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Artikel | saldo 01/2010

Zu viel Süssstoffe in Kindernahrung

Migros bewirbt ihre Lilibiggs-Linie für Kinder als zuckerarm. Dafür stecken in vielen Produkten künstliche Süssstoffe. Ernährungsexperten raten Eltern vom Kauf ab.

Die Migros hat eigens für die Lilibiggs-Produkte ein Signet mit der Aufschrift «Wenig Zucker» entworfen. Eine blaue Hand mit dem Daumen nach oben soll den Eltern signalisieren, dass Produkte mit diesem Signet die beste Wahl für ihre Sprösslinge sind. «Wenig Zucker» steht auch auf dem neuen Erfrischungsgetränk Lilibiggs Himbi. Und nur klein in der Zutatenliste ist vermerkt: Das Wässerchen enthält die Süssstoffe Acesulfam K und Sucralose.


«Diese Substanzen gewöhnen Kinder an den süssen Geschmack»

Himbi ist kein Einzelfall. Ob Lilibiggs Vitamix-Fruchtnektar, Petit Dessert Choco oder Rainbow Glacé – die Migros mischt den Produkten für ihre jüngsten Kunden emsig Süssstoffe bei. Ein wahrer Süssstoffcocktail stellt Proseccolì dar, ein Getränk mit Apfelsaftkonzentrat und Himbeeraroma. Mit einem Schluck Proseccolì fliessen Acesulfam, Aspartam, Cyclamat und Saccharin.

Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, rät von Kinderlebensmitteln mit Süssstoffen ab. «Diese Substanzen gewöhnen Kinder wie Zucker an den süssen Geschmack.» Sucralose ist beispielsweise 600-mal süsser als Zucker, was das Verlangen nach noch mehr Süssem fördere. Und: «Der natürliche Geschmack der Lebensmittel leidet und damit die Geschmacksbildung der Kinder.»


Bei Kindern sind kritische Mengen schnell erreicht

Für Süssstoffe existieren Höchstmengen, welche die Hersteller für ihre Produkte verwenden dürfen. Kinder können aber aufgrund ihres niedrigen Körpergewichts und der erhöhten Stoffwechselaktivität  schneller als Erwachsene kritische Werte erreichen, wenn sie zu grosse Mengen an künstlich gesüssten Lebensmitteln konsumieren.

Auch Heinz Knieriemen, Ernährungsexperte und Buchautor, warnt vor künstlich gesüssten Produkten. «Süssstoffe sind synthetische Produkte, die in den Stoffwechsel eingreifen und den Körper manipulieren.» Mit der Folge, dass sie das natürliche Hungergefühl stören. «Ein massvoller Umgang mit Zucker ist besser als Produkte mit Süssstoffen.»

Migros-Sprecherin Monika Weibel verteidigt die Lilibiggs-Produkte. Süssstoffe seien in üblichen Mengen gesundheitlich unbedenklich. «Sie kommen bei unseren Produkten nur dort zum Einsatz, wo die Priorität beim tiefen Zuckergehalt liegt.» Zudem liessen sich durch die Kombination verschiedener Süssstoffe oder die Verbindung mit Zucker tiefere Werte an einzelnen Süssstoffen erzielen. Anders als die Migros verwendet Coop für die Produkte der Kinderlinie Jamadu keine Süssstoffe. Coop-Sprecher Nicolas Schmied: «Wir geben Zucker in gemässigter Dosierung den Vorrang.»


Tipps zur Ernährung von Kindern

  • Kinder bei der Menüplanung und beim Kochen einbeziehen.
  • Abwechslung: Kinder mögen Farben und Formen, sie wollen mit Augen und Händen geniessen.
  • Zu festen Uhrzeiten essen. So können Eltern vermeiden, dass Kinder unkontrolliert, aus Langeweile oder Frust essen.
  • Eltern sind Vorbilder. Auch sie sollten essen, was auf den Tisch kommt.
  • Kinder mögen Gewohntes. Trotzdem neue Nahrungsmittel immer wieder anbieten; das Geschmacksempfinden ändert sich rasch.
  • Kinder nicht zwingen, ihre Teller leer zu essen. Nur so können sie sich später auf ihr Sättigungsgefühl verlassen.
  • Essen nicht als Strafe, Belohnung oder zum Trost einsetzen. Kinder lernen falsche Verhaltensmuster – mit Folgen bis ins Erwachsenenalter.
  • Kinder essen unterschiedlich viel. Solange sie gesund, leistungsfähig und nicht unter- oder übergewichtig sind, besteht kein Grund zur Sorge.

18. Januar 2010 | Sabine Rindlisbacher, Redaktion saldo


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Lebensmittel
Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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