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Zuerst verschwand Vioxx vom Markt, dann Bextra. Grund: Die Medikamente können dem Herz schaden. Jetzt sagen Experten: Arcoxia ist nicht besser.
Vioxx und Bextra sollten bei Rheuma und Arthrose die Schmerzen lindern und die Entzündungen hemmen. Doch die sogenannten Cox-2-Hemmer kamen rasch unter Beschuss: Sie können das Herz schädigen und zum Herzinfarkt führen. Deshalb durften diese Mittel nicht mehr verkauft werden. Seit wenigen Monaten ist ein neues Mittel im Handel – Arcoxia. Es kommt vom selben Hersteller wie Vioxx, MSD, soll aber weniger Nebenwirkungen haben.
Doch das stimmt nicht, wie die unabhängige Fachzeitschrift «Pharma-Kritik» herausfand: Das Medikament sei ähnlich riskant wie Vioxx – und wirke nicht besser als andere Rheumamittel. Herausgeber und Arzt Etzel Gysling rät von Arcoxia ab: «Die Risiken sind zu gross im Verhältnis zum Nutzen.»
In den USA ist Arcoxia nicht zugelassen
Die deutsche Fachzeitschrift «Arznei-Telegramm» fordert gar, das «besonders schlecht verträgliche» Arcoxia wieder vom Markt zu nehmen. In den USA ist es gar nicht zugelassen. Arcoxia-Patienten erlitten öfter Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen als mit einem anderen Schmerzmittel. Bei vielen stieg der Blutdruck – und im Körper sammelte sich Wasser. Das Medikament ist auch für den Magen nicht besser. Gysling: «Arcoxia löst genauso oft gefährliche Magenblutungen und Magendurchbrüche aus wie andere Schmerzmittel.»
Kommt hinzu: Es gibt keine Langzeit-Untersuchungen mit hohen Dosen. In schweren Fällen verschreiben Ärzte bis zu 120 Milligramm Arcoxia täglich. Doch der Basler Rheumaspezialist Michael Gengenbacher sagt: «Ich verschreibe höhere Dosen für maximal zwei Wochen und nur Patienten ohne Herz-Kreislauf-Probleme.»
Die Firma MSD sagt, Arcoxia sei eine «gute und sichere Alternative bei Arthrose». Es würde keine Blutgerinnsel auslösen. Für MSD-Sprecher Stefan Wild können auch andere Schmerzmittel gegen Entzündungen gefährlich sein für Herz und Kreislauf. Und Cox-2-Hemmer wie Arcoxia seien «deutlich» weniger schädlich für den Magen als andere Mittel. Wild beruft sich auf eine Studie, die MSD mitfinanziert hat. Laut MSD sollten Patienten das Medikament ohnehin nur kurze Zeit einnehmen. Die Arzneimittel-Behörde Swissmedic wollte zur Kritik an Arcoxia nicht Stellung nehmen.
Weitere Informationen
14. März 2010 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp
