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Wer «sauber» hergestellte Waren kauft, verbessert die Welt, sagen viele Firmen in ihrer Werbung. Das ist laut Autorin Kathrin Hartmann eine Übertreibung.
«Saufen für den Regenwald» bringt zu wenig
Kauf dir eine bessere Welt», lautet das Motto vieler gesundheits- und umweltbewusster Konsumenten. Die Idee tönt einfach: Man kauft «gute» ökologische und nach hohen sozialen Standards hergestellte Produkte und meidet «böse», umweltschädliche Waren. Auf diese Weise sollen die Unternehmen dazu gebracht werden, nur noch umweltverträglich zu produzieren. Die deutsche Journalistin Kathrin Hartmann legt dar, dass solche Konsumenten weder einen merklichen Einfluss aufs Klima noch auf soziale Probleme haben.
Im Gegenteil: Sie beruhigen ihr Gewissen mit Bio-Nahrung oder Hybridautos und kümmern sich nicht um wirksame politische Massnahmen, so ihr Fazit. Mit zahlreichen Beispielen zeigt Hartmann, wie sich Unternehmen bei den Konsumenten mit Öko-Werbung einschmeicheln. So versprach die Brauerei Krombacher, dass sie für jeden verkauften Kasten Bier einen Quadratmeter Regenwald rette. Tatsächlich gingen nur 6,7 Cent pro Harass an den WWF. Wer in Deutschland eine Tube Blend-a-med-Zahnpasta kaufte, löste eine Spende von einem Cent an ein Gesundheitszentrum in Brasilien aus.
Die Medien kommentierten das mit «Saufen für den Regenwald» und «Lächeln für Brasilien». Auch der japanische Konzern Toyota unterstützt ein Projekt von Schülern, die eine Million Bäume pflanzen wollen. Doch diese Zahl reicht nie aus, den CO2-Ausstoss der Toyota-Autos zu kompensieren. Zudem verschleiert der Konzern mit seiner Öko-Kampagne, dass er mit riesigen Geländewagen viele Spritfresser herstellt. Hartmann spricht sich nicht gegen Öko-Produkte aus. Ihre Lösung lautet jedoch, sich aktiv für strengere soziale Richtlinien und Umweltgesetze zu engagieren, statt nur passiv zu konsumieren.
Kathrin Hartmann, «Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt», Blessing, ca. Fr. 33.–
Eine Hungerkrise droht
Laut der Welternährungsorganisation FAO leidet jeder sechste Mensch an Hunger. Die Nahrungsmittelknappheit werde bald auch die westliche Welt ergreifen, schreibt der Agronom Wilfried Bommert. Vor allem ärmere Familien könnten sich steigende Lebensmittelpreise nicht mehr leisten. Dafür gibt es laut Bommert viele Gründe: Neben dem Wachstum der Weltbevölkerung zerstören der Klimawandel und der Raubbau an den Ressourcen die Böden und schmälern die Erträge. Auch haben die Industriestaaten wenig Interesse, gegenzusteuern. Denn westliche Investoren verdienen an Engpässen: Je knapper die Nahrungsmittel, desto höher deren Kurse an den Börsen. Bommert schildert die Probleme der Welternährung eindrücklich. Zuweilen malt er schwarz, doch das Thema bleibt brisant.
Wilfried Bommert, «Kein Brot für die Welt», Riemann, ca. Fr. 38.–
Investieren mit gutem Gewissen
Nicht nur die Gier der Banker hat zur Finanzkrise geführt, sondern auch der einseitige Blick der Anleger auf kurzfristige, überhöhte Gewinne, glaubt die Finanzspezialistin Mechthild Upgang. Sie fordert Anleger auf, auch soziale und ökologische Aspekte zu berücksichtigen. In ihrem Ratgeber zeigt sie, dass sich eine gute Rendite und Nachhaltigkeit nicht ausschliessen. So hat sich der Aktienindex DJSI World, der die Entwicklung nachhaltig wirtschaftender Unternehmen widerspiegelt, seit 1999 pro Jahr um 3 Prozent besser entwickelt als sein grosser Bruder MSCI World. Gemäss der Autorin muss sich, wer nachhaltig investiert, besser informieren. Dafür bieten solche Anlagen die Chance, finanzielle Desaster zu vermeiden sowie einen ökologischen und sozialen Mehrwert zu erzielen.
Mechthild Upgang, «Gewinn mit Sinn», Oekom, ca. Fr. 31.–
Sprungbrett für Ausgesteuerte
Über 200‘000 Langzeitarbeitslose sind in der Schweiz von der Sozialhilfe abhängig. Daniela Merz und Lynn Blattmann zeigen am Beispiel der St. Galler Dock-Gruppe auf, wie eine Sozialfirma die Reintegration Ausgesteuerter fördern kann. Dock veredelt Gussteile für die Autoindustrie. Für die 700 Beschäftigten ist der Job ein Sprungbrett. Einsteiger arbeiten 20 Wochenstunden für 13 Franken die Stunde. Das Sozialamt zahlt den Restbetrag bis zum regulären Sozialhilfesatz. Erhöht der Einzelne sein Pensum, sinkt seine Abhängigkeit von der Sozialhilfe. Ziel ist, den Beschäftigten zu helfen, ihren Unterhalt selbst zu bestreiten. Ein Überblick über weitere Sozialfirmen hätte dem Buch gut getan. Die Lektüre lohnt sich für sozial Interessierte.
Lynn Blattmann, Daniela Merz, «Sozialfirmen – Plädoyer für eine unternehmerische Arbeitsintegration», Rüffer & Rub, ca. Fr. 33.–
14. Februar 2010 | Marc Mair-Noack, ja, thl, ask
