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Nadja Marty, 31, Verkäuferin im Migrolino in Wallisellen ZH
Wenn ich Frühschicht habe, beginnt mein Tag bereits um Viertel nach drei Uhr morgens. Das ist zwar ziemlich früh, aber ich habe Bäckerin/Konditorin gelernt und bin das Frühaufstehen gewohnt. Ich wohne in Einsiedeln im Kanton Schwyz und habe also einen recht langen Arbeitsweg. Immerhin läuft es um diese Zeit flüssig auf den Strassen, weil ja noch kaum andere Autos unterwegs sind. Ich treffe um fünf Uhr in Wallisellen ein und habe dann eine Stunde Zeit, um alles vorzubereiten. Die aktuellen Zeitungen und Zeitschriften müssen einsortiert werden, die Frischware kommt in die Gestelle und süsses Gebäck, Gipfeli und Brötchen müssen ausgebacken werden.
Um sechs Uhr öffnen wir. Die ersten Kunden sind Arbeiter, die schnell einen Kaffee und ein Gipfeli nehmen oder Zigaretten kaufen. Manche kommen auch von der Nachtschicht oder vom Ausgang. Und essen dann eine Kleinigkeit oder kaufen noch rasch ein, bevor sie nach Hause gehen. Wir haben ein breites Sortiment an Migros-Produkten, da bekommt man praktisch alles für den täglichen Bedarf.
Später kommen dann die Angestellten der umliegenden Büros. Unser Shop liegt ganz in der Nähe des Bahnhofs, und so nehmen viele hier auf ihrem Arbeitsweg gleich ihren Zmittag mit. Wir bieten deshalb eine grosse Auswahl an Sandwiches und Salaten an. Um neun kommen die Bauarbeiter für den Znüni. In den ersten Stunden läuft immer was, erst ab zehn Uhr wird es ruhiger. Dann haben wir ein wenig Zeit, die Gestelle aufzufüllen, weitere Backwaren vorzubereiten oder schnell den Boden aufzunehmen – der Schneematsch hinterlässt seine Spuren.
Ich arbeite seit acht Jahren als Verkäuferin. Hier im Migrolino bin ich seit der Eröffnung im Dezember 2009. Der Kontakt zu Menschen ist mir wichtig, deshalb bin ich lieber im Verkauf als in der Backstube tätig. Ich treffe auf die unterschiedlichsten Leute, die ich jeweils mit einem Lächeln begrüsse, denn wenn man freundlich ist, kommt meist auch Freundlichkeit zurück. Wir sind ein Team von insgesamt sechs Leuten. Im Verkaufsraum sind wir meist zu zweit.
Von einem Kunden wurde ich einmal gefragt, ob ich keine Angst hätte, überfallen zu werden, wie das ja in letzter Zeit in Tankstellen-Shops öfter vorgekommen ist. Ich mache mir aber darüber keine Gedanken. Ausserdem haben wir zu unserem Schutz diverse Sicherheitsvorrichtungen.
Die Frühschicht ist zwischen ein und zwei Uhr mittags zu Ende. Dann beginnt die Spätschicht, die bis um etwa Viertel nach neun Uhr abends dauert. Die Schichten wechseln im Wochenrhythmus. Das ist jeweils schon eine ziemliche Umstellung, aber ich habe damit keine Mühe. Die Frühschicht mache ich grundsätzlich lieber, es ist eine andere Kundschaft als am Abend. Abends kommen viele junge Leute, die Zigaretten und Alkohol kaufen wollen. Wir geben beides aber erst ab 18 Jahren und nur gegen Ausweis ab. Manche verstehen das leider nicht und werden dann auch mal ausfällig. Doch da bleiben wir hart.
Ein weiteres Problem sind Ladendiebstähle. Wir müssen immer die Augen offen halten. Da hilft uns die Kameraüberwachung im Geschäft. Ich mache meine Arbeit sehr gerne, weil sie abwechslungsreich ist. Solange ich keine Familie habe, sind die Schichten kein Problem. Ich nehme es, wie es kommt. Wenn ich frei habe, gehe ich am liebsten in die Natur. Oder ich entspanne mich beim Zeichnen.
27. März 2010 | Marianne Siegenthaler
