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Artikel | saldo 02/2010

«Viele Hundetrainer überschätzen sich unheimlich»

Für die neuen obligatorischen Hundehalter-Kurse musste innert kurzer Zeit ein Heer von Instruktoren rekrutiert werden. Experten kritisieren die Qualität der Ausbildung heftig.

In der Schweiz registrieren Tierärzte jährlich 40‘000 neue Hunde. Seit September 2008 müssen alle Halter, die sich einen Hund anschaffen, einen Kurs besuchen – unabhängig von der Rasse. Personen, die zum ersten Mal einen Hund halten, müssen vorgängig einen Theoriekurs besuchen. Training und Theorie dauern jeweils vier Stunden. Im Training sollen die Besitzer lernen, ihr Tier zu führen, zu erziehen und problematisches Verhalten zu erkennen. Auch müssen sie gefährliche Situationen entschärfen können. Danach erhalten die Halter den Sachkundenachweis.


«Bei vielen Schulen und Trainern grassiert eine Selbstüberschätzung»

Für den Kurs braucht es speziell geschulte Hundetrainer. Das Bundesamt für Veterinärwesen hat bis anhin 16 Organisationen anerkannt, die Hundetrainer für diese Kurse ausbilden dürfen. Die Ausbildung umfasst mindestens 140 Stunden und kostet je nach Ausbildungsstätte bis zu 6000 Franken. Fast 900 Personen haben bis jetzt die Trainerlizenz für die obligatorischen Kurse erhalten.

Doch die Qualität der Ausbildung wird heftig kritisiert. Laut Hundetrainerin und Erziehungskursleiterin Angelina Schaffner herrschen «unkoordinierte Zustände». Mit dem neuen Kurs-Obligatorium habe das Bundesamt unter Zeitdruck Organisationen anerkennen müssen, um rechtzeitig genügend Hundetrainer stellen zu können. Doch den Institutionen fehle ein einheitliches Ausbildungskonzept. «Zurzeit erhalten Leute eine Trainerlizenz, die Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten nicht erkennen können», sagt Schaffner.

Das bestätigt die Tierärztin und Verhaltensmedizinerin Susi Paul. Sie hat selbst bei einer Organisation Hundetrainer ausgebildet – und ist ausgestiegen. Mit jedem Lehrgang sei das Niveau der Kursteilnehmer gesunken. «Zuletzt sassen Personen vor mir, die zwar tierlieb waren, aber kaum Erfahrung mit Hunden vorweisen konnten.» Sie könne nicht verantworten, dass diese Leute nach knapp drei Wochen selbst Hundehalter ausbilden dürfen. Paul: «Bei vielen Schulen und angehenden Hundetrainern grassiert eine unheimliche Selbstüberschätzung.»


Ist die Schule einmal anerkannt, wird die Kontrolle schwierig

Evelyn Streiff leitet das Ausbildungszentrum Triple-S in Eptingen BL. Gute Hundetrainer seien wichtig. «Letztlich müssen sie Hundebesitzer auch so instruieren, damit diese keine lebenden Waffen mit sich herumführen.» Die Qualität der Konkurrenz sei sehr unterschiedlich. Es gebe sogar Ausbildungsstätten, die Schüler in Deutschland suchen und ihnen versprechen, als Hundetrainer Geld machen zu können. «Allerdings sind die Schulen schwierig zu kontrollieren, wenn sie vom Bund erst einmal anerkannt sind», sagt Streiff.

Die Bewilligungen für die Ausbildungsstätten von Hundetrainern sind auf fünf Jahre befristet. Laut Bundesamt-Sprecher Marcel Falk erfolgt dann ein Zwischencheck, ob die Schulen die Qualitätsvoraussetzungen noch erfüllen. Bis dahin rät Falk: «Angehende Hundetrainer sollen sich bereits im Vorfeld ausreichend über die Bedingungen der Schulen informieren.»

31. Januar 2010 | Sabine Rindlisbacher, Redaktion saldo


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