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Artikel | saldo 04/2010

Berufsleben

Vreny Plaschy, 63, vermittelt Einsätze für Sozialhilfeempfänger im Bezirk Meilen ZH

Wer Sozialhilfe bezieht, soll dafür eine Gegenleistung bringen. Auf diesem Prinzip basieren die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe seit rund fünf Jahren. Nichterwerbstätige können freiwillige Einsätze in Non-Profit-Organisationen leisten. Das Ziel: sich sozial und wenn möglich beruflich integrieren. Als Anerkennung erhalten sie 100 bis 300 Franken zusätzlich pro Monat.

Wir vom Verein für Integration und Suchtfragen im Bezirk Meilen fungieren als Vermittlungsstelle. Meine Aufgabe ist es, für arbeitswillige Sozialhilfeempfänger Einsatzmöglichkeiten zu finden. Ich stehe dafür ständig in Kontakt mit Non-Profit-Organisationen wie Altersheimen oder Gemeinden. Da kommt es mir zugute, dass ich viele Jahre lang Sozialvorsteherin in Hombrechtikon ZH war und deshalb über ein gutes Netzwerk verfüge.

Ich rufe an oder gehe persönlich vorbei und bemühe mich um Jobs etwa im Hausdienst oder in der Küche. Mit meinen Klienten kläre ich ab, welche Fähigkeiten vorhanden sind, wie es mit der Motivation aussieht, wie viele Stunden sie arbeiten wollen oder können und welches die persönlichen Ziele und Wünsche sind. Wenn ich einen geeigneten Werkplatz habe, kommt es zu einem Vorstellungsgespräch und allenfalls zu einem Schnuppereinsatz.

Ich bereite die Teilnehmenden darauf vor und mache ihnen klar, dass Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erste Priorität haben. Im Idealfall profitieren alle: Das Altersheim beispielsweise bekommt eine kostenlose Hilfe für die Küche. Die Teilnehmer erhalten etwas mehr Geld und wieder eine geregelte Tagesstruktur, ein Beziehungsnetz sowie das Gefühl, dass sie gebraucht werden.

Die Menschen, die ich vermittle, sind alle ausgesteuert und grösstenteils zwischen 40 und 60 Jahre alt, etwa die Hälfte sind Ausländer. Viele arbeiteten in Hilfsberufen. Aber es hat durchaus auch solche mit Lehrabschluss und jahrelanger Berufserfahrung, die aus unterschiedlichen Gründen den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht mehr gefunden haben.

Oft kommen auch physische oder psychische Probleme dazu. Es ist deshalb wichtig, dass die Teilnehmenden an ihrem Werkplatz eine Ansprechperson haben. Wenn es Probleme gibt, komme ich wieder zum Einsatz. Vor kurzem etwa ist es aus nichtigem Grund zu einem Streit zwischen einem meiner Klienten und dem Hauswart, bei dem er beschäftigt ist, gekommen. Mein Klient, ein etwas aufbrausender Charakter, warf dem Abwart den Schlüsselbund vor die Füsse und verliess den Arbeitsplatz. Ich wurde eingeschaltet, und nach einem klärenden Gespräch hat sich der Klient beim Abwart entschuldigt und seine Arbeit wieder aufgenommen.

Ursprünglich bin ich Seklehrerin, aber lange Zeit war ich in der Erwachsenenbildung und als Supervisorin tätig. Unter anderem unterrichtete ich auch Deutsch für Fremdsprachige und habe da viel Erfahrung gesammelt im Umgang mit Menschen, die es nicht ganz einfach haben im Leben. Es ist mir wichtig, wohlwollend, respektvoll und ehrlich mit meinen Klienten umzugehen.

Sie alle haben eine Chance verdient. Wenn es mir gelingt, einen passenden Einsatzplatz zu finden, freut mich das. Manchmal ist es aber einfach unmöglich, jemanden unterzubringen. Nach den Gesprächen mache ich mir jeweils Notizen, um den Überblick nicht zu verlieren, und da gibt es schon sehr traurige Lebensgeschichten. Ich kann mich aber gut abgrenzen. Viel Entspannung finde ich bei meinem grossen Hobby, dem Singen im Chor, sowie beim Wandern.

27. Februar 2010 | Marianne Siegenthaler


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