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Artikel | saldo 07/2010

Berufsleben

Sandra Isler, 43, leitet Rauchstopp-Kurse bei der Lungenliga Zug/Luzern

Am 1. Mai tritt das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft. Konkret heisst das, dass in öffentlich zugänglichen Räumen nicht mehr geraucht werden darf. Das gilt auch für Räume, die von mehreren Personen als Arbeitsplatz genutzt werden. In den letzten Wochen haben wir deshalb vermehrt Anfragen von Unternehmen erhalten. Die Arbeitgeber müssen das Gesetz umsetzen und wollen wissen, wie das am ehesten möglich ist.

Nebst Infoveranstaltungen bieten wir auch Rauchstopp-Kurse an. Einige Arbeitgeber übernehmen die Kosten für diese Kurse, und für manche Arbeitnehmende gilt der Kursbesuch zumindest zum Teil sogar als Arbeitszeit. Das Rauchstopp-Training ist klar strukturiert und basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

In einem achtwöchigen Gruppenprogramm werden die Aufhörwilligen auf den Rauchstopp vorbereitet, es gibt einen definierten Rauchstopp-Tag. Die Kursabsolventen werden zudem telefonisch betreut. Und schliesslich geht es darum, den Erfolg zu stabilisieren. Die Programme sind sehr effektiv, weil man einerseits Leidensgenossen hat, andererseits aber auch den Gruppendruck spürt. Dies gilt erst recht für Gruppen, in welchen man sich kennt, also etwa als Arbeitskollegen.

Natürlich gibt es noch andere Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören, wie Nikotinpflaster oder -kaugummis, Akupunktur, Hypnose oder einfach von einem Tag auf den anderen. Aber wie immer man es auch angeht, wichtig ist, dass man eine Verhaltensänderung anstrebt und sich neue «Muster» aneignet. Wer also beispielsweise immer morgens zum Kaffee seine erste Zigarette raucht, der trinkt vielleicht besser Tee, sodass die Verbindung Zigarette–Kaffee durchbrochen wird.
 
Nikotin ist zwar eine legale Droge, macht aber stärker abhängig als das illegale Heroin. Als ehemalige Raucherin habe ich deshalb durchaus Verständnis dafür, dass es schwerfällt, die Raucherei aufzugeben – auch wenn mit steigendem Lebensalter erfahrungsgemäss der Wunsch danach immer grösser wird. Es ist darum richtig, dass nebst den Präventionsmassnahmen wie eben das neue Bundesgesetz oder höhere Zigarettenpreise die Gesundheitsförderung nicht zu kurz kommt. Für mich heisst das, dass man die Leute motiviert, selber aktiv zu werden und etwas an ihrem Verhalten zu ändern.

Die Stigmatisierung von Rauchern, wie man sie teilweise beobachten kann, finde ich kontraproduktiv. Es geht doch darum, einen vernünftigen Weg zu finden, wie man Kinder und andere Nichtraucher schützen kann. Aber auch Raucher sollen einen Ort haben, wo sie rauchen dürfen. Kürzlich habe ich auf einer Bergwanderung draussen an der Luft ein Rauchverbotsschild gesehen. Das schiesst meiner Meinung nach übers Ziel hinaus.

Wer den Rauch-Stopp erfolgreich geschafft hat, ist vor Rückfällen nicht sicher. Das habe ich in meiner früheren Tätigkeit als Psychiatrieschwester und im Umgang mit Drogenabhängigen erlebt. Zur Sucht gehört der Rückfall meist dazu und ist eine Chance, um zu analysieren, wo die Schwächen liegen und was man diesen entgegensetzen kann. Auch in diesen Fällen leisten wir von der Lungenliga fachliche Unterstützung.

Ich arbeite 50 Prozent, teilweise von zu Hause aus. Das ist für mich sehr praktisch, weil ich einen 6-jährigen Sohn habe. Apropos, ich werde oft gefragt, wie man verhindern kann, dass Kinder eines Tages anfangen zu rauchen. Aufklärung, Unterstützung und Ermutigung zum Nichtrauchen ist nebst dem guten Vorbild sehr wichtig – aber eine hundertprozentige Garantie, dass das Kind niemals rauchen wird, ist das nicht.

11. April 2010 | Marianne Siegenthaler


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