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Artikel | Gesundheits-Tipp 02/2010

Walter Wochner, 52: «Die Natur ist unberechenbar»

Jeder dritte Forstarbeiter verletzt sich bei der Arbeit. In keiner anderen Branche passieren so viele Unfälle. Trotzdem möchte Forstwart Walter Wochner die Arbeit im Wald nicht missen.


Walter Wochner, warum ist Ihr Beruf so gefährlich?
Wenn ich nicht aufpasse, kann es passieren, dass ich von einem fallenden Baum oder von einem Ast getroffen werde. Zudem lässt sich die Natur nicht immer mit letzter Sicherheit berechnen. Jeder Baum ist anders.


Welches sind die Unterschiede?
Die Fasern der Bäume verlaufen nicht immer gleich. Deshalb kann ich nicht genau vorhersagen, wie sich ein Baum beim Fällen verhält. Die einen brechen schnell, andere bleiben länger stehen. 99-mal funktioniert es wie geplant, und einmal fällt der Baum in eine andere Richtung, als er sollte.


Sind Sie schon einmal verunfallt, weil ein Baum anders fiel als erwartet?
Nein. Ich beobachte immer, in welche Richtung der Baum fällt. Wenn er auf die falsche Seite fällt, begebe ich mich aus dem Gefahrenbereich. Mir sind bei der Arbeit zwei Unfälle passiert, aber aus anderen Gründen. Als ich in einem Tobel eine Fichte fällen wollte, sägte ich mir mit der Motorsäge ins Bein.


Wie konnte das passieren?
Die Spitze der Säge verfing sich im Holz und schnellte plötzlich mit grosser Wucht zurück. Weil ich auf Schotter stand, rutschte ich aus und konnte die Säge nicht auffangen.


Das war bestimmt sehr schmerzhaft.
Nein. Ich stand unter Schock und spürte deshalb keine Schmerzen. Die Wunde sah jedoch wüst aus. Die Säge hatte den Streckmuskel oberhalb des Knies durchtrennt. Nach der Operation musste ich ein paar Wochen lang pausieren.


Trugen Sie keine schnittfesten Hosen?
Nein. In den Achtzigerjahren, als der Unfall passierte, waren Schnittschutzhosen noch nicht so verbreitet. Mit solchen Hosen hätte ich den Unfall vermutlich vermeiden können. Sie enthalten spezielle Fasern, welche die Säge zum Stillstand bringen.


Wie passierte der zweite Unfall?
Im Auftrag der SBB stutzte ich im August 2001 Gras und Sträucher auf einer hohen Mauer beim Bahnhof Wald ZH. Als ich das geschnittene Gras über die Mauer werfen wollte, setzte ich aus Versehen einen Fuss neben die Mauerkante. Ich fiel rückwärts hinunter und schlug mit dem Gesäss auf Betonplatten neben dem Bahngleis auf.


Welche Folgen hatte der Sturz?
Ein Wirbel brach. Darum konnte ich drei Monate lang nicht arbeiten, und ich musste ein Korsett tragen. Seit dem Unfall leide ich an Rückenschmerzen. Dank Physiotherapie kann ich weiterhin im Wald arbeiten.


Verhalten Sie sich seit Ihren Unfällen anders?
Ich bin vorsichtiger geworden und schaue immer zweimal, wo ich mich hinstelle. Ich mache auch meine Arbeitskollegen immer wieder auf mögliche Gefahren aufmerksam. Manchmal nervt sie das und sie antworten: «Ich kann auf mich selber aufpassen.»


Haben Sie sich nach den Unfällen überlegt, den Beruf zu wechseln?
Überlegt habe ich es mir schon. Aber ich möchte keinen anderen Beruf ausüben. Die Arbeit im Wald ist für mich fast wie eine Sucht. Manchmal helfe ich sogar in den Ferien Bauern beim Holzen.


Zur Person: Walter Wochner

Seit über 30 Jahren arbeitet der 52-jährige Walter Wochner als Forstwart. Heute ist er Vorarbeiter im Forstrevier Rüti-Wald-Dürnten im Zürcher Oberland. Er bildet auch Lehrlinge aus. Walter Wochner wohnt mit Frau und zwei Töchtern in Dürnten ZH.

14. Februar 2010 | Andreas Gossweiler, Redaktion Gesundheitstipp


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