlussresultat nieder. Diese 2260 Franken gelten, wenn anschliessend 15 Jahre lang monatlich 200 Franken eingezahlt werden.

Die Einrichtungsgebühr sei das Honorar für die Beratung, sagt Marco Garzetti vom Beraterzentrum. Tipp: Schliessen Sie keinen Sparplan ab mit hoher Ersteinlage, von der eine Einrichtungsgebühr abgezwackt wird. Bei den Angeboten der Banken gibt es in der Regel keine solche Gebühr, und Sie sind hier punkto Höhe der Ersteinzahlung völlig frei.


Ausgabeaufschlag

Bei Fondskäufen sind Ausgabeaufschläge üblich. Bei den Fondssparplänen der Banken liegt dieser oft um 1 bis maximal 2 Prozent. Das heisst: Von jeder einzelnen Rateneinzahlung des Sparers geht zum Beispiel 1 Prozent an die Bank.

Das ist jedoch insgesamt viel weniger als bei den Plänen von freien Vermittlern. Die oben erwähnten 2260 Franken des Beraterzentrums entsprechen 5 Prozent der sogenannten Plansumme, also dem Total der abgemachten 180 Monatsraten (plus Fr. 6000.– Ersteinzahlung inkl. Mehrwertsteuer).

Kommt noch dazu: Wer bei einem solchen Plansummensystem nicht über die volle Laufzeit durchhält, sondern seine Zahlungen früher einstellt, erhält die Einrichtungsgebühr nicht zurück, hat dann also noch mehr als 5 Prozent gezahlt.

Tipp: Fragen Sie beim Abschluss eines Sparplans nach den Kosten – auch für den Fall, dass Sie vorzeitig mit dem Sparen aufhören und alles Geld für eine Notanschaffung brauchen. Vergleichen Sie diese Kos-ten mit denjenigen anderer Banken. Der Ausgabeaufschlag sollte nicht höher als 2 Prozent sein.


Depotgebühr

Das Lagern von Wertschriften kostet. Die Kantonalbanken etwa verlangen bei Fonds-Sparplänen pro Jahr 0,3 Prozent des Fondsvolumens (maximal 350 Franken). Postfinance zum Beispiel erhebt gar keine Depotgebühr. Um ein Vielfaches höher ist die Depotgebühr des Beraterzentrums: 1,6 Prozent im Jahr.


Gewinnbeteiligung

Das Beraterzentrum hat bei seinem Sparplan noch eine Spezialität eingebaut, die völlig aus dem Rahmen fällt: eine Gewinnbeteiligung. Wenn der Wert des Fonds dank gutem Börsenumfeld steigt, kassiert das Beraterzentrum 10 Prozent des Zuwachses für sich selber – ein weiterer Kos-tenfaktor, der die Gewinnchancen des Sparers emp- findlich schmälern kann.

Marco Garzetti vom Beraterzentrum räumt ein, dass sein Sparplan teuer ist. Er ist aber überzeugt, dass er dies mit einem ehrgeizigen, überdurchschnittlichen Wertzuwachs seines Fonds wettmachen kann: «Wir streben eine Netto-Durchschnittsrendite von 8 bis 10 Prozent pro Jahr an oder vielleicht auch etwas mehr. Und das werden wir auch erreichen.»

Sein Fonds mit dem Namen «Swiss Strategie – dynamisch» sei quasi eine Vermögensverwaltung für Kleinsparer, die in dieser Form sonst nirgends erhältlich sei. Fazit: Bei Fonds-Sparplänen, die von freien Vermittlern vertrieben werden, ist besondere Vorsicht geboten.


«Planwirtschaft» für jedermann: Sparen ohne unnötige Versicherung

Ein paar Details, die Sie zum Thema Fondssparplan wissen müssen:

  • Fondsanlagen sind Börseninvestitionen, es kann also auch Verluste geben.
  • Ein Vorteil von Fonds-Sparplänen ist der langfristige Durchschnittskosteneffekt. Das heisst: Weil der Investor auch dann Fondsanteile erwirbt, wenn diese im Wert sinken, erhält er in solchen Phasen mehr Anteile für sein Geld.
  • Ein Fondssparplan ist ein reines Sparinstrument; er enthält keinerlei – oft unnötige – Versicherungselemente wie beispielsweise die Fondspolice und ist damit der bessere und vor allem günstigere Weg, ein Sparziel zu erreichen.
  • Achten Sie darauf, dass die erste Einlage zu Beginn des Sparprozesses nicht allzu hoch sein muss (üblich sind 50 bis 200 Franken), dass die vorgeschriebene Höhe der regelmässigen Zahlungen moderat bleibt (normalerweise 100 Franken), dass Sie Ihren Einzahlungsrhythmus möglichst frei festlegen können, dass Sie auch jederzeit ausserordentliche Einzahlungen tätigen können, wenn Sie mal viel Geld übrig haben, und dass Sie bezüglich Laufzeit des Sparprozesses frei sind.

    Und: Sind überraschende Zahlungsunterbrüche wegen eines finanziellen Engpasses oder Teilrückzüge bei plötzlichem Geldbedarf möglich?
  • Prüfen Sie, ob Sie im Plan unterschiedliche Fonds zur Auswahl haben. So können Sie entscheiden, ob Sie eher obligationenlastig anlegen möchten (höhere Sicherheit, weniger Rendite, kleinere Schwankungen) oder ob Sie einen Fonds mit einem hohen Aktienanteil bevorzugen (längerer Anlagehorizont, eventuell höhere Rendite, grössere Schwankungen).
  • Fragen Sie, ob ein Transfer Ihres Sparbatzens von einem Fonds in einen anderen möglich ist – und ob das mit geringen oder gar keinen Kosten verbunden ist. Dieses so- genannte Switchen kommt in Frage, wenn Sie mit der Wertsteigerung der aus-gewählten Fonds nicht zufrieden sind und das Geld in einen anderen zur Auswahl stehenden Fonds umschichten möchten.

    Oder wenn Sie beispielsweise mit Aktienfonds bis zum Pensionierungsalter eine schöne Wertsteigerung erzielt haben und jetzt diese Gewinne mit einem Transfer in weniger risikobehaftete Obligationenfonds ins Trockene bringen wollen.

01. Mai 2010 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp


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