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Roland Werner, 54, Landwirt in Wäldi TG
Mein Arbeitstag beginnt um sechs Uhr morgens im Stall. Zusammen mit einem Angestellten kümmere ich mich um 50 bis 60 Kühe. Melken, Kälber tränken, füttern, ausmisten – es gibt jede Menge zu tun. Von meiner Familie werde ich tatkräftig unterstützt. Allerdings habe ich meinen Betrieb schon vor einigen Jahren optimiert, um möglichst kostengünstig Milch produzieren zu können.
Es war absehbar, dass es früher oder später auch bei der Milch eine Marktöffnung geben wird. Und am 1. Mai 2009 ist ja dann tatsächlich die staatliche Milchkontingentierung gefallen. Ich habe mich bereits im Jahr 2000 mit etwa 60 Bauern, die ebenfalls marktorientiert produzieren, zur Thur Milch Ring AG zusammengeschlossen. Gemeinsam haben wir neue Absatzwege gesucht und auch gefunden. Wir exportieren beispielsweise Joghurts nach Deutschland.
Unser Erfolg stösst manchen Milchbauern ziemlich sauer auf, denn die möchten, dass die Milchmengen wieder zentral reguliert werden. Sie haben sich zum Verein Big-M zusammengeschlossen, und ein paar Dutzend von ihnen haben im November meinen Hof heimgesucht. Ohne Einladung wohlverstanden, und es ging ihnen nicht darum, einen Einblick zu bekommen, wie man möglichst wirtschaftlich Milch produziert. Vielmehr wollten sie ihren Unmut demonstrieren und mich einschüchtern.
Aber bei mir funktioniert das nicht, denn ich bin überzeugt davon, dass wir Bauern uns nach dem Markt richten müssen, statt ewig nach der Hilfe des Staates zu rufen. Und dass das klappt, dafür sind wir Milchbauern der Thur Milch Ring AG bestes Beispiel. Wir können jeden produzierten Liter Milch verkaufen und sind ganz sicher nicht schuld an Milchseen oder Butterbergen.
Wenn die Kühe versorgt sind, gibt es Zmorge und danach stehen Büroarbeiten an. Ich bin Präsident von einigen bäuerlichen Firmen hier im Thurgau, und da gibt es immer viel Administratives zu erledigen. Und durch mein Engagement für eine Öffnung des Milchmarktes bekomme ich auch allerhand Korrespondenz, Einladungen für Vorträge oder Anfragen von Medien.
Zudem amtiere ich seit 17 Jahren als Laienrichter am Bezirksgericht Kreuzlingen. Das gibt einen Zusatzverdienst, aber ich mache das hauptsächlich, weil es spannend ist. Ich bekomme Einblick in verschiedenste Lebensbereiche und habe Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Für mich ist das ein guter Ausgleich.
Meinen Hof möchte ich aber keinesfalls missen. Dieser ist schon seit 150 Jahren in Familienbesitz. Ob eines meiner vier Kinder die Tradition weiterführt, weiss ich nicht. Aber mir ist es wichtig, dass sie zumindest die Möglichkeit hätten. Darum ist es mir ein Anliegen, rentabel zu wirtschaften. Wenn der Markt nicht mehr hergibt, muss man eben die Kosten senken. Das ist in jedem Unternehmen so. Weshalb sollten wir Bauern da eine Ausnahme sein? Für mich ist ganz klar, dass da bei vielen ein Umdenken stattfinden muss, wenn sie weiterhin als Landwirte tätig sein wollen.
Nach dem Mittag bin ich auf dem Hof oder am Gericht tätig – kein Tag ist wie der andere. Und abends habe ich manchmal noch Sitzungen. Aber wenn immer möglich achte ich darauf, dass um halb sieben Feierabend ist. Jeder Mensch braucht auch mal eine Pause. Und zweimal pro Jahr gehe ich mit der Familie für eine Woche in die Ferien. Das geniesse ich, aber ich komme immer gerne wieder zurück. Schliesslich muss ich mich ja um meine Tiere kümmern.
31. Januar 2010 | Marianne Siegenthaler
