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Ob China oder Brasilien – wer in Schwellenländer investiert, kann von hohen Wachstumsraten profitieren. Kleinanleger sollten sich aber nicht blenden lassen: Die Risiken sind gross.
Anleger sollten ihr Augenmerk auch auf aufstrebende Märkte (Emerging Markets) der sogenannten Schwellenländer richten. Rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben in solchen Staaten in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und Afrika. Ein hohes Bevölkerungswachstum, ein tiefes Durchschnittsalter und die Ausdehnung der Städte treiben das Wachstum in diesen Märkten an.
Aktien aus Schwellenländern bringen in diesem Jahr attraktive Erträge. Das sagt die im Dezember 2009 erschienene UBS-Studie «Global Outlook». Die Analysten erwarten Renditen von rund 15 Prozent inklusive Dividenden. Für Aktien aus Industrieländern prognostiziert die UBS-Studie hingegen «nur» eine Rendite von 10 Prozent.
Fakt ist: Emerging Markets sind von der Finanzkrise weit weniger betroffen als die westlichen Industrienationen. China und Indien leisten einen wesentlichen Beitrag zur globalen Erholung der Wirtschaft. Auch andere Schwellenländer befinden sich trotz Weltwirtschaftskrise in einer bemerkenswert guten Verfassung.
Das hat einen guten Grund: Dank Reformen sind die Staats- und Unternehmensschulden in vielen Schwellenländern stark gesunken. Zusätzlich stärken positive Handelsbilanzen, hohe Kapitalzuflüsse und höhere Zinsen die Währungen der Schwellenländer.
Das freut Schweizer Anleger: Denn in Rupien umgewechselte Franken werden nach einer Aufwertung der indischen Währung in mehr Franken zurückgewechselt. Auch bei der chinesischen Währung Yuan erwarten Experten in den nächsten Jahren eine Aufwertung. Für Schweizer Anleger besteht somit eine Chance auf Wechselkursgewinne. Allerdings: Chinas Wirtschaft ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Der Markt ist überhitzt. Das könnte schon bald zu einem Absturz der chinesischen Börse führen.
Nur für Anleger mit langem Zeithorizont
Yves Kuhn, Anlagespezialist bei Swisscanto, dem Vermögensverwaltungszentrum der Kantonalbanken, rät Kleinanlegern zu Investitionen in den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien, China und Korea. In diesen Ländern sei nachhaltiges Wachstum vorhanden. «Sie besitzen unter anderem Rohstoffe, welche die Industrienationen brauchen.»
Wer in Emerging Markets investiert, sollte allerdings einen langen Zeithorizont haben. Kuhn warnt: «Es ist durchaus üblich, dass die Aktienmärkte in Schwellenländern in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten um 20 Prozent schwanken.» Über eine lange Anlagedauer betrachtet, lassen sich solche Kursschwankungen eher ausgleichen.
Indexfonds: Gut geeignet für Kleinanleger
Für Kleinanleger, die in Schwellenländer investieren möchten, eignen sich Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF). Das Risiko ist breit gestreut, die Gebühren sind tief. Das Prinzip: Eine Fondsgesellschaft versucht bei Titelwahl und -gewichtung die Struktur eines beliebigen Aktienindexes nachzubilden.
Simon Ullrich vom Fondsanalysen-Unternehmen Ifund Services ist überzeugt: «Indexfonds sind ein ideales Instrument, um in schwer zugänglichen Märkten zu investieren.» Die Qualität des Indexfonds hänge jedoch vom Index ab, der dem Fonds zugrunde liegt. Und: Anleger sollten darauf achten, dass der Fonds gross genug ist. Experten empfehlen eine Investition in Themenfonds erst ab einem Fondsvermögen von 100 Millionen Franken.
Yves Kuhn von Swisscanto sieht aber auch Gefahren beim Indexfonds. Die letzten 20 Jahre hätten gezeigt, dass Emerging Markets anfällig seien für Schuldenprobleme, schlechtes Management und wirtschaftliche Überhitzung. «Ob Russland, Mexiko oder Thailand – alle hoch- gelobten Märkte erlebten in der Vergangenheit innert kürzester Zeit Kursstürze von 70 bis 80 Prozent», mahnt Kuhn. Ein Indexfonds mache solche Börsencrashs voll mit.
Ein aktiv gemanagter Anlagefonds habe hingegen die Chance, auf Börsenabstürze zu reagieren. Kuhn gesteht aber ein: «Auch ein Fondsmanager kann solche Krisen kaum vorhersehen und Abstürze ganz vermeiden.» Zudem werden gewisse Schwellenländer – und damit auch die zugehörigen Börsenindizes – von wenigen, sehr grossen Unternehmen dominiert. Das Klumpenrisiko ist daher relativ hoch.
Yves Kuhn will seine Vorbehalte aber nicht als generelles Votum gegen Investitionen in Schwellenländer verstanden wissen, denn: «Indien mit 7 Prozent und China mit 9,5 Prozent prognostiziertem Wachstum für das laufende Jahr weisen ein nachhaltiges Wachstum auf. Das können entwickelte Märkte nicht bieten.»
Pensionskassen setzen auf Schwellenländer
Das Potenzial der aufstrebenden Märkte haben inzwischen auch Schweizer Pensionskassen erkannt: Vor zehn Jahren waren diese mit lediglich 4 bis 5 Prozent in Schwellenländer investiert, mittlerweile sind es 10 bis 20 Prozent.
Anleger mit wenig Fachwissen sollten nach Ansicht von Kuhn nicht auf Einzeltitel, sondern stets auf Fonds setzen. Zu bedenken ist ausserdem: Die Transaktionskosten sind zwei- bis drei-, manchmal viermal höher als für Aktieninvestments in Industrieländern. «Das ist ein weiterer Grund, der gegen kurzfristige Engagements spricht», so der Swisscanto-Experte.
Chancen und Risiken Auf einen Blick
Anlagerisiken in aufstrebenden Märkten:
Anlagechancen in aufstrebenden Märkten:
Interview mit Felix Horlacher: «Finger weg von riskanten Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern»
K-Geld: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht im laufenden Jahr in Ländern wie Angola und Liberia das höchste Wirtschaftswachstum. Können und sollen Kleinanleger an einer solchen Entwicklung teilhaben?
Felix Horlacher: Investoren sollen die Finger lassen von Einzelländerfonds für Entwicklungs- und Schwellenländer. Wie überall gilt auch hier der Grundsatz: Je grösser die Rendite, desto grösser das Risiko. Solche Märkte zeigen im Aufschwung höhere Wachstumsraten als entwickelte Länder, stürzen bei Schwierigkeiten aber auch brutaler ab.
Heisst das, dass Kleinanleger auf Anlagen in Schwellenländern ganz verzichten sollten?
Nein, das Zauberwort heisst «Brick». Es steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Korea. Ich empfehle, in einen Brick-Fonds oder – noch besser – in einen globalen Emerging-Market-Fonds zu investieren. Man sollte aber maximal 5 bis 10 Prozent des Anlagevermögens in solche Vehikel stecken. Und man sollte sich bewusst sein, dass auch hohe Verluste möglich sind.
Sollte man besser auf einen Indexfonds setzen oder auf einen Fonds, der aktiv von einem Manager bewirtschaftet wird?
Je weniger Analysten einen Markt beobachten, desto grösser die Chance, den Index zu schlagen. Das spricht für einen bewirtschafteten Fonds. Aber auch in Schwellenländern schaffen es nur wenige Fondsmanager, den Index zu übertreffen.
* Felix Horlacher, Fachleiter am Institut für Finanzplanung IfFP in Zürich
31. Januar 2010 | Werner Grundlehner
