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Anton Keller, 33, Kindersitz-Tester beim TCS in Emmen LU
Zurzeit erhalten wir viele Anfragen von Eltern bezüglich Autokindersitzen. Viele sind verunsichert, denn ab 1. April gibt es eine neue gesetzliche Regelung. Dabei ist es ganz einfach: Kinder bis zwölf Jahre respektive bis 150 cm Grösse müssen dann im Auto in einem Kindersitz, einer Babyschale oder auf einem Sitzerhöher gesichert werden. Aktuell liegt die Altersgrenze bei sieben Jahren. Was bisher nur eine Empfehlung war, wird jetzt also zur Vorschrift. Das finde ich gut so, denn pro Jahr verletzen sich immerhin rund 500 Kinder im Auto. Gemäss einer aktuellen Untersuchung fahren vier von zehn Kindern ungesichert oder nicht richtig gesichert mit.
Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, welcher Gefahr sie ihre Kinder aussetzen. Zusammen mit meinen Kollegen vom deutschen und österreichischen Automobilclub stellen wir typische Unfälle mit «Dummys» nach und filmen diese. Es ist eindrücklich, wenn man sieht, wie wenig es braucht, um bei Kindern schwerste Verletzungen zu verursachen. Für ungesicherte Kinder kann ein Aufprall mit nur 30 Stundenkilometern bereits tödlich sein. Wir stellen deshalb die Videos auch auf unsere Homepage.
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist das Prüfen von Kindersitzen. Dazu muss man wissen, dass Kinder eine andere Anatomie haben als Erwachsene. Zum Beispiel haben sie einen schmalen, abgerundeten Beckenknochen. Der Gurt kann bei einem Aufprall schnell nach oben rutschen und die empfindlichen inneren Organe verletzen.
Aber auch der Kopf eines Kindes ist gefährdet, wenn es auf dem normalen Sitz mitfährt. Autos sind gemacht für Leute über 1,5 Meter, und natürlich sind Airbags und andere Schutzvorrichtungen auf entsprechender Höhe angebracht. Der Kopf eines Kindes reicht aber nicht bis da hinauf, und so kann es sich an der Karrosserie verletzen. Ein guter Kindersitz bietet deshalb dem Kopf genügend Schutz. Wichtig ist auch das Handling des Sitzes. Die Montage muss unkompliziert und das Anschnallen problemlos sein.
Ein guter Kindersitz kostet schnell zwei- oder dreihundert Franken. Bedenkt man, dass sich so grössere Verletzungen verhindern lassen, ist das nicht viel Geld. Weniger Schutz, aber besser als gar nichts, bieten die Sitzerhöhungen ohne Kopfteil, die gibts bereits für 20 Franken. Man kann sie jederzeit im Kofferraum mitführen oder den Grosseltern mitgeben, wenn sie mit den Kindern unterwegs sind.
Unsere Testergebnisse werden gesammelt und mit vielen Informationen zum Thema im Internet sowie in Broschüren publiziert. An den Ergebnissen sind nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Industrie interessiert. Denn aus unseren Tests können sie erkennen, wo Verbesserungsbedarf besteht.
Gelernt habe ich Automechaniker, danach habe ich mich zum Automobil-Ingenieur Richtung Konstruktion weitergebildet. Dank dieser Ausbildung habe ich die nötigen Kenntnisse, um in Vorträgen von Eltern- oder Samaritervereinen über die physikalischen Vorgänge bei einem Crash sowie die Auswirkungen auf einen Kinderkörper aufzuklären. Für mich ist gerade diese Arbeit sehr spannend.
Beim TCS bin ich seit sechs Jahren als Leiter Technik und Wirtschaft beschäftigt. Seit 13 Monaten interessieren mich Kindersitze auch privat, denn ich habe eine kleine Tochter. Diese sichere ich vorläufig rückwärts in der Babyschale, was für ein Kind die sicherste Art ist, im Auto mitzufahren. Ja, und wenn ich mal ein bisschen Abstand von Kind oder Kindersitzen brauche, dann fröne ich meinem grossen Hobby, dem Salsatanzen.
14. Februar 2010 | Marianne Siegenthaler
