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Artikel | K-Geld 02/2010

Das Geschäft mit der «Einkommenslücke»

Versicherer werben mit neuartigen Auszahlungsplänen fürs Rentenalter: Diese kombinieren garantierte Auszahlungen mit der Entwicklung an den Finanzmärkten.

Sie sind lukrativ – vor allem für die Anbieter. Anton Brander (49, Name geändert) aus Bretzwil BL macht sich Sorgen: «Ein Aussendienstmitarbeiter der Axa Winterthur hat mir dargelegt, dass ich nach meiner Pensionierung in 16 Jahren eine Einkommenslücke habe.» Sein Rat: Brander solle 70‘000 Franken auf ein «TwinStar Income Plus»-Konto der Axa mit 25 Jahren Laufzeit einzahlen. Brander bat K-Geld, den Auszahlungsplan zu prüfen. Ergebnis: Der fondsgebundene Auszahlungsplan «TwinStar Income Plus» (siehe Tabelle im pdf-Artikel) bietet auch bei einem Börsencrash 100 Prozent Kapitalschutz, da die Axa für das eingezahlte Kapital geradesteht.

Während der ersten fünf Jahre Laufzeit wird zudem ein Zins von 3,5 Prozent garantiert. Die Verzinsung über die ganze Vertragsdauer beträgt rund 1,2 Prozent. Das ist für eine so lange Anlagezeit bescheiden. Die dürftige Rendite ist der Preis für den Kapitalschutz. Ein weiterer Nachteil: Der Zinsertrag ist zu 100 Prozent als Einkommen zu versteuern, ebenso die zusätzliche Auszahlung am Schluss.

Wenn Brander selber direkt in Fonds investiert, ist der Kapitalgewinn hingegen steuerfrei. K-Geld hat  Brander aus all diesen Gründen empfohlen, das Axa-Angebot abzulehnen. Hinzu kommt: Die Preisgestaltung solcher Auszahlungspläne ist wegen der Mischung aus Leibrente, Fonds und Derivaten undurchsichtig. Ein Interessent erfährt höchstens, in welche Fonds investiert werden kann. Die Gesamtkosten bleiben im Dunkeln.


Hohe Kosten für den Mix Sparen und Versicherung

Damian Gliott von der Vermögenspartner AG in Winterthur sagt: «Versicherungen zahlen den Fondsanbietern weniger als Kleinanleger – und es fliessen Umsatzbeteiligungen, die der Versicherer behält.» Oft würden Berater auch empfehlen, das Vermögen aus der Pensionskasse als Kapital zu beziehen und in Rentenversicherungen oder in Auszahlungspläne zu investieren. Gliott warnt: «Eine Pensionskassenrente ist fast immer besser.»

Und Felix Horlacher, Fachleiter am Institut für Finanzplanung IfFP in Zürich, weist auf die oft hohen Kosten für den Mix aus Spar- und Versicherungslösung hin. K-Geld rät seit Jahren davon ab, bei Versicherungen Geld anzusparen. Zumindest sollten Sie mehrere Offerten einholen und sich nicht von den meist unrealistischen Überschussprognosen blenden lassen.


Rentenversicherungen: So funktionieren die Versicherungsprodukte

Fondsgebundene Rentenversicherungen mit Einmaleinlage kombinieren eine garantierte Mindestrente mit dem Verlauf an der Börse. Die Zielgruppe sind Leute über 50. Die Versicherung kann über eine bestimmte Laufzeit oder auf Lebensdauer abgeschlossen werden. In der Ansparphase ist die Wertentwicklung veränderlich, da in Fonds angelegt wird. Entwickeln sie sich positiv, kann sich die garantierte Leistung erhöhen.

Einmal angepasste Garantieauszahlungen werden nicht mehr gekürzt. Am Ende der Ansparphase wird das Kapital zu einem Umwandlungssatz in eine fixe Rente umgewandelt. So hat der Versicherte während der Auszahlungsdauer stets das gleiche Einkommen. «Vorteil» des Produkts ist die Chance auf eine Zusatzrendite während der Ansparphase neben dem (tiefen) garantierten Umwandlungssatz sowie Flexibilität. Diese hat allerdings ihren Preis: Die garantierte Rente kann bei gleicher Einmaleinlage deutlich unter der Anfangsrente klassischer Leibrentenversicherungen liegen. Und auch sie lohnen sich praktisch nie.

Gut zu wissen: Ein Kunde kann solche Versicherungen vor Vertragsende ganz oder teilweise vom Anbieter zurückkaufen lassen. Bei der Basler entspricht der Rückkaufswert beispielsweise dem Wert des aktuellen Fondsguthabens. Beim Rückkauf kassiert die Basler aber eine Gebühr von 5 Prozent des Fondsguthabens.

27. März 2010 | Werner Grundlehner


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