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Nicht alles, was sich «grün» nennt, ist auch wirklich ökologisch. Wer nachhaltig investieren will, sollte die Angebote kritisch prüfen.
Immer mehr Anleger wollen ihr Kapital nach ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien anlegen. 2001 beliefen sich die nachhaltigen Investitionen in der Schweiz auf 5 Milliarden Franken. Ende 2008 lag das Volumen gemäss der Beratungsfirma Onvalues bereits bei 20,9 Milliarden. Insgesamt haben Nachhaltigkeitsfonds in der Finanzkrise gleich viel an Wert eingebüsst wie konventionelle.
Viele Fonds sind aber erst in den letzten zwei Jahren lanciert worden, weshalb eine Langzeitbeurteilung unmöglich ist. Unter den Fonds, die von der Erklärung von Bern (EVB) für nachhaltig befunden werden und fünf und mehr Jahre existieren, figurieren einige, die verglichen mit dem Weltaktienindex MSCI überdurchschnittliche Renditen erzielten.
Hohe Gebühren schmälern die gute Rendite
Beim MSCI World Total Return resultiert für die letzten fünf Jahre eine jährliche Durchschnittsrendite von 0,34 Prozent. Viel besser abgeschnitten haben in derselben Periode beispielsweise der Vontobel Fund – Global Trend New Power mit durchschnittlichen Kursgewinnen von 4,5 Prozent pro Jahr sowie der Sam Smart Energy Fund mit 9,15 Prozent. Beide Fonds investieren in zukunftsgerichtete Energien.
Weitere positive Beispiele sind der Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Balanced mit Renditen von durchschnittlich 2,82 Prozent in den letzten fünf Jahren sowie der UBS Equity Fund – Global Innovators mit 2,61 Prozent. Der Swisscanto-Fonds investiert nur in Firmen und Herausgeber, die den Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit Folge leisten. Der UBS-Fonds berücksichtigt Pionierfirmen aus den Bereichen Demographie, Klimawandel und Wasser.
Punkto Kursentwicklung müssen sich nachhaltige Fonds also nicht verstecken. Dennoch bleibt ein Nachteil: Die Gebühren sind hoch. Beim Vontobel-Fonds beträgt die Gesamtkostenquote (TER) 2,13 Prozent jährlich, beim Sam-Fonds 2,23 Prozent. Das zehrt an der Rendite des Anlegers. Laut Florian Schubiger von der Finanzberatungsfirma Vermögenspartner AG liegt die TER bei konventionell gemanagten Aktienfonds bei etwa 1,5 Prozent. Er führt die hohen Gebühren auf die geringe Konkurrenz zwischen den Anbietern zurück.
Sicherheit und Rendite: «Kompromisse sind unumgänglich»
Die gute Performance der genannten Fonds ist laut Experten mit Vorsicht zu geniessen: Geld gleichzeitig sicher anlegen, eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften und Gutes für die Umwelt tun ist laut Andreas Miesbach, Finanzspezialist bei der EVB, nicht möglich: «Eine solche Anlage gibt es nicht. Kompromisse sind unumgänglich.»
Wer Sicherheit hoch gewichtet und zugunsten der Umwelt auf Rendite verzichten will, kann sein Geld auf einem Sparkonto der Alternativen Bank zu 0,125 Prozent Zins oder einem Umweltsparkonto der Zürcher Kantonalbank zu 0,375 Prozent anlegen. Durch den Zinsverzicht der Geldgeber ist es der ABS möglich, Kreditnehmern für nachhaltige Projekte einen vergünstigten Zins anzubieten. Die ZKB gibt die Gelder der Umweltsparkonten als zinsvergünstigte Darlehen für ökologische Projekte weiter.
Nachhaltig investiert wird in der Schweiz primär in Aktien, gefolgt von Obligationen. Privatanleger sind vor allem in nachhaltigen Fonds engagiert. Damit sind sie auch gut bedient, denn Einzelanlagen in Aktien sind aufgrund der fehlenden Diversifikation meist zu risikoreich. In der Schweiz sind über 100 nachhaltige Fonds auf dem Markt. Zu den grossen Anbietern gehören Sarasin, Sam, Swisscanto, Credit Suisse, Ethos-Pictet, Vontobel-Raiffeisen, UBS sowie ZKB.
Nicht alles, was als grüne Anlage verkauft wird, ist auch wirklich ökologisch. Problematisch können Fonds sein, die sich am Ansatz «Best in Class» orientieren: Investiert wird in die umweltfreundlichsten Firmen jeder Branche. Darunter kann sich auch ein Ölkonzern wie BP befinden – nur weil er etwas ökologischer geschäftet als die Konkurrenz. Um das zu verhindern, setzen gewisse Fondsgesellschaften wie etwa Swisscanto auf das Ausschlussverfahren: Firmen aus der Öl-, Auto-, Flugzeug- und Atomkraftindustrie kommen zum vornherein nicht zum Zug.
Gute Misch-Fonds vereinen Innovation und geringes Risiko
EVB-Finanzspezialist Miesbach rät davon ab, in einen reinen «Best in Class»-Fonds zu investieren. Andererseits sei es auch nicht sinnvoll, nur auf Pioniere der Ökobranche zu setzen. Denn welche Technologien künftig rentieren, kann heute niemand sagen. Mit Misch-Fonds, bestehend aus etablierten Grossunternehmen und Pionierfirmen, kann man das Risiko minimieren und gleichzeitig Innovationen fördern.
Die EVB will keine konkreten Empfehlungen für nachhaltige Geldanlagen abgeben. Begründung: Die Erwartungen und Vorstellungen, was nachhaltig ist, sind je nach Anleger sehr unterschiedlich. Auf www.evb.ch gibt es immerhin ein Instrument, das hilft, eine Vorausauswahl aus dem Angebot zu treffen. Unter nachhaltigen Fonds findet man rund 30 Anlagemöglichkeiten von allen grossen Anbietern. Leicht verständlich wird der Ansatz jedes Fonds (Typ und Branche der Unternehmen) sowie dessen Zusammensetzung (Aktienanteil, Währung) beschrieben.
Ferner führt die EVB allfällige Ausschlusskriterien sowie Informationen zu Fondsleitung, Beirat und Stimmrechtsausübung auf. Bei jedem Fonds findet sich die Valorennummer, mit der man auf den Börsenportalen die Performance nachprüfen kann.
13. März 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
