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Artikel | K-Tipp 05/2010

Teurer Reinfall für Rentner

Die Fortuna (heute Generali) kassierte von einem betagten Rentner rund 15‘500 Franken – für eine wenig sinnvolle Police.

Was wäre, wenn Sie morgen ins Spital müssten?» So begann der Brief, den die Fortuna im Jahr 1996 an Wolfgang Gerber in Zürich geschickt hatte. Darin war von «zusätzlichen Kosten und Aufwendungen» bei einem Spitalaufenthalt die Rede, von «Annehmlichkeiten», die er sich gönnen könne. Gerber – er war damals 74 Jahre alt – biss an und schloss eine Spitaltaggeld-Versicherung ab. Dafür hat er seither jeden Monat Fr. 98.10 eingezahlt, insgesamt in 13 Jahren rund 15‘500 Franken.

Für diese Summe hatte Gerber ein Taggeld von 120 Franken versichert. 2002 hat er davon sogar profitiert und nach 15 Tagen im Spital 1440 Franken erhalten. Das sind 12-mal 120 Franken, denn das Taggeld wird erst ab dem 4. Tag bezahlt. Anfang 2010 zeigte Gerber die Police seiner Tochter Ruth Penner – und die war entsetzt. «Eine solche Versicherung ist absolut sinnlos», empört sie sich. Ihre Meinung deckt sich mit derjenigen des K-Tipp. Denn Spitaltaggeld-Versicherungen sind überflüssig. Sie sind nur eine Einnahmequelle für die Versicherungen.

Für persönliche Auslagen und  Annehmlichkeiten im Spital wie Telefon, Fernsehen, Anreisekosten der Familie und Internet-Anschluss braucht es keine Versicherung. lDie Fortuna wirbt damit, dass es beim Abschluss keine Gesundheitsprüfung gebe. Das ist trügerisch. Wenn nämlich innerhalb der ersten zwei Jahre ein Spitalaufenthalt nötig wird wegen einer Krankheit, die beim Abschluss bereits bestand, muss die Versicherung nichts zahlen. So wurden schon viele Versicherte enttäuscht.

Die Anbieter werben mit dem Argument, das Spitaltaggeld diene Allgemeinversicherten etwa dazu, den Aufpreis für ein Einerzimmer zu zahlen. Oft reicht es dafür aber nicht (und viele Spitäler bieten diese Möglichkeit gar nicht an). Auch zur Begleichung von hohen Franchisen und Selbstbehalten reichen solche Taggelder nicht aus.

Die Verkäufer sagen, mit dem Taggeld könne man sogar Einkommensausfälle «abfangen». Doch oft ist man krank, muss aber nicht ins Spital, dann zahlt die Versicherung nicht. Wer sich ernsthaft für einen Lohnersatz bei Krankheit und Invalidität interessiert, braucht ein «richtiges» Taggeld und später eine richtige Erwerbsunfähigkeits-Versicherung. Und Pensionierte müssen sowieso keinen Lohnausfall versichern.


«Man hätte das gar nicht anbieten dürfen»

Die Fortuna heisst heute Generali. Sie betont, Gerbers Prämie sei seit 1996 gleich geblieben. Und man habe auf den Versicherten keinen «Abschlussdruck» ausgeübt. Seine Tochter sieht das anders: «Man hätte meinem Vater gar nie ein solches Angebot machen dürfen.»


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06. März 2010 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp


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