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Artikel | saldo 02/2010

Weniger Anbieter, weniger Wettbewerb

Was bringt der geplante Zusammenschluss von Sunrise und Orange den Kunden? Ein Blick auf die andere Seite der Erdkugel gibt Hinweise. Und die sind beunruhigend.

Falls die Wettbewerbskommission (Weko) den Zusammenschluss von Orange und Sunrise genehmigt, gibt es bald nur noch zwei Mobilfunkbetreiber in der Schweiz: Swisscom und Orange. Neuseeland musste während Jahren mit einem solchen Duopol leben. David Naulls, Chefredaktor der neuseeländischen Zeitschrift «Consumer», beschreibt die Folgen: «Das Duopol erlaubte es den beiden Unternehmen im Markt, Telecom und Vodafone, die Preise hoch zu halten. Es gab eine stillschweigende Abmachung zwischen den beiden, sich gegenseitig nicht zu unterbieten.» Die Preise blieben deutlich höher als in anderen Ländern.


Dritter Anbieter brachte Preise in Bewegung

Letztes Jahr kam Bewegung in den neuseeländischen Mobilfunkmarkt. Ein drittes Unternehmen namens 2degrees trat mit eigenem Netz in den Markt ein. Die Folgen waren bald ersichtlich. Die Commerce Commission, die neuseeländische Telekomregulatorin, hält in einem Report fest: «Der Markteintritt von 2degrees hat tiefere Preise gebracht. Das erste Mal, seit wir den Markt analysieren, sind die Preise für Prepaid-Nutzer tiefer als der OECD-Durchschnitt.»


«Ein Kampf um Kunden fand nicht statt»

Ohne Druck von Dritten wäre dies kaum möglich gewesen, wie Bryony Hillness, Sprecherin von 2degrees, feststellt: «Die beiden Konkurrenten haben kaum investiert, und trotzdem blieben die Preise überdurchschnittlich hoch. Ein Kampf um die Kunden fand überhaupt nicht statt.»

Für David Naulls ist jedoch klar: «Auf lange Frist kann 2degrees nur überleben, wenn die Commerce Commission regulierend eingreift.» Das Problem sind die Durchschaltgebühren. Das sind Gebühren, welche sich die Anbieter zulasten der Kunden gegenseitig für Anrufe in ihre Netze verrechnen. Der kleine Marktneuling muss für fast alle Anrufe hohe Gebühren an die Konkurrenz zahlen. «Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Regulatorin die Durchschaltgebühren massiv senkt», so Naulls.

Müssen die Schweizer Konsumenten befürchten, dass ihnen mit nur zwei Mobilfunkanbietern Ähnliches blüht wie Neuseeland in den vergangenen Jahren? Die Antwort lautet wohl ja. Denn die Probleme sind dieselben wie in Neuseeland. Hohe Durchschaltgebühren bei Anrufen in fremde Netze sorgen hierzulande schon heute für hohe Tarife. Die Swisscom verlangt bei Anrufen auf ihr Netz von ihren Konkurrenten zulasten der Kunden 14 Rappen pro Minute, bei Sunrise und Orange sind es 17 Rappen. Das ist 36 Prozent mehr als im europäischen Durchschnitt.

In einem Bericht stellten der Preisüberwacher, die Weko und die Aufsichtsstelle Comcom schon 2008 fest: «Es besteht offenbar ein gemeinsames Interesse an hohen Durchschaltgebühren. Sie wurden von Orange, Sunrise und Swisscom über Jahre weit über dem in Europa üblichen Niveau gehalten.»

Hier ortet der Ex- Preisüberwacher Rudolf Strahm das Problem: «Solange die Anbieter die Höhe der Durchschaltgebühr absprechen können, wird es keinen Wettbewerb geben.» Möglich sind die Absprachen, weil laut Fernmeldegesetz die Comcom nur dann eingreifen kann, wenn ein Netzbetreiber von sich aus Anzeige erstattet.

Dass Absprachen bei nur zwei Unternehmen im Markt noch wahrscheinlicher sind, liegt auf der Hand. Denn die Durchschaltgebühren zahlen stets die Kunden. Strahm fordert deshalb, dass die Comcom von Amtes wegen tätig werden kann – wie in der EU üblich. Ein erster Versuch in diese Richtung ist allerdings gescheitert: FDP-Ständerätin Erika Forster verlangte letztes Jahr in einer Motion mehr Kompetenzen für die Comcom. Bundesrat und Ständerat unterstützten das Anliegen, der Nationalrat stimmte jedoch dagegen. 


Orange-Chef glaubt an Wettbewerb

Der alte und neue Orange-Chef Thomas Sieber glaubt trotzdem, dass mehr Wettbewerb möglich ist: «Orange und Swisscom haben entgegenstehende Interessen. Die Swisscom wird eher auf Angebote zum günstigen Telefonieren innerhalb der eigenen Netze setzen. Wir dagegen wollen mit einfachen, netzübergreifenden Angeboten den Wettbewerb antreiben.»

Zudem verweist Sieber auf die Wiederverkäufer wie Coop, Migros oder Aldi: «Entscheidend für das Preisniveau ist nicht die Zahl der Mobilfunknetze, sondern die Zahl der Anbieter.» Schade nur, dass es kaum Abo-Angebote genau dieser Wiederverkäufer gibt. Schliesslich nutzen nur 43 Prozent der Handybesitzer ein Prepaid-Angebot.


Internationaler Vergleich

Schweizer zahlen schon heute zu viel Bereits heute gehören die Mobilfunkpreise in der Schweiz zu den höchsten in Europa. Dies belegt der Bericht des Bakom «Der Schweizer Fernmeldemarkt im internationalen Vergleich» vom Juli 2009. 

Ein Beispiel: Der Durchschnittskunde (65 Anrufe pro Monat, 50 SMS) zahlte 2008 in der Schweiz für ein Abo bei der Swisscom im besten Fall Fr. 68.85, bei Orange Fr. 52.85. Die Swisscom ist damit die teuerste Anbieterin im europäischen Vergleich, Orange liegt an vierter Stelle. Ein Anbieter in Litauen verlangt für dasselbe Angebot nur Fr. 8.–. Aber auch Schweden (Fr. 16.75) oder Österreicher (Fr. 22.–) zahlen weniger. Die Situation bei den Vielnutzern mit Abo (140 Anrufe, 55 SMS) ist fast identisch, Swisscom führt die Preisliste mit Fr. 104.15 an. Orange liegt mit Fr. 101.15 auf Rang 3. Der günstigste europäische Anbieter verlangt Fr. 14.50.

31. Januar 2010 | Mirjam Fonti, Redaktion saldo


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Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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