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Artikel | saldo 08/2010

Buch-Tipps

Im Sport gehts auch um Geld und Macht. Während die einen abkassieren, zahlen andere drauf – meist sind es die Steuerzahler. Das zeigt der NZZ-Journalist Daniel Germann in seinem Buch.


Sport als knallhartes Geschäft: Die Gewinner und Verlierer

Sion hat sich 1999 als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2006 beworben. Zum Glück blieb die Bewerbung erfolglos. Denn der Bau des olympischen Dorfes und der Bau neuer Eishockeyhallen hätten allein 314 Millionen Franken gekostet. Viel Geld, das die Spiele kaum eingespielt hätten.

Das ist normal. Autor Daniel Germann zeigt in seinem Buch, dass sportliche Grossanlässe den Steuerzahlern meist ebensogrosse Schulden hinterlassen. Die Bürger der Provinz Quebec mussten das Defizit der Sommerspiele in Montreal von 1976  volle 30 Jahre lang abstottern – insgesamt 1,2 Milliarden kanadische Dollar. Kommt hinzu: Überdimensionierte Stadien und Hallen bleiben später oft unbenützt.

So rottet der Olympiapark in Athen laut Germann vor sich hin, und in die Sportstätten von Lillehammer verirrt sich heute kaum ein Sportler mehr. 1994 traf sich hier die Jugend der Welt. Die Fernsehstationen kümmert das alles nicht. Denn Sport sorgt für gute Quoten. Die SRG hat allein für die Übertragungsrechte an den diesjährigen Olympischen Winterspielen 25 Millionen Franken budgetiert.

Die öffentlich-rechtliche Anstalt lässt sich die Sport-Rechte in diesem Jahr insgesamt 42 Millionen Franken kosten – Gebührengelder, die fast jeder Schweizer bezahlt, ob er nun Sport schaut oder nicht. Dabei melken Verbände wie Fifa und die Sportvermarkter die Gebührenzahler ständig kräftiger. Die TV-Rechte an Sport-Events kosten die TV-Sender heute mehr als doppelt so viel wie 1998. Germanns Buch ist aktuell und liest sich bisweilen wie ein Krimi. Spannend wird es etwa, wenn er über das Gezocke der Spielervermittler um hochdotierte Verträge schreibt.

Daniel Germann, «Milliardenbusiness Sport», Orell Füssli, ca. Fr. 32.–


Der Mensch als Marke

Wer beruflichen Erfolg sucht, muss sich selbst wie eine Marke aufbauen, sagt PR-Expertin Petra Wüst. Voraussetzung dafür sei ein markantes Profil. Wüst erklärt anhand von Tipps und Übungen, wie man sein persönliches «Markenprofil» ermittelt und kommuniziert. Wer sich auf diesen Ansatz einlässt, hat gute Chancen, nach der Lektüre des Buches seine «persönliche Marke» zu kennen und im Job einzusetzen. Das Interessante: Wüst ist Ökonomin, Psychologin und nicht zuletzt Chefin eines Basler Beratungsunternehmens. In ihrem Buch macht sie sich zum Anschauungsobjekt. Sie besinnt sich ihrer Stärken, ihrer eigenen Marke als «Self-Branding»-Expertin und schöpft aus ihren Erfahrungen als Führungstrainerin.    


Petra Wüst, «Profil macht Karriere», Orell Füssli, ca. Fr. 40.–


Agrokonzerne am Pranger

Saatgut ist längst kein Allgemeingut mehr. Agrokonzerne wie Monsanto zwingen Bauern weltweit, ihre patentierten, genveränderten Produkte zu verwenden, während das natürliche Saatgut allmählich verschwindet. Im Buch «Bedrohte Saat» gehen Ernährungs- und Agrarexperten, Juristen und Soziologen den Folgen nach. Sie zeigen auf, dass Gen-Saatgut nicht gegen den weltweiten Hunger hilft. Nutzniesser sind ausschliesslich die Konzerne. Die Hersteller züchten neue Pflanzen meist, um mehr Ertrag zu erzielen, aber keine höhere Qualität. Auch blenden sie oft die Gefahren der Technik aus. Die Autoren schreiben sachlich über ein Thema, das nach Ablauf des Gentech-Moratoriums 2013 auch in der Schweiz wieder relevant wird.    

Manfred Christ (Hrsg.), «Bedrohte Saat», Pforte, ca. Fr. 22.–


Kollegenschelte auf der Chefetage

Als Top-Manager sass Peter H. Grassmann in der Führungsetage von Siemens. Bis er erkannte: Unser Wirtschaftssystem ist aus den Fugen geraten, ausgebrannt und leidet an Burnout. Grassmann quittierte den Job und liest nun seinen Ex-Kollegen die Leviten: Diese kümmerten sich nur um kurzfristige Gewinne und vernachlässigten alle anderen Werte, etwa die soziale und umweltfreundliche Produktion.

Die Konsumenten liessen sich zu oft von ihnen täuschen. Die Lösung sieht Grassmann in einer Selbstverpflichtung der Manager, mit der sie sich zu einer sozialverträglichen und umweltfreundlichen Produktion bekennen. Grassmann berichtet in seinem Buch leider nur zögerlich aus dem Innenleben der Managerkaste. Man hätte sich mehr solcher Einblicke von ihm gewünscht.

Peter H. Grassmann, «Burnout», Oekom, ca. Fr. 35.–

25. April 2010 | Andreas Schildknecht, gr, mmn, ja


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