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Pascal Leinenbach, 27, hatte eine Nahtod-Erfahrung
Kein Glück der Welt kann dieses Gefühl übertreffen: Ich wünsche jedem Menschen, dieses wundervolle Licht einmal zu sehen. Seit ich es gesehen habe, bin ich sicher: Nach dem Tod erwartet mich ein schöneres Dasein. Das tröstet mich. Vor dem Nahtod-Erlebnis hatte ich eine schwere Zeit. Ich machte eine Ausbildung als Koch. Ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung bekam ich einen neuen Lehrmeister. Er mochte mich nicht. Ich konnte ihm nichts recht machen. Für mich war das besonders schlimm, weil ich mich mit meinem früheren Chef super verstanden hatte.
Schliesslich fiel ich knapp durch die Prüfung. Das war ein Riesenfrust für mich: Mein Vater ist Spitzenkoch – und ich schaffte nicht einmal die Prüfung. Ich wollte das Lehrjahr woanders wiederholen. Doch auf meine Bewerbungen bekam ich nur Absagen. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, belastete mich. Mit jeder Absage fühlte ich mich wertloser.
Kurz vor meinem 20. Geburtstag drehte ich völlig durch. Es war am Morgen des 17. Dezembers, so gegen 8 Uhr. Meine Eltern waren nicht daheim, mein Bruder war in der Schule. Ich weiss nicht mehr, was genau in mir vorging, nur so viel: Ich beschloss, meinem Leben ein Ende zu setzen. Mich ritt wohl der Teufel, ich war wie ferngesteuert. Ich schoss mir mit einem Revolver in den Kopf.
Als meine Eltern heimkamen, fand mich mein Vater blutüberströmt mit zertrümmertem Schädel im Bett – was für ein entsetzlicher Schock für meine Eltern. Mein Vater ist Waffensammler. Ich hatte den Waffenschrank aufgebrochen, kann mich aber nicht daran erinnern. Die Rega brachte mich ins Spital. Die Ärzte operierten mich zehn Stunden lang und versetzten mich dann ins künstliche Koma. Meine Familie bangte um mein Leben.
Was sie nicht ahnten: Mir ging es fantastisch! Denn ich sah das Licht. Es schimmerte hell und überwältigte mich mit seinem Glanz, wow! Ich war mittendrin, es gab für mich weder Raum noch Zeit. Nur Glückseligkeit. Doch plötzlich war alles vorbei. Mein erster Gedanke: Welcher Idiot hat das prächtige Licht ausgeschaltet? Ich fragte: «Warum ist es so dunkel?», und hörte die Stimme des Arztes: «Sie sind blind.» Ich war nach einem Monat aus dem Koma erwacht.
Ein halbes Jahr lag ich im Spital. Die Kugel hatte den Vorderteil meines Schädels zertrümmert. Die Ärzte formten ihn mit Knochenstücken und Gewebe aus meinem Körper neu. Der Sehnerv des linken Auges ist beschädigt. Das rechte Auge war zerstört, doch ein Glasauge vertrug ich nicht. Darum fehlt mir das Auge. Damit das nicht so auffällt, trage ich immer eine dunkle Brille.
Ich habe in der Blindenschule gelernt, Braille zu lesen und zu schreiben und taste mich problemlos durch. Ich helfe im Hotelbetrieb meiner Eltern beim Kochen und im Service. Die Kugel hat meine Hirnrinde verletzt und ich leide an einem Frontalhirn-Trauma. Darum werde ich schnell müde. Andererseits verfalle ich manchmal in einen regelrechten Redeschwall. Wenn ich zu viel quatsche oder unaufhörlich Witze erzähle, stoppt mich meine Mutter. Ich werde auch das noch in den Griff bekommen.
Knapp dem Tod entronnen: Viele berichten vom Jenseits
Viele Menschen, die fast gestorben sind, berichten von Nahtod-Erlebnissen. Meist sahen sie ein beglückendes Licht. In westlichen Ländern gab in Umfragen fast jeder 20. an, schon einmal ein Nahtod-Erlebnis gehabt zu haben – in Indien nur einer von 500. Religiöse Menschen oder Esoteriker machen eher Nahtod-Erfahrungen als andere. Jüngere sind häufiger betroffen als Ältere. Die Ursache der Erlebnisse ist unklar. Forscher tippen auf Sauerstoffmangel im Gehirn oder auf Halluzinationen. Viele Betroffene sind überzeugt, einem göttlichen Wesen und dem Leben nach dem Tod begegnet zu sein.
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14. März 2010 | Aufgezeichnet: Fridy Schürch
