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Artikel | K-Tipp 09/2010

Facebook als Big Brother

«Deine Privatsphäre ist uns sehr wichtig», verspricht Facebook den Nutzern. Ein Blick aufs Kleingedruckte beweist das Gegenteil.

Berufsmittelschüler Matthias Streit aus Nussbaumen AG ist einer der fast 2 Millionen Facebook-Nutzer in der Schweiz. Auf der Internet-Plattform tauscht er sich mit ausgewählten Kolleginnen und Kollegen aus, veröffentlicht Bilder oder schreibt Persönliches. Den Facebook-Inhalt will Streit nur mit Freunden teilen. Er hat sein Konto entsprechend eingerichtet (siehe unten). Ausserdem ist Streits Facebook-Profil wie auch die Profile aller anderen Nutzer mit einem Passwort geschützt. Das vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Doch das täuscht, wie die Bestimmungen zeigen: Facebook nimmt sich das Recht heraus, die persönlichen Daten seiner Nutzer nach eigenem Gutdünken zu verwenden. Oder die Konto-Einstellungen so zu ändern, dass Privates für alle Nutzer sichtbar wird.

Weitere haarsträubende Beispiele: Facebook garantiert nicht einmal eine minimale Sicherheit für seine Benutzerinnen und Benutzer. Das heisst, dass deren Daten jederzeit im Internet auftauchen können. Und: Daten kann man auf Facebook zwar löschen, endgültig verschwunden sind sie aber auch dann nicht. Der Netzwerkanbieter kann sie jederzeit hervorholen, verwenden oder weitergeben. 

«Selbst die Datenschutzerklärung ist nicht verbindlich. Facebook-Nutzer werden verhöhnt. Sie verlieren jegliche Kontrolle über ihre privaten Daten», kritisiert Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich. Sein Fazit: Die Facebook-Regelungen hebeln die Schweizer Datenschutzbestimmungen aus.

Das bereitet Matthias Streit Sorgen: Auf Facebook recherchieren nämlich auch Arbeitgeber. Wenn sie seine Fotos aus dem Ausgang sehen könnten, wäre dies für eine Bewerbung «nicht gerade förderlich».


So schützen Sie Ihre Privatsphäre im Internet

Die Standard-Einstellungen von Facebook sind unsicher. Wer sichergehen will, dass weder Chef noch Nachbar auf die wilden Partybilder Zugriff haben, muss die sogenannten Privatsphäre-Einstellungen anpassen. So gehen Sie vor:

  1. Erst überlegen, dann veröffentlichen: Prinzipiell sollten Sie sich vor dem Veröffentlichen eines Fotos oder Texts immer fragen: «Würde ich das einem wildfremden Menschen zeigen?» Denn ist ein Foto oder Text einmal bei Facebook gespeichert, lässt es sich nur sehr schwer wieder löschen.
  2. Zugriff beschränken: Google sowie andere Webseiten und Anwendungen können in den Standard-Einstellungen auf Ihre Facebook-Daten zugreifen. Um dies zu verhindern, navigieren Sie auf «Konto» > «Privatsphäre-Einstellungen». Dort können Sie unter «Suche» und «Anwendungen und Webseiten» > «Was deine Freunde über dich mit anderen teilen können» Google & Co. fernhalten.
  3. Freunde in Gruppen zusammenfassen: Erstellen Sie sogenannte Freundeslisten, um Ihre Kontakte in einzelnen Gruppen zusammenzufassen. Sinnvolle Gruppen sind zum Beispiel: Familie, geschäftliche Kontakte und Freunde. Nun können Sie selbst bestimmen, welche Gruppe was über Sie wissen darf.

    Partybilder sollen zum Beispiel nur für die Gruppe «Freunde», nicht aber für geschäftliche Kontakte sichtbar sein. Klicken Sie dazu auf das kleine Schlosssymbol neben dem «Teile»-Button. Danach wählen Sie «Benutzerdefiniert» und «Bestimmte Personen». Nun können Sie einstellen, welche Gruppe was sehen darf.
  4. Regelmässig überprüfen: Immer wieder verärgert Facebook seine Nutzer mit plötzlichen Änderungen der Nutzungsbestimmungen. Häufig werden auch Einstellungsmöglichkeiten zur Privatsphäre ohne Wissen des Nutzers verändert. Prüfen Sie also regelmässig, ob Sie Ihre persönlichen Einstellungen allenfalls anpassen müssen.
  5. Konto löschen: Klicken Sie unten rechts auf «Hilfebereich» > «Privatsphäre» > «Konten deaktivieren, löschen und in den Gedenkzustand versetzen». Dort wählen Sie «Konto dauerhaft löschen» und schicken die entsprechende Anfrage ab. Weitere Infos und Anleitungen, wie Sie Ihre Privatsphäre schützen, gibts auf der Seite des Eidg. Datenschutzbeauftragten, www.edoeb.admin.ch.

01. Mai 2010 | Darko Cetojevic, Christian Birmele


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